Die Lösung des Schuldenproblems?

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Bildquelle: Pressefoto Europäische Zentralbank

Die Märkte steigen in Europa so als wäre die Schuldenkrise abgehakt. Das ist sie nicht. Sie ist nur überdeckt.

Die Schlagzeilen gelten derzeit vor allem Griechenland. Man darf aber nicht vergessen, dass die Schuldenberge in den meisten europäischen Ländern noch rasant wachsen. Ohne Reformen, wie sie auch von Griechenland verlangt werden, holt die Krise viele Länder früher oder später wieder ein. Das Problem ist noch lange nicht gelöst. Die Schuldenberge sind nur durch Marktmanipulation noch tragbar. Früher oder später müssen sie allerdings wieder reduziert werden. Von alleine wird das kaum gehen.

Geld muss irgendwoher genommen werden, um die Schuldenberge wieder abzutragen. Das Geld ist grundsätzlich vorhanden. Rein theoretisch könnten viele Staaten einfach warten und sich beschenken lassen, denn in den kommenden Jahren werden Vermögen von nie da gewesenem Ausmaß vererbt. Eine deftige Erbschaftssteuer auf hohe Vermögen würde viele Probleme lösen.

Nun können gerade jene, die viel Geld haben, der Steuer leichter entgehen. Wer es sich leisten kann, gleich eine ganze Kanzlei zu engagieren, um Steuersparmodelle zu entwickeln und umzusetzen, der wird kaum darauf warten, dass der Fiskus 50% des Vermögens einstreicht. Steuern werden dabei ganz legal umgangen – oder um einen negativen Beigeschmack zu vermeiden: Steuern werden optimiert.

Seit Jahren ringen Regierungen mit sich und mit anderen die Steueroptimierungsmöglichkeiten einzudämmen. Wenn ihnen das gelingt, dann klingeln die Kassen. Grafik 1 zeigt, wie viel Vermögen von besonders wohlhabenden (von sog. Ultra High Net Worth Individuen) Personen in den kommenden Jahren vererbt wird. Als besonders wohlhabend gilt, wer über 30 Mio. USD Vermögen besitzt.
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In Europa werden in den kommenden 10 Jahren über eine Billionen USD vererbt. Wie hoch der Steuersatz darauf sein wird, lässt sich nur vage vermuten. Er wird wahrscheinlich deutlich näher bei 0% als bei 50% liegen. Könnten Regierungen nun tatsächlich die normalen Steuern erheben oder besonders große Vermögen stärker belasten, dann könnten gut und gerne 500 Mrd. zusätzlich eingenommen werden.

Das löst das Schuldenproblem nicht ganz von alleine. Es würde jedoch helfen. Die Schuldenlast der gesamten Eurozone könnte so um 4,5 Prozentpunkte sinken. Blickt man weiter in die Zukunft, dann wären es auf 20 Jahre gerechnet ungefähr 10 Punkte und über die kommenden 30 Jahre sogar 20 Prozentpunkte.

In den USA wäre eine konsequentere Besteuerung ebenso lukrativ. In Japan gibt es enorme Vermögen, die besteuert werden könnten. Dort sind die Schulden nun aber inzwischen so hoch, dass selbst das nicht mehr viel bringen würde. Selbst ein Steuersatz von 100% würde die Staatsverschuldung lediglich auf 200% der Wirtschaftsleistung zurückführen.

Wenn es weltweit gelingen würde Steueroptimierung zu erschweren, dann sind immer noch nicht alle Probleme gelöst. Schon gar nicht können sie Strukturreformen ersetzen. Dennoch kann es helfen, die Schulden im Griff zu halten. Mindestens genauso wichtig ist jedoch eine Begrenzung der Vermögenskonzentration. Die UNHW dieser Welt machen lediglich 0,003% der Weltbevölkerung aus. Sie halten allerdings 13% des weltweiten Vermögens.

Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de.

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Bildquelle: Pressefoto Europäische Zentralbank


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