Das erste Mal

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Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse

Ging es Ihnen auch so? Weihnachten war dieses Jahr besonders lang. Das kann gut oder schlecht für Familien sein – wie man es nimmt. In meinem persönlichen Umfeld hat sich jedenfalls in diesen Tagen beziehungstechnisch Einiges verändert. So hörte ich etwa von einer Freundin, nennen wir sie hier Elisabeth, dass sie sich nach fast zehn Jahren von ihrem Lebensgefährten getrennt hatte. Eine traurige Geschichte, aber die beiden haben nach meinem Dafürhalten wirklich nicht zusammengepasst. Der Schlussstrich wurde im November 2014 gezogen.

Es sollte nicht lange dauern, bis sich Elisabeth nach etwas Neuem umsah. Tatsächlich nahm sie sich ein Herz und schrieb sich im Internet als Abonnentin bei einer Partnervermittlung für gehobene Ansprüche ein. Für all diejenigen, die jetzt die Nase rümpfen sollten: Da ist heute wirklich nichts mehr dabei. Mich interessierte an dieser Geschichte vor allem, wie meine Freundin die Partnervorschläge abarbeiten würde. Denn der größte Feind menschlicher Entscheidungen ist ja bekanntlich das Bedauern, die Reue, wenn die daran geknüpften Erwartungen nicht in Erfüllung gehen.

Aber im Gegensatz zum Kennenlernen „in freier Wildbahn“, so erläuterte mir Elisabeth am Telefon, würden bei der Partnervermittlung Enttäuschungen doch durch vorher festgelegte Kriterien und Wunschvorstellungen der Interessenten deutlich reduziert. So hatte sich der Personenkreis interessanter Kandidaten auch für Elisabeth entsprechend verkleinert – mit etwas Glück ließe sich so der Liebe auf die Sprünge helfen, dachte auch meine Freundin.

„Den Ersten nehme ich aber schon aus Prinzip nicht, denn wer weiß, was mir dadurch entgeht“, erklärte Elisabeth unlängst am Telefon. Und mir wurde klar, dass sich alle zukünftigen Partnervorschläge an diesem ersten würden messen lassen müssen. Ein Referenzpunkt, der – eigentlich völlig willkürlich gewählt – nur deswegen entsteht, weil meine liebe Freundin mit Partnervermittlung im Internet bislang keine Erfahrung hatte.

Noch eine Entscheidung mit hohem Einsatz

Die Geschichte erinnerte mich sehr stark an die Praktiken eines Grundstücksmaklers, – ja, wer‘s nicht glauben mag: Privatleben und Ökonomie haben sehr viel miteinander zu tun – der sich diesen Effekt „des ersten Mals“ gerne zu Nutze macht…

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GoldbergEin Beitrag von Joachim Goldberg.

Er beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit dem Zusammenspiel von Menschen und Märkten. Bis heute faszinieren ihn die vielen Facetten, Nuancen, Geschichten, Analysen und Hintergründe, die sich in der weißgezackten Linie auf der großen Börsenkurstafel niederschlagen. Aber erst mit der Entdeckung der psychologischen Einflüsse auf die Finanzmärkte meint der studierte Bankfachwirt und frühere Devisenhändler dem, was die Welt der Finanzen antreibt und bewegt, nahe gekommen zu sein. Seitdem setzt er sich intensiv mit der ”Behavioral Finance” genannten verhaltensorientierten Finanzmarktanalyse auseinander.
Joachim Goldberg schreibt regelmäßig auf seinem Blog www.der-goldberg.de.

Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse


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