Macht Transparenz glücklich?

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Angestellter: “Kann ich eine Gehaltserhöhung bekommen?” – “Nein”, antwortet der Chef. – “Na gut, aber könnten Sie dann wenigstens die Gehälter meiner Kollegen senken?”

Gäbe es auf der Welt tatsächlich nur rationale Vertreter der ökonomischen Theorie, würde wohl niemand über diesen Wortwechsel lachen können, vermutlich würde er gar nicht erst stattfinden. Dass die meisten von uns die Geschichte trotzdem amüsant finden, liegt daran, dass der Angestellte mit seiner zweiten Forderung ja gar nichts an seiner tatsächlichen Lage ändert – bis auf seinen Status, der sich dadurch verbessert, dass er den der anderen absenken möchte. Und das scheint ihm Trost genug zu sein, wenn er denn selbst schon nicht mehr Geld kriegen soll.

So hatten verhaltensorientierte Wissenschaftler bereits vor einiger Zeit herausgefunden, dass das Maß eines Nutzens – in diesem Fall Zufriedenheit – nicht von einer absoluten Größe (etwa dem Gesamtvermögen eines Menschen) abhängt. Vielmehr ist es der Vergleich mit einem Referenzpunkt, der uns entweder glücklich oder unzufrieden macht. Wenn wir uns oberhalb dieses Bezugspunktes befinden (verglichen zum Beispiel mit unserem letzten oder dem Gehalt eines Kollegen), ist unsere Welt in Ordnung. Und sie gerät ins Wanken, wenn wir uns hingegen unterhalb dieses Bezugspunkts eingruppieren müssen.

Eine Studie zeigt indes, dass diese Erkenntnis leicht korrigiert werden muss. In einem Experiment haben vier Wirtschaftswissenschaftler* Mitarbeitern der Universität von Kalifornien die Möglichkeit gegeben, sich auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite einen generellen Überblick über die Einkommen von Angestellten des öffentlichen Dienstes, einschließlich der Bediensteten der Universität, zu verschaffen. Mehr als die Hälfte der Befragten rief diese Seite auf, wobei die meisten von ihnen nur eines interessierte: Was verdienen die Kollegen aus meiner Abteilung, weniger oder mehr als ich? Anschließend mussten die Probanden sowohl den Grad ihrer Zufriedenheit am Arbeitsplatz als auch die Intensität, mit der sie sich einen neuen Job wünschten, beschreiben. Natürlich zeigten sich diejenigen, deren Gehalt unter dem Durchschnittseinkommen der Abteilung lag, besonders unzufrieden. Auch der Drang, sich einen anderen Arbeitsplatz zu suchen, war bei ihnen stärker ausgeprägt. Kein Wunder,…

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GoldbergEin Beitrag von Joachim Goldberg.

Er beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein. Seitdem setzt er sich intensiv mit der ”Behavioral Finance” genannten verhaltensorientierten Finanzmarktanalyse auseinander.
Joachim Goldberg schreibt regelmäßig auf seinem Blog www.der-goldberg.de.

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