Herumgeschubst

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Ganz neu ist das Thema „Nudging“ nun wirklich nicht mehr. Auch ich selbst habe mich dazu bereits mehrfach geäußert. Jetzt hat sich auch Dieter Schnaas von der Wirtschaftswoche (unter dem Titel „Gütiger Himmel!“) Gedanken darüber gemacht, wie die Politik mithilfe der Verhaltensökonomie den freien Bürger zum psychopolitischen Objekt degradiert. Damit gesellt sich Schnaas zu der großen Gruppe von traditionellen Volkswirten, die sich gegen eine Politik des so genannten Anstupsens („Nudging“), also gegen einen solchen sanften Paternalismus wehren.

Darunter versteht man die Methode, in der Politik mit geschicktem Anreizen und Argumenten den Bürgern einen Anstoß in die richtige Richtung zu geben, damit sie „bessere“ Entscheidungen treffen. Gleichzeitig bleibt die Freiheit des Einzelnen erhalten, zumal der sanfte Paternalismus den Entscheidern keine Vorschriften macht, was sie zu tun haben. Allerdings kann die beim Nudging häufig benutzte Technik, einen Sachverhalt nicht zu verändern, aber anders darzustellen, großen Einfluss auf das subjektive Empfinden der Menschen ausüben. Gerade weil Menschen nun einmal Verluste schwerer bewerten als Gewinne in gleicher Höhe, spielt es eine wesentliche Rolle, ob man ein Glas als halb voll oder halb leer präsentiert. Mithin als relativen Gewinn oder relativen Verlust.

Natürlich mag Dieter Schnaas – möglicherweise sogar mit einigem Recht – bemängeln, dass Volksvertreter mit dem Geld ihrer Bürger Verhaltensexperten einstellen, denen sie dann den Auftrag erteilen, diejenigen, die ihre Gehälter bezahlen, in gewisser Weise zu „manipulieren“. Und weil die so genannten Nudge-Apologeten angeblich auch noch gleich den Homo Oeconomicus zu Grabe getragen haben, gelten sie ihm als besonders üble Zeitgenossen. Allerdings ist dessen „Leiche“ nicht erst seit dem Ausbruch der Finanzkrise „zur Schändung freigegeben“ wie der Autor des Essays es etwas sehr makaber ausdrückt.

Aufklärung statt Hexerei

Schon als der Nobelpreisträger Daniel Kahneman gemeinsam mit seinem damaligen Kollegen Amos Tversky vor mehr als 30 Jahren beweisen konnte, dass Menschen mit Verlusten und Gewinnen unterschiedlich umgehen, hätte das dem künstlichen Konstrukt des Homo Oeconomicus einen Todesstoß versetzen müssen. Denn es ist die für nahezu alle Menschen typische Verlustaversion, die dafür verantwortlich ist, dass man nicht gerne ein Gut gegen ein anderes eintauschen möchte, auch wenn beide gleichwertig sind. Der Verlust dessen, was man hergibt, wiegt schwerer als die Freude über das, was man dafür bekommt, und dies ist ein Grund, weshalb eine große Mehrheit von Entscheidern den Status quo gegenüber einer aktiven Entscheidung bevorzugt. Und genau diese Erkenntnis kann man sich zunutze machen, wenn man Menschen zu für sie „besseren“ Entscheidungen anstupsen möchte…

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GoldbergEin Beitrag von Joachim Goldberg.

Er beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein. Seitdem setzt er sich intensiv mit der ”Behavioral Finance” genannten verhaltensorientierten Finanzmarktanalyse auseinander.
Joachim Goldberg schreibt regelmäßig auf seinem Blog www.der-goldberg.de.

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