Wenn ein deutscher CEO vor „Kollateralschäden“ der EZB-Geldpolitik warnt…

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Bildquelle: Pressefoto Europäische Zentralbank

Ein Vorstandschef steht in der Regel mit stolz geschwellter Brust auf der Hauptversammlung vor den Aktionären, wenn der Aktienkurs des von ihm geführten Unternehmen kräftig gestiegenen ist. Ganz anderes der Vorstandschef der Münchener Rück (WKN 843002), Nikolaus von Bomhard. Er sieht den starken Kursanstieg „seiner“ Munich Re in den vergangenen Monaten auch kritisch. Der Firmenlenker ist sich bewusst, dass dieser Kursanstieg wenig mit der eigenen Managementleistung zu tun hat, sondern mit einer generell verstärkten Nachfrage nach Aktien, die zu einem großen Teil durch die extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) angetrieben werde.

Kein Wunder, dass von Bomhard die EZB-Politik kritisch sieht. Schließlich muss der Rückversicherungsgigant Milliardenbeträge anlegen und angesichts des Zinsschwundes sinken hierbei die Erträge aus diesen Anlagen von Jahr zu Jahr. Der von uns sehr geschätzte Manager warnt zudem vor „Kollateralschäden“ dieser Geldpolitik. Wir können uns weiterhin einen DAX-Anstieg in Richtung 15.000 Punkten gut vorstellen- der Rückenwind der EZB-Geldpolitik macht es möglich.

Doch als Kollateralschaden droht aus unserer Sicht längerfristig wohl wieder einmal ein neuer Börsencrash. Schließlich sorgen lange Phasen mit extrem tiefen Zinsen stets für eine Destabilisierung des Finanzsystems. Zunächst entstehen Preisblasen, die dann irgendwann platzen. Mit Blick auf die wichtigsten Assetklassen sehen wir derartige Blasen aktuell besonders bei (Staats-)Anleihen, zunehmend bei Immobilien, nur teilweise bei Aktien und eher nicht bei den Edelmetallen.

Investoren sollten sich somit besonders dort umsehen, wo sich bisher noch keine Preisblasen gebildet haben, also bei selektiv ausgewählten Aktien und auch bei Edelmetallen. Stark nach einer Blasenbildung sieht es hingegen bei den deutschen Staatsanleihen aus. Dies sieht auch der viel beachtete US-Anleihenexperte Bill Gross so, der deutsche Staatsanleihen derzeit als interessante Short-Spekulation ansieht. Gross wettet somit darauf, dass sich die Zinsen in Deutschland wieder ein Stück weit normalisieren und zumindest die absurden Minuszinsen bei den deutschen Staatsanleihen wieder verschwinden werden.

Ein derartiger Zinsanstieg wäre bekanntlich nicht unbedingt gut für den Aktienmarkt. Auf der anderen Seite: Wo soll das frei werdende Geld hin, wenn am gigantisch großen Markt für deutsche Staatsanleihen tatsächlich zunehmend die Gewinne mitgenommen werden? Ein Teil des Geldes wird dann sicherlich auch in gute Dividendenaktien fließen. Ein langsames Entweichen der Luft aus der Preisblase am Rentenmarkt muss somit keine starke Belastung für den Aktienmarkt mit sich bringen. Nur ein schnelles Hochschießen der Zinsen würde für eine starke Börsenkorrektur sorgen. Doch deutlich höhere Zinsen können sich viele Staaten angesichts einer dann kaum mehr tragbaren Schuldenlast ganz einfach nicht leisten. Somit werden die globalen Notenbanken weiterhin alles dafür tun, dass die Zinsen noch sehr lange niedrig bleiben – mit den bekannt positiven Wirkungen auf den Aktienmarkt.

RiegerEin Beitrag von Matthias Rieger

Er ist Chefredakteur des Hanseatischen Börsendiensts.

Der Hanseatische Börsendienst bietet Privatanlegern und Investoren seit 53 Jahren fundierte Tipps, Trends und Analysen rund um deutsche Spezial- und Nebenwerte. Er setzt sein value-orientiertes Anlagekonzept konsequent um. Das Musterdepot steigerte seinen Wert seit Anfang 1999 von 10.000 Euro auf knapp 100.000 Euro. Damit wurde der Depotwert rund verzehnfacht.

Bildquelle: Europäische Zentralbank / HBD


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