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Von den Rahmenbedingungen für Aktionäre in Österreich

Auf den Werbe-Screens in der Wiener U-Bahn läuft neben Nachrichten und Werbung auch ein Quiz. Alle paar Minuten taucht eine Sanduhr auf, daneben eine Frage und vier mögliche Antworten. Die heutige Frage fand ich mit Bezugnahme auf den demnächst in Wien stattfindenden Eurovisions-Songcontest naheliegend, die Antwort mit Bezugnahme auf die Steuerreform interessant.

Welches der folgenden vier Länder hat die meisten Sieger im Eurovisions-Songcontest gestellt? Schweden, Finnland, Irland, und das vierte fällt mir nicht mehr ein, sagen wir: Deutschland. Logisch wäre natürlich die Antwort Deutschland, denn wenn Preise statistisch normal verteilt sind, dann muss ja das bevölkerungsstärkste Land die langfristig meisten Sieger stellen. Aber natürlich wissen Sie bereits, dass es Deutschland nicht ist, sonst wär‘s mir ja eingefallen.

Kaum zu glauben, aber ausgerechnet das mit 4,6 Millionen Einwohnern bevölkerungsärmste Land erntete die meisten Siegerlorbeeren. Nicht nur das: Mit U2 hat auch eine der erfolgreichsten Pop-Bands der Welt irische Wurzeln. Ein Blick in andere Kunstrichtungen offenbart Ähnliches: James Joyce, George Bernard Shaw, Samuel Beckett – Weltliteratur. Sind die Iren talentierter als, beispielsweise, wir Österreicher?

Kann schon sein, ist aber wenig wahrscheinlich. Aber vielleicht wagen wir einen Blick auf das irische Steuersystem. Dieses nutzten nicht nur multinationale Konzerne wie Apple (WKN 865985) und Google (WKN A110NH), um damit eine Art legale Steuerhinterziehung zu begehen – es begünstigt auch mit besonders niedrigen Steuersätzen künstlerische Tätigkeit.

Irlands Steuergesetzgebung kann also als Musterbeispiel dienen, wie fiskalische Anreize eine weltweit sichtbare Wirkung erzielen. Niedrige Steuern auf (die meist nicht besonders üppigen) Einkünfte aus künstlerischer Tätigkeit ermöglichen es im Vergleich mit anderen Ländern mehr Menschen, von der Kunst zu leben, daher hat Irland in der Musik- und Literaturszene eine Bedeutung erlangt, die es statistisch betrachtet eigentlich gar nicht haben dürfte. Genau solche Beispiele sollten sich unsere Politiker ansehen, wenn Sie bis zum Beginn des kommenden Jahres die letzten Details der Steuerreform ausarbeiten.

Die an dieser Stelle bereits kritisierte Verschlechterung der Rahmenbedingungen für Aktionäre in Form einer Anhebung der Dividendenbesteuerung nimmt sich ja nicht dramatisch aus und wird bei einem wirklich guten Investment zu verschmerzen sein. Aber sie ist ein Indikator für eine immer noch finanzmarktfeindliche Stimmung der Regierung und besonders der SPÖ. Natürlich schlägt kein irischer Barde und kein Kaffeehausliterat (in Irland wäre das wahrscheinlich ein „Pub-Literat“) die Künstlerlaufbahn wegen der dort wartenden Steuerbegünstigungen ein.

Doch diese schaffen eine positive Atmosphäre, in der dann Spitzenleistungen gedeihen. Wie wär‘s, wenn sich unsere verantwortlichen Herren und Damen einmal überlegten, wie sie eine Wirtschafts-, Börsen- und damit Arbeitsplatz-freundliche Stimmung in diesem Land fördern können? Mit ständigen Steuererhöhungen in einem sensiblen Bereich wird das wohl nicht gelingen.

Franz C . Bauer , Trend Redakteur .Ein Beitrag von Franz C. Bauer

Franz C. Bauer ist Chefkolumnist des Austria Börsenbriefs

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Bildquelle: dieboersenblogger.de / boersenbrief.at


1 Kommentar zu Von den Rahmenbedingungen für Aktionäre in Österreich

  1. Interessanter Beitrag. Er zeigt wieder, wie viele steuerliche Anreize ausmachen können. Gewinne, Dividendenzahlungen oder Zinsen werden hier in Deutschland mit 25+% besteuert. Ich weiß nicht, wie der genaue Wert in Österreich oder Irland aussieht. Ich finde man sollte diesen vielleicht wie die Einkommenssteuer am die Höhe der Kapitalerträge koppeln um Menschen, die sich an den Aktienmarkt herantasten möchten nicht gleich mit 25% zu besteuern.

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