Bargeld-Streit: Der Unterschied

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Fans und Gegner des Bargelds reden sich derzeit die Köpfe heiß. Selbst skurril anmutende Fragen werden dabei hin und her gewälzt. Etwa zur Hygiene: Kleben wohl mehr Bakterien an Geldscheinen oder an den Tasten von EC-Karten-Terminals?

Dass in einer so emotional aufgeladenen Debatte noch niemand bis zur Kernfrage vorgestoßen ist, mag noch verständlich sein. Schließlich ist der wesentliche Unterschied zwischen Barem und Unbarem den meisten Leuten gar nicht bewusst. Unverständlich ist aber, dass auch die Wirtschaftsweisen Peter Bofinger und Lars Feld in ihrer Diskussion über das Thema bisher nicht auf den zentralen Unterschied gekommen sind – was, pardon, nicht für professorale Kompetenz auf diesem Gebiet spricht.

Der entscheidende Qualitäts-Unterschied ist nämlich der: Banknoten sind das einzige Geld der Zentralbank, das uns Privatleuten zugänglich ist. Das Geld, das wir auf dem Konto haben und mit dem wir dann bargeldlos bezahlen, stammt nicht von der Zentralbank. Es stammt vielmehr von der jeweiligen Bank oder Sparkasse, bei der wir unser Konto haben, und es ist allenfalls mit dem Versprechen verbunden, dass wir es jederzeit in Bargeld, also in Geld der Zentralbank, umtauschen können.

Zugegeben, in normalen Zeiten spielt dieser Unterschied keine große Rolle, weil wir mit dem einen Geld genauso gut bezahlen können wie mit dem anderen. In Krisenzeiten aber schon. Dann merken die Leute plötzlich, dass das Geld auf den Bankkonten weniger sicher ist als das andere Geld, und deshalb wollen sie es in Bares eintauschen. Aus diesem Grund sind die Bargeldabhebungen in der letzten Finanzkrise exorbitant in die Höhe geschnellt. In England gab es sogar einen regelrechten Bank-Run mit langen Menschenschlangen vor den Filialen.

Wenn das Bargeld abgeschafft würde und alles andere beim Alten bliebe, dann gäbe es diese Möglichkeit nicht mehr. Dann wären wir Privatleute gänzlich abgeschnitten vom Geld der Zentralbank, das als das sicherste Geld gilt. Wir wären stattdessen auf Gedeih und Verderb jenem Geld ausgeliefert, das die Banken und Sparkassen bereitstellen. Die Politiker müssten sich dann zwar in Krisenzeiten nicht mehr vor einem Bank-Run fürchten, aber wollen wir das?

BrichtaEin Beitrag von Raimund Brichta.

Seit 1992 moderiert Raimund Brichta die tägliche „TELEBÖRSE“ auf n-tv, die älteste und populärste Börsensendung im deutschen Fernsehen.
Darüberhinaus ist der Diplom-Volkswirt als Sachbuchautor, sowie als freier Wirtschafts- und Finanzjournalist tätig.
Raimund Brichta ist Träger des State-Street-Preises für Finanzjournalisten 2008.

Bildquelle: Raimund Brichta/dieboersenblogger.de


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