Rocket Internet: Teures Vergnügen (+Update)

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Bildquelle: Pressefoto Rocket Internet

Nach der Steilvorlage von Alibaba (WKN A117ME) in New York und den guten Aussichten für den Shopping-Spezialisten Zalando (WKN ZAL111) ist man auch bei der Start-up-Schmiede Rocket Internet (WKN A12UKK) frohen Mutes. Mit einer Preisspanne von 35,50 Euro bis 42,50 Euro will das Berliner Unternehmen Bruttoerlöse von bis zu 1,477 Mrd. Euro erzielen. Das ergibt eine ambitionierte Marktkapitalisierung von bis zu 6,161 Mrd. Euro – mehr als die Lufthansa derzeit aufs Parkett bringt.

Positiv zu bemerken ist hierbei, dass der IPO nur über die Ausgabe neuer Aktien aus einer Kapitalerhöhung bestehen wird. Rocket Internet wird im Zuge einer Kapitalerhöhung bis zu 32.941.177 neue Aktien ausgeben. Die gegenwärtigen Anteilseigner von Rocket Internet werden im Rahmen des IPO keine Aktien veräußern. Außerdem werden im Rahmen einer Greenshoe-Option 4.941.176 Anteile für eine mögliche Mehrzuteilung zur Verfügung gestellt. Die gegenwärtigen Anteilseigner werden an Rocket Internet beteiligt bleiben und im Rahmen des Angebots keine Aktien veräußern. Dazu zählen neben den Gründern, den Samwer-Brüdern, auch die schwedische Beteiligungsgesellschaft AB Kinnevik, HV Holtzbrinck Ventures und United Internet (WKN 508903). Letzerer TecDAX-Konzern kam erst jüngst durch einen Unternehmenstausch zu einer Beteiligung an Rocket Internet.

Im Berliner Hauptquartier von Rocket Internet wird an immer neuen Geschäftsideen gearbeitet.
Im Berliner Hauptquartier von Rocket Internet wird an immer neuen Geschäftsideen gearbeitet.
Die neuen Aktien sollen derselben Klasse angehören wie die Aktien der gegenwärtigen Rocket-Internet-Anteilseigner und mit denselben Rechten ausgestattet sein. Die Anteilseigner kündigen an Veräußerungssperren zu unterzeichnen, die den Verkauf oder die sonstige Veräußerung ihrer Aktien für mindestens 12 Monate unterbinden. Dabei ist zunächst die Aufnahme in den Entry Standard an der Frankfurter Wertpapierbörse geplant. Innerhalb von 18 bis 24 Monaten soll dann der Wechsel in den General oder Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse erfolgen. Und genau dieser Faktor stellt für mich den Knackpunkt dar. Warum beginne ich solch einen Riesenbörsengang am iliquidesten und unreguliertesten Marktsegment der Frankfurter Börse? In Verbindung mit dem hohen Pricing läuten bei mir die Alarmglocken. Es mag sein, dass aufgrund des aktuellen Hypes mit der Aktie Zeichnungsgewinne zu erzielen sind. Es kann aber genauso gut in einem Fiasko enden. Im Gegensatz zu Alibaba, verfügt Rocket Internet über keine marktbeherrschende Stellung und auch sonst sind die Alleinstellungsmerkmale überschaubar.

Auf der anderen Seite kann man angesichts der angekündigten Beteiligungen zahlreicher Großinvestoren auch entspannt sein. Die Rede ist von 40 Prozent. Die zwei größten Investoren sind ein von Baillie Gifford & Co. gemanagter Investmentfonds und J.P. Morgan Securities LLC. Baillie Gifford & Co., geführt von Scottish Mortgage Investment Trust Plc, hat sich verpflichtet 350 Mio. Euro zu investieren, und J.P. Morgan Securities LLC hat sich verpflichtet 100 Mio. Euro zu investieren. Letztlich muss jeder Anleger nun selber einen Blick in den Börsenprospekt werfen. Darin ist u.a. zu lesen, derzeit über 20.000 Angestellte im Netzwerk von Rocket Internet arbeiten, welches in 116 Ländern auf 5 Kontinenten Geschäfte tätigt. Die ausgereiftesten Unternehmen, die sogenannten „proven winners“, sollen dabei Gesamtumsatzerlöse von 757 Mio. Euro erwirtschaftet haben. Unter dem Strich blieben dabei allerdings nur 442 Mio. Euro Verluste übrig. Den Wert der unmittelbar und mittelbar gehaltenen Anteile an allen Unternehmen einschließlich der proven winners, der wachsenden Unternehmen, die bereits eine bedeutende Größe erreicht haben und die Rocket Internet als „emerging stars“ (aufstrebende Sterne) bezeichnet, der regionalen Internetunternehmensgruppen und der anderen wesentlichen strategischen Beteiligungen und sonstiger Investitionen sollen – basierend auf der jeweils letzten Finanzierungsrunde unter Beteiligung außenstehender Dritter – einen Gesamtwert von 2,6 Mrd. Euro haben. Bleibt für mich die Frage, warum das Unternehmen dennoch mehr als das doppelte an der Börse Wert sein soll. Bei allen positiven Aussichten für manches junge Unternehmen bin ich dennoch skeptisch, ob diese Bewertungen jemals realisiert werden. Aber ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Definitiv allerdings von der Seitenlinie.

UPDATE

Am Freitag gab Rocket Internet bekannt, dass man einen beschleunigten Zeitplan für ihren Börsengang aufgrund der außergewöhnlich hohen Investorennachfrage über die gesamte Preisspanne hinweg beschlossen hat. Der Angebotszeitraum, der am 24. September 2014 begonnen hat, wird nun am 1. Oktober 2014 um 13:00 Uhr MESZ für institutionelle Investoren sowie am Ende des Geschäftstages MESZ für private Investoren enden. Die Erstnotierung an der Frankfurter Wertpapierbörse und der erste Handelstag sind für den 2. Oktober 2014 geplant. Ob die Eile notwendig ist, oder nicht, bleibt abzuwarten.

Bildquelle: Pressefoto Rocket Internet


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