Schlussgong: Piech gewinnt auch den Machtkampf gegen MAN-Chef Samuelsson

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An den Aktienmärkten gab es gestern nach zwei schwächeren Tagen wieder kräftigen Rückenwind. Der Dow Jones erreichte den höchsten Stand seit Oktober 2008. Bedenklich ist jedoch die Begründung für die gute Stimmung: Ein Mitglied der US-Notenbank Fed hat angedeutet, dass die Notenbank noch länger und noch mehr Anleihen aufkaufen könnte, um den Markt in Schwung zu bringen. Ich weiß nicht, ob es langfristig eine weise Entscheidung ist, die Fed-Bilanz weiter aufzupumpen. Die “Hüterin” des USD wird immer stärker zu einem Risiko-Faktor. Eine Notenbank ist keine Müllhalde für unverkäufliche Anleihen. Kein Wunder, dass der Goldpreis heute schon wieder ein neues Allzeithoch erreicht hat.

Der DAX stieg in der Spitze um fast 2,5% und schloss im Xetra-Handel knapp über der Marke von 5.800 Punkten. Nachbörslich konnte der deutsche Leitindex das Niveau aber nicht ganz halten. Die Frage, ob kurzfristig ein neues Jahreshoch erreicht wird, ist noch offen. Fällt die alte Marke, ist anschließend ein schneller Anstieg um 5 bis 10% zu erwarten. Das wäre die perfekte Jahresendrally und ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für die Aktionäre.

MAN: Überraschender Führungswechsel

Alles andere als besinnlich verlief der Tag beim DAX-Konzern MAN. Knall auf Fall verlässt MAN-Chef Hakan Samuelsson den LKW-Bauer. Es kommt ganz selten vor, dass ein Vorstands-Chef mit sofortiger Wirkung seinen Sessel räumt. Offiziell will Samuelsson den Weg für einen Neuanfang frei machen. Ähnlich wie bei Siemens wird auch der MAN-Konzern von einem Schmiergeldskandal erschüttert. Der MAN-Aufsichtsrat hat vor wenigen Tagen den neuesten Ermittlungsstand bekommen und offensichtlich das Vertrauen in den eigenen Vorstands-Boss verloren.

Piech ist der Strippenzieher im Aufsichtsrat

Die ganze Angelegenheit bekommt eine pikante Note, wenn man berücksichtigt, wer den Vorsitz im MAN-Aufsichtsrat führt: Ferdinand Piech. Deutschlands größter Strippenzieher. Wenn der Name Piech fällt, muss man automatisch alle taktischen Spielchen berücksichtigen. Piech hat mit “seinem” VW-Konzern nach einem harten Kampf das Duell gegen Porsche gewonnen. Porsche ist jetzt eine weitere Marke im VW-Imperium. Das reicht Piech aber noch nicht. Jetzt, wo die PKW-Sparte mit der Renditeperle Porsche abgerundet wurde, soll im nächsten Schritt die LKW-Sparte in neue Dimensionen wachsen. Der Traum von Piech: Ein Zusammenschluss der LKW-Sparten von VW, MAN und Scania – natürlich unter Federführung von VW.

Piech will Allianz VW-MAN-Scania

Ein Bremsklotz in dieser Geschichte war bisher der MAN-Chef Samuelsson, der nicht einfach eine Marionette des Großaktionärs VW war, sondern ein starker, eigenständig agierender Manager. Eigenschaften, die der Machtmensch Piech an dieser Stelle nicht gebrauchen konnte.Daher liegt der Verdacht nahe, dass der Schmiergeldskandal nur ein Vorwand war, um den MAN-Chef abzuschießen. Der Staatsanwalt, der den Schmiergeldskandal bearbeitet, war überrascht, als er vom Rücktritt hörte. Der Kommentar von Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch auf Nachfrage der Wirtschaftszeitung Handelsblatt: “Wir können nicht erkennen, dass ein Zusammenhang mit den Ermittlungen besteht”.
Noch dubioser wird der Fall, wenn man zusätzlich berücksichtigt, dass Piech schon im September gegenüber der Presse Andeutungen gemacht hat, dass die festgefahrene Dreiecksgeschichte VW-MAN-Scania bald wieder in Bewegung kommt. Was wusste Piech im September, was andere nicht wussten?

Und noch ein Detail: Warum will VW im Dezember eine so große Kapitalerhöhung beschließen? Für die Porsche-Übernahme benötigt VW nicht so viel Geld. Soll direkt das Kapital für die MAN- und Scania-Übernahme eingesammelt werden? Dann würde plötzlich alles einen Sinn ergeben.

Renk-Aktie als Alternative zum Mutterkonzern MAN

Was bedeutet das für die MAN-Aktie? Die Aktie hat sich gestern deutlich schwächer als der Gesamtmarkt entwickelt. Zum einen bedauern die Investoren, dass der relativ erfolgreiche Chef Samuelsson gegangen ist, zum anderen bleibt natürlich die Angst, dass doch noch Leichen im Keller liegen. Auf der anderen Seite ist die Wahrscheinlichkeit einer Übernahme durch VW mit dem heutigen Tage deutlich gestiegen. Wer die ganzen Unsicherheiten meiden will, aber trotzdem zumindest teilweise von der Übernahme-Phantasie profitieren möchte, kann einen Blick auf die MAN-Tochter Renk werfen. MAN besitzt gut 75% der Renk-Aktien. Wenn MAN übernommen wird, muss sich der neue Eigentümer auch um Renk kümmern. Bei einem Börsenwert von unter 350 Mio. Euro könnte VW die noch frei handelbaren Renk-Aktien locker aus der Portokasse zahlen. Kommt es nicht zu einer Übernahme, hat man einen attraktiven Nebenwert im Aktien-Portfolio. Auch nicht schlecht. Renk gehört zu den Aktien, die eine doppelte Chance bieten: Kurzfristig Übernahmekandidat, langfristig eine Ertragsperle. Daher ist die Renk-Aktie als Trading-Wert im “Power-Depot” enthalten und als Langfrist-Wert im “Depot-Optimierer”.


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