Schlussgong: Vorsicht – Die erste Anleihenblase kann in Japan platzen

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Die Aktienmärkte lagen gestern lange Zeit im Minus, aber ein starker Endspurt brachte doch noch kleine Gewinne an der Wall Street. Auch der DAX kletterte im Abendhandel wieder über die Marke von 5.800 Punkten. Viele Analysten gehen davon aus, dass der DAX am Jahresende bei 6.000 Punkten steht. Aus fundamentaler Sicht wird dann die Luft schon sehr dünn. Nur wenn die Gewinnprognosen für 2010 deutlich angehoben werden, kann die Rally fortgesetzt werden. In diesen Tagen gilt aber der alte Spruch: Die Hausse nährt die Hausse. Wer nur zuschaut, der verpasst die Gewinne.

Der Rentenmarkt ist doppelt so groß wie der Aktienmarkt

Die Kapitalzuflüsse, die der Aktienmarkt verzeichnet, können auch aus dem Bereich der Zinsanlagen kommen. Die Blasenbildung wird hier – wie im Schlussgong mehrfach beschrieben – immer größer. Das Thema Anleihen interessiert viele Anleger nicht so sehr wie die Aktienmärkte, aber ein Blick auf die Größe zeigt die wahren Verhältnisse: Der Markt für Anleihen, auch Rentenmarkt genannt, ist rund doppelt so groß wie der globale Aktienmarkt. Sollte also Kapital aus dem Rentenmarkt abfließen, könnten damit die Aktien-, Rohstoff- oder Edelmetallmärkte überflutet werden. An der Börse sollten wir daher immer einen Blick auf den größten Markt werfen.

Hedge-Fonds-Manager wettet gegen Japan

Die Frage ist jetzt, wo könnte der erste Dominostein fallen und eine Kettenreaktion auslösen? Der Hedge-Fonds-Manager David Einhorn, der bereits erfolgreich auf den Zusammenbruch der US-Bank Lehman Brothers gewettet hat, spekuliert auf ein Platzen der Anleihenblase in Japan. Die Ausgangslage ist in der Tat mehr als kritisch.

Der japanische Schuldenberg beträgt fast 220% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Werte von über 60% gelten schon nicht mehr als solide. Bisher war die enorme Verschuldung jedoch kein großes Problem: Die Japaner gelten als “Sparweltmeister”. Der Staat hat sich verschuldet, die japanischen Sparer haben die Anleihen gekauft. Der Staat zahlte dann den eigenen Bürgern die Zinsen. Das relativiert die hohe Verschuldung. Das Problem ist aber: Die Bevölkerungsstruktur in Japan entwickelt sich ungünstig. Bereits im Jahr 2025 wird ein Drittel der Japaner älter als 65 Jahre sein. Es gibt zukünftig also immer weniger Arbeitnehmer, die Staatsanleihen für die private Altersvorsorge kaufen und immer mehr Rentner, die ihre Ersparnisse – in Form von Staatsanleihen – verkaufen wollen. Der Markt wird kippen.

Die Bombe tickt schon

Und das ist kein Problem, das erst in 50 oder 100 Jahren auftaucht. Vor 30 Jahren lag die private Sparquote in Japan bei rund 20% – daher der Ruf als “Sparweltmeister”. Aktuell liegt die private Sparquote nur noch bei knapp 1%. Der Wendepunkt ist also nicht mehr weit entfernt. Wer kauft dann die neuen Staatsanleihen? Und wer kauft den Rentnern die alten Staatsanleihen ab? Wenn der japanische Markt für Staatsanleihen einbricht, kann das auf dem internationalen Markt eine Kettenreaktion auslösen.

Daher meine Empfehlung: Seien Sie bei Staatsanleihen mit langen Laufzeiten sehr vorsichtig! Ein Sturm kommt auf.


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