Der Fluch des festen Dollar

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Senti-06052015-230x180Die gestrigen Handelsbilanzzahlen aus den USA haben deutlich gemacht, in welchem Dilemma sich die US-Notenbank derzeit befindet. Denn das höchste Außenhandelsdefizit seit Oktober 2008 (und der stärkste Anstieg des Defizits seit Dezember 1996) dürfte beim US-Wachstum für das erste Quartal 2015 für eine Abwärtsrevision sorgen, die statt eines mageren BIP von 0,2 Prozent sogar zu einer Schrumpfung der dortigen Konjunktur führen könnte. Dass der bereits im Vorjahr stark gestiegene Außenwert des US-Dollar sich erwartungsgemäß und mit Verzögerung negativ auf die Handelsbilanz auswirken würde, habe ich schon verschiedentlich angemerkt. Besonders bemerkbar macht sich das bei den Exporten, die gerade einmal um 0,9 Prozent im März angestiegen sind. Dass die Importe dagegen um 7,7 Prozent in die Höhe schossen, wurde mancherorts sogar als Stärke für die heimische Nachfrage interpretiert, aber neben dem Ende des Hafenarbeiterstreiks an der Westküste dürfte vor allem der starke Dollar zu dieser deutlichen Erhöhung der Importe – es soll sich um den höchsten Sprung seit Dezember 1996 gehandelt haben – beigetragen haben.

Trotz der jüngsten Abwärtskorrektur des Greenback erwarte ich, dass sich die ungünstige Entwicklung der Handelsbilanz noch einige Monate fortsetzen wird. Auch ist nicht ausgemacht, ob der Wachstumseinbruch des ersten Quartals in den USA nur eine vorübergehende Delle wie im Vorjahr darstellt. Die US-Notenbank dürfte damit weder im Juni noch im September dieses Jahres tatsächlich mit Zinserhöhungen beginnen, zumal sie den besten Zeitpunkt für einen derartigen Schritt bereits verpasst hat…

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GoldbergEin Beitrag von Joachim Goldberg.

Er beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein. Seitdem setzt er sich intensiv mit der ”Behavioral Finance” genannten verhaltensorientierten Finanzmarktanalyse auseinander.
Joachim Goldberg schreibt regelmäßig auf seinem Blog www.der-goldberg.de.

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1 KOMMENTAR

  1. Warum sollten die US-Amerikaner nicht Importieren? Die dortigen gesundheitsbewussten Ami’s müssten dann nämlich ihre US-Chlorhühner essen sowie die genmanipulierten Ceralien usw., weil eben nichts importiert würde, was den US-Nahrungs-Standard entgegen stände.
    Oder warum sollten die US-Amerikaner zudem nicht Importieren? Sie importieren doch auch mit Hilfe der NSA des BND und anderer Geheimdienste massenhaft Daten. Und unter diesen sind dann mit größter Gewissheit auch „Innovationen“ und „Ideen“. Da reicht es doch den US-Amis, dass diese sie als Erste patentieren. Zudem können sie danach an Lizenzvergaben erneut verdienen. Und Entwicklungskosten hatten die US-Amis ja dann nicht, dank Industriespionage. Wo das Zeugs dann in Massen produziert wird ist doch völlig egal.
    Die Handelsbilanzen sind m. E. schon lange kein „Maßstab“ mehr im klassischen Sinne. Es sollte eher untersucht werden wie diese Handelsbilanz-Zahlen mit eben genannter Industriespionage, Lobbying (Korruption), usw. korrelieren, mathematisch in Relation stehen.
    Wozu brauchen US-Ami’s eigentlich TTIP, auch so exerzieren die US-Amis ihre Art des „Freihandels“, Respekt.

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