Thema Liquiditätsrallye oder ‚Die Hausse nährt die Hausse‘

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In der letzten Zeit macht immer öfter das Schlagwort „Liquiditätsrallye“ die Runde. Viele Experten verwenden es gerne und oft, für meine Begriffe fast schon ein wenig inflationär. Die Optimisten scheinen sich weitgehend einig zu sein: Es ist jede Menge Liquidität vorhanden, die in den Aktienmarkt fließen und die Kurse weiter antreiben wird. Schließlich gibt es keine wirklich interessanten Anlagealternativen zu Aktien. So weit, so gut. Aber was heißt eigentlich „reichlich Liquidität“?

Versicherungen und ihre Aktienquoten

Ich habe kürzlich eine interessante Studie der Commerzbank gelesen, die sich mit der Entwicklung der Aktienquoten bei den deutschen Versicherungskonzernen beschäftigt. Demnach hat deren durchschnittliche Aktienquote jüngst mit nur noch rund 3% ein historisches Tief erreicht. Die Versicherungen, die immerhin Anlegergelder von rund 1,1 Bio. Euro verwalten, haben sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Es ist ein offenes Geheimnis, dass einige Versicherer ihre Aktienquoten sogar in der Nähe der Tiefstkurse nahezu auf null heruntergefahren haben. Ein Armutszeugnis, wie ich finde.

Wenn ich mir die Entwicklung der Aktienquoten anschaue, muss ich eines feststellen: Die Versicherungen hinken dem Markt immer gewaltig hinterher. Im Jahr 2000, auf dem Höhepunkt des Börsenbooms, lagen die Aktienquoten in der Spitze bei 26%. Im Jahr 2003, als der letzte Bullenmarkt bereits begonnen hatte, lagen sie nur noch bei 8% und stiegen auch während der gesamten Hausse in 2005 und 2006 nur bis auf 10% an. Erst 2008 wurden die Aktienquoten wieder deutlich zurückfahren und liegen nun – wie gesagt – nur noch bei 3%.

Die Aktienquoten müssen steigen

Hält die Aufwärtsbewegung an den Börsen an, ist fällt die Prognose nicht allzu schwer, dass die Aktienquoten der Versicherer wieder steigen werden. Womit wir wieder bei den mangelnden Alternativen wären. Mit Staatsanleihen ist es den Konzernen unmöglich, für ihre Anleger die erhofften Überschüsse zu erzielen. Es wird ihnen also nichts anderes übrig bleiben, als die Aktienquote wieder anzuheben. Laut einer Umfrage, die das Handelsblatt auf seiner Internetseite veröffentlicht hat, planen institutionelle Anleger bereits für das kommende Jahr eine deutliche Anhebung der Aktienquoten.

Eine Rückkehr zu den alten Spitzenwerten des Jahres 2000 halte ich auf mittlere Sicht zwar nicht für realistisch, wohl aber einen Anstieg auf Werte zwischen 8 und 10%, wie in den Jahren 2002 bis 2007. Dies würde bedeuten, dass die deutschen Versicherungskonzerne ihren Aktienanteil vom aktuellen Tiefstand rund verdreifachen. Wenn ich richtig gerechnet habe, ist das ein Volumen von ungefähr 70 bis 80 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Heute wurden in den 30 DAX-Werten bislang rund 1,7 Mrd. Euro umgesetzt.

Rückkehr der Großinvestoren an den Markt?

Je länger die Aufwärtsbewegung an den Börsen andauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Großinvestoren zurückkehren und auf den fahrenden Zug aufspringen, was dann wiederum die Aufwärtsbewegung nachhaltig stützen dürfte. Ganz getreu dem Motto: „Die Hausse nährt die Hausse“. Trotz inflationärer Verwendung ist der Begriff „Liquiditätsrally“ also nicht nur eine leere Worthülse. Fließt das „große Geld“ zurück an die Aktienmärkte, dürfte dies dafür sorgen, dass der Bullenmarkt noch eine ganze Weile andauert.


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