Schlussgong: Aixtron – zwischen Himmel und Hölle

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Nach einer Gewinnserie gab es gestern zum ersten Mal wieder größere Kursverluste an den Börsen. Der DAX verlor 1,5% und die Indizes in den USA ebenfalls 1 bis 1,5%. Eine negative Analystenstudie zur Halbleiterbranche setzte den Markt unter Druck. Der Chip-Hersteller Infineon war dann auch mit -7% schwächster DAX-Wert, im Dow Jones war Intel mit -4% Tagesverlierer. Dazu passend legte der amerikanische Computerhersteller Dell nachbörslich schwache Quartalszahlen vor und setzt die ganze Hoffnung auf ein starkes Weihnachtsgeschäft. Das war sicherlich kein Zeichen von Stärke.

Aixtron: Der Überflieger im Börsenjahr 2009

Im technologielastigen TecDAX war Aixtron mit einem Tagesverlust von gut 5% schwächster Wert. Mit einer Kursrally von 3 auf jetzt 22 Euro gehört Aixtron seit Frühjahr zu den Superstars an der deutschen Börsen. Das Unternehmen aus Aachen liefert Maschinen für die Produktion von LED-Leuchtdioden. Der LED-Markt erlebt zur Zeit einen Boom, der wahrscheinlich auch noch einige Jahre anhalten wird. Im Windschatten des Booms ist die Aixtron-Aktie um über 600% gestiegen.
Die Rally muss auch noch nicht zu Ende sein. Im Wochentakt vergeben die Bankanalysten neue, höhere Kursziele. Laut Analysten-Meinung scheinen 25 bis 28 Euro je Aktie locker drin zu sein. Wer gerne auf Trend-Aktien setzt, sollte sich Aixtron etwas genauer anschauen.

Fundamental betrachtet ist die Aktie ein Albtraum

Wenn Sie ein fundamental günstiges “Schnäppchen” suchen, werden Sie bei der Analyse der Aixtron-Zahlen vom Hocker fallen. Das Unternehmen kostet an der Börse 2,2 Mrd. Euro. Bei einem Umsatzziel (nicht Gewinnziel) von 280 Mio. Euro ist das eine sehr sportliche Bewertung. Günstig wäre ein Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 1. Um das zu erreichen, müsste Aixtron den Umsatz verachtfachen. Auch im LED-Boom ist das keine einfache Aufgabe. Kommen wir zum Gewinn. 2008 lag der Gewinn je Aktie bei 0,25 Euro. Die Schätzungen für 2009 bis 2011 lauten: 0,40 Euro, 0,75 Euro und 1,00 Euro. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis fällt also von 88 auf 22. Eine tolle Leistung, wenn das erreicht wird.

Gewinne der Zukunft schon im Kurs enthalten

Ich sehe 2 Probleme: Zum einen wollen die Käufer, die jetzt bei 22 Euro in die Aktie einsteigen, bis 2011 hohe Kursgewinne verbuchen. Mit dem Kursziel von 28 Euro (Analyse Deutsche Bank) könnten die Neu-Käufer schon besser leben (wobei sie sicherlich von noch höheren Kursen träumen). Aber dann müsste der Gewinn je Aktie bis 2011 auf deutlich über 1 Euro steigen. Die Erwartungsdruck ist riesig, die Absturzgefahr steigt.
Nur ein Beispiel: Wenn Aixtron den Gewinn aus dem Jahr 2008 in den nächsten 2 bis 3 Jahren “nur” um 100% auf 0,50 Euro je Aktie steigert, wäre ein Kursziel von über 10 Euro schwer zu rechtfertigen. Der Aktienkurs würde sich dann vom jetzigen Niveau aus mehr als halbieren. Der Absturz in die Hölle, der bei einem Himmelsstürmer immer möglich ist.

Gefahren werden unterschätzt

Zum anderen ist erstaunlich, dass in den Aktienanalysen auf mögliche Gefahren hingewiesen wird, diese jedoch offensichtlich nicht sonderlich stark in die Bewertung einfließen. So sehen die Analysten von Goldman Sachs das Risiko, dass im LED-Bereich Überkapazitäten aufgebaut werden. Auch in der deutschen Solarbranche gab es noch vor 1 oder 2 Jahren gigantische Wachstumsprognosen.
Auf ein anderes Risiko machen die Analysten der Bank Unicredit aufmerksam. Wenn das Umsatz- und Gewinn-Potenzial in der LED-Branche weiter steigt, können neue Wettbewerber den Markt betreten. Die Analysten nennen sogar Namen: Der Halbleiterausrüster Applied Materials (über 8 Mrd. USD Jahresumsatz) könnte den LED-Markt in relativ kurzer Zeit überrollen.
Je höher die Gewinne und Umsätze bei Aixtron und Co., desto stärker die Gefahr, dass große Mitspieler ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Das würde schlagartig die Gewinnmargen drücken. Und dann sind die sehr optimistischen Aixtron-Prognosen in den Bank-Studien plötzlich sehr fragwürdig.

Es gibt Aktien mit einem besseren Chancen-Risiko-Verhältnis

Fazit: Der “Überflieger” Aixtron ist dann für Sie interessant, wenn Sie Aktien mit einem steilen charttechnischen Aufwärtstrend suchen, oder wenn Sie davon ausgehen, dass Aixtron eine Nische gefunden hat und in den nächsten 2 bis 3 Jahren relativ ungestört Umsatz und Gewinn steigern kann. Falls Sie dagegen davon ausgehen, dass es eine verschärfte Konkurrenzsituation im LED-Markt geben wird, sollten Sie die Aktie meiden.
Auch wenn Kauf-Empfehlungen beliebter sind: Mir persönlich sind die Risiken bei der Aixtron-Aktie auf dem aktuellen Kursniveau viel zu hoch. Es gibt genug Nebenwerte, die das gleiche Kurs-Potenzial bei deutlich geringeren Risiken besitzen.


1 KOMMENTAR

  1. Ich stimme teilweise zu. Fundamental betrachtet halte ich die Aktie weiterhin für gut bewertet, man bedenke, Aixtron ist Weltmarktführer in seinem Bereich. Aus charttechnischer Sicht sieht die Situation etwas kritischer aus. Einerseits befindet sich die Aktie zurzeit noch in einem Aufwärtstrend, andererseits könnte die Aktie ein gutes Stück zurückfallen, wenn die untere Trendlinie durchbrochen wird. Für ein langfristiges Engagement würde ich auch empfehlen zu warten, bis etwas Luft aus der Aktie ist.

    Mehr Details:

    Beste Grüße
    Simon

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