Spannende Anlegerzeiten!

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Ein kräftiger Tick nach unten an der Frankfurter Börse, Sorgen über das Wachstum in den USA, Überkapazitäten und Unsicherheit wegen hoher Unternehmensschulden und einem ausufernden grauen Finanzsektor in China – die vergangenen Tage verliefen für Anleger durchaus spannend. Ist es an der Zeit, sich temporär von Aktien zu verabschieden? Man liest doch immer häufiger über die bereits recht optimistischen Bewertungen an den Börsen.

Unbestreitbare Tatsache ist: Wir haben eine der fulminantesten Aufschwungphasen an den Börsen hinter uns, die es je gegeben hat. In absoluten Beträgen gab es an den Börsen wahrscheinlich noch nie höhere Gewinne. Tatsache ist aber auch: Privatanleger haben davon nur sehr eingeschränkt profitiert. Dass nach dem 2008er-Crash die Risikofreude gering war, ist psychologisch verständlich, wirtschaftlich aber nicht. Für die meisten Dinge in unserem Leben gilt ja: Je billiger eine Ware oder eine Dienstleistung, um so eher wird sie nachgefragt.

Bei Aktien ist das genau umgekehrt. Wenn sie billiger werden, die Kurse also fallen, dann lassen auch die Anleger ihre Papiere fallen wie heiße Kartoffel. Steigen die Kurse hingegen, wird also rundherum alles teurer, dann denkt jeder über Käufe nach – ein schönes Beispiel dafür, wie sich Inflation und Deflation auf Kaufverhalten auswirken.

Eine interessante Untersuchung zum Thema Kaufverhalten hat jüngst der in Boston beheimatete Vermögensverwalter State Street Global Advisors veröffentlicht. Befragt wurden 420 Vermögensmanager, unter anderem aus Pensionsfonds, Versicherungen und anderen institutionellen Anlegern. 53 Prozent von ihnen würden gern die Aktienanteile in ihren Portfolios reduzieren. Tatsächlich aber haben 63 Prozent ihre Aktienanteile erhöht. Verrückt? Nein, sondern logisch. Zahlreiche Institutionelle müssen bestimmte Performancevorgaben erfüllen. Diese sind mit einem hohen Anleihenanteil im Portfolio einfach nicht mehr zu schaffen – im Gegenteil, die Aussicht auf möglicherweise bald wieder steigende Zinsen machen Bonds derzeit zu sicheren Verlustbringern.

In diese Gefahr gerät auch Cash. Negativzinsen sind längst kein irreales Schreckgespenst mehr, sondern handfeste Realität. Bemerkenswert ist die Ausweitung des Aktienexposures durch die Profis auch deshalb, weil mehr als die Hälfte der Befragungsteilnehmer in den kommenden zwölf Monaten mit einer Korrektur zwischen zehn und zwanzig Prozent rechnen.

Wenn wir die State Street-Umfrage als repräsentativ betrachten und sich die Mehrheit der Institutionellen also an Aktien überinvestiert betrachtet und zudem mit einer Korrektur rechnet – welche Schlüsse können wir daraus ziehen? Der wichtigste: Die Korrektur wird es mit einiger Wahrscheinlichkeit tatsächlich geben, wenn nur genügend Marktteilnehmer daran glauben, und zwar in dem erwarteten Ausmaß. Drama wäre das keines, im Gegenteil. Für zahlreiche Kleinanleger ergäben sich dadurch wieder Einstiegsmöglichkeiten. So bekäme auch die Hausse, die zuletzt an Schwung verloren hat, wieder neue Nahrung. Soll man deshalb jetzt aussteigen?

Ich persönlich werde das aus mehreren Gründen nicht tun. Erstens, weil kein Mensch weiß, ob die Korrektur tatsächlich kommt, auch wenn sie wahrscheinlich ist. Zweitens, weil Anleger, die verkaufen, üblicherweise ganz sicher den richtigen Zeitpunkt zum Wiedereinstieg versäumen. Und Drittens, weil jene, die im größten Nachkriegscrash 2008 die Nerven behalten haben, längst wieder über dem Stand von 2007 sind.

Franz C . Bauer , Trend Redakteur .Ein Beitrag von Franz C. Bauer

Franz C. Bauer ist Chefkolumnist des Austria Börsenbriefs

Wöchentlich konkrete Empfehlungen zum Kauf und Verkauf von Aktien, Analysen, Prognosen sowie hochaktuelle Hintergrundinformationen zu Österreich und zu den internationalen Börsenplätzen. Leicht verständlich aufbereitet – im Austria Börsenbrief unter boersenbrief.at

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1 KOMMENTAR

  1. Die beste Strategie ist, Aktien langfristig zu halten. Niemand weiß, wann der ideale Zeitpunkt zum Einstieg oder Ausstieg ist. Und wenn eine Börsenkrise kommt, sitzt man diese einfach aus. Schon Helmut Kohl hat vorgemacht, wie man Probleme einfach aussitzt. Während dies in der Politik nicht immer die beste Lösung ist, gibt es bei einer Börsenkrise kein besseres Mittel. In der Regel erholen sich die Kurse wieder binnen weniger Jahre.

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