Das Erfolgsrezept von HARIBO: Viel Eigenkapital und immer Abstand zu den Banken

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Beim Best Practice Business-Blog bin ich auf ein spannendes Interview mit dem HARIBO-Chef Hans Riegel in der Welt gestossen. Darin stellt er die kleine Rolle der Banken und die große Rolle des Eigenkapital für den Unternehmenserfolg überzeugend dar.

So verzichtet Riegel seit langem auf die Unterstützung der Banken: „Seit über 50 Jahren finanzieren wir unser gesamtes Wachstum aus dem Cash Flow. Seit über 50 Jahren habe ich bei einer Bank keinen Kredit mehr aufgenommen. Ich hatte 1950 ein Schlüsselerlebnis, nach dem ich mir vornahm, auf Banken künftig möglichst zu verzichten. Und das ist mir gelungen. Bei uns hatten die Kreditinstitute nie etwas zu sagen.“

Besagtes Erlebnis beschreibt Riegel wie folgt: „Wir hatten kurz nach der Währungsreform ein sehr gutes Ostergeschäft. Aber einige Kunden zahlten nicht, wie sie sollten. Deshalb hatte ich das Problem, einen Kredit von 250.000 Mark rechtzeitig an die Sparkasse zurückzuzahlen. Und irgendwann marschierte hier im Werk eine Delegation der Bank auf, die mir an jeden Zuckersack, den sie im Lager fand, einen Zettel klebte mit dem Hinweis: „Eigentum der Sparkasse Bonn“. Da habe ich mir geschworen, mit dieser Branche in Zukunft möglichst wenig zu tun zu haben. Und das ist mir auch gelungen. Dieser Entschluss hat unser Wachstum übrigens nicht wirklich verlangsamt. Wenn auch andere Unternehmer und Anleger den Banken etwas mehr misstraut hätten, gäbe es jetzt vielleicht weniger Probleme auf der Welt.“

Und damit hat Riegel das Kernproblem der jetztigen Krise auf den Punkt gebracht. Sofern zuviel Geld im „System“ vorhanden ist, wird es leichter Dinge mit Fremdkapital zu finanzieren. Was daraus folgt ist die klassische Fehlallokation von Kapital. Es werden plötzlich Unsummen für Unternehmen geboten, obwohl das in keinem Verhältnis zur Realtität steht. Anstelle der Unternehmen kann man in dem Satz übrigens alles mögliche einsetzen: Immobilien, Aktien, Rohstoffe.

Damit zeigt sich: Eigenkapital gewinnt. Die Unternehmen, die derzeit vor allem wegen einer Kreditklemme schreien, haben nicht wegen der Finanzkrise zuwenig Eigenkapital, sondern hatten es schon vorher nicht in ausreichendem Maße. Angefangen bei den Banken, über Schaeffler/Conti bis zu den Autokonzernen oder wer auch sonst gerade ganz laut um Hilfe ruft. Das ist aber nicht nur die Schuld der Unternehmen, sondern die Banken haben den Unternehmen über Jahrzehnte eingeredet, dass man alles fremdfinanzieren kann und kein Mensch Eigenkapital braucht. Ein Fehler, wie sich jetzt herausstellt. Erfreulich, dass es noch immer viele, vor allem Mittelständler gibt, die schon immer auf Eigenkapital und eine Finanzierung aus dem laufenden Geschäft gesetzt haben. Das werden diejenigen sein, die die Krise am leichtesten überstehen.


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