Die Deutschen und ihre Mischfonds

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Bildquelle: dieboersenblogger.de

Dieser Tage wurde mal wieder eine interessante Statistik veröffentlicht. Offenbar treiben die Niedrigzinsen doch immer mehr Menschen in Richtung Aktien. Allerdings greifen die Deutschen – oh Wunder – nicht direkt an der Börse zu, sondern gehen über den Umweg Fonds an den Markt. Highlight ist dabei die Kategorie „Mischfonds“. Schlimmer geht’s eigentlich nimmer. Aber dank Verkaufsmacht bei Banken und Fondsgesellschaften wird der Mischfonds eben gekauft. Horrende Kosten und Verwaltungsgebühren werden da gerne ausgeblendet. Bedauerlicherweise. Und am Ende heißt es wieder: Die Börse wars.

Zunächst mal ein kurzer Blick auf die Zahlen: Laut BVI sammelte die deutsche Fondsbranche in den ersten drei Quartalen 2014 netto 71,2 Mrd. Euro ein. Das ist der höchste Zufluss in diesem Zeitraum seit 14 Jahren. Zuletzt waren im Jahr 2000 den Fondsgesellschaften bis Ende September mit 76,1 Mrd. Euro mehr Gelder zugeflossen.

Spezialfonds (darin investieren Versicherer und Pensionsfonds, etc.) waren dabei weiterhin der Motor im Neugeschäft. Sie übertrafen mit 53,4 Mrd. Euro neuen Mitteln das Vorjahresniveau von 49,4 Mrd. Euro um etwa 8 Prozent. Aber auch Publikumsfonds sammelten mit 26,5 Mrd. Euro bis Ende September 2014 laut BVI mehr ein als im Vorjahreszeitraum (Vorjahr: 21 Mrd. Euro). Die Fondsgesellschaften verwalten derzeit insgesamt rund 2.300 Mrd. Euro. Davon entfallen 1.190 Mrd. Euro auf Spezialfonds. Laut BVI-Angaben entspricht dies einem Anstieg seit Jahresbeginn um 11 Prozent.

Im Bereich Publikumsfonds haben Mischfonds beim Neugeschäft mit 17,1 Mrd. Euro bis Ende September ihren Vorsprung gegenüber Rentenfonds mit 12,2 Mrd. Euro wieder ausgebaut. Offene Immobilienfonds (OIF) sammelten 2,2 Mrd. Euro ein. Dabei zahlten neun OIFs, die aufgelöst werden, 1,6 Mrd. Euro aus der Substanz. Entsprechend weist die Statistik für OIFs Zuflüsse von 0,6 Mrd. Euro aus. Aktienfonds verzeichneten im laufenden Jahr wiederum Abflüsse von netto 3,6 Mrd. Euro. Allein im September zogen Anleger 3 Mrd. Euro ab, davon entfallen 2,8 Mrd. Euro auf einen DAX-ETF. Trotz der Mittelabflüsse bei Aktienfonds stellten sie mit einem Marktanteil von 36 Prozent immer noch die größte Gruppe der Publikumsfonds dar, heißt es weiter.

Wer im Jahr 2014 immer noch auf die Versprechungen der Fondsindustrie setzt, hat es in meinen Augen nicht besser verdient… von daher viel Spaß mit den Mischfonds. Aber Rendite wird woanders erzielt.

Bildquelle: dieboersenblogger.de


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2 KOMMENTARE

  1. „Und am Ende heißt es wieder: Die Börse wars.“ Das hab ich eher selten gehört, normalerweise geben Anleger stets ihrem Finanzberater, ihrer Bank oder der Fondsgesellschaft die Schuld, weil die sie besser hätte beraten müssen oder etwas verheimlicht wurde etc.

    Außerdem, denke ich, kann man den Leuten nicht vorhalten, dass sie nicht die Muße besitzen sich selbst so ausführlich mit dem Thema der Geldanlage zu beschäftigen, dass sie alle Anlageentscheidungen selbst treffen können.

  2. Vorhalten ist vielleicht das falsche Wort. Aber wenn die Deutschen die Zeit, die sie für die Auswahl des neuesten Autos, Handys oder des Urlaubs aufwenden, auch für die Geldanlage aufwenden würden, wäre schon viel getan.

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