EUR/CHF: Plus wegen möglicher negativer Zinsen in der Schweiz

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Bildquelle: Pressefoto Europäische Zentralbank

Mit einem Tiefstkurs von 1,203 kam der Euro gegenüber dem Schweizer Franken vergangene Woche sehr nah an die Untergrenze, die die Schweizer Notenbank SNB gesetzt hat. Jetzt scheint sich das Blatt zu wenden.

Am späten Mittwochmittag machte der Kurs einen ungewöhnlich starken Sprung nach oben. Grund dafür war keine direkte Intervention der SNB, sondern lediglich eine vielleicht sogar unbeabsichtigte Verbalintervention. Die Schweiz erwägt negative Zinsen. Damit würde die Zinsdifferenz zwischen Euroland und der Schweiz wieder ausgeweitet. Zuletzt sind eigentlich nur mehr die Zinsen in der Eurozone gesunken. Die SNB hat zumindest im konventionellen Sinn bereits alles ausgeschöpft.

Das Zinsband für den Leitzins liegt zwischen 0 und 0,25%. Der Sondersatz (vergleichbar mit der Marginal Lending Facility der EZB) liegt noch vergleichsweise hoch bei 0,5%. Zu diesem Satz können sich Banken kurzfristig außerhalb der normalen Tender Geld bei der Notenbank besorgen. Der Übernachtsatz für Übernachteinlagen bei der SNB ist bereits leicht im negativen Bereich. Banken zahlen also hier bereits normalerweise, wenn sie Geld über Nach bei der Notenbank parken.

Der 3 Monats-Libor CHF liegt de facto bei 0%. Er pendelt zwischen 0,01 und 0,02%, sprich Banken leihen sich gegenseitig zum Nulltarif Geld. Zu guter Letzt sind noch die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen zu betrachten. Hier lag die Rendite sehr nah an der 0,5% Marke und liegt auf japanischem Niveau.

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Die niedrigen Zinsen kann bzw. muss sich die SNB erlauben. Einerseits ist auch in der Schweiz die Inflation sehr niedrig. Persönlich finde ich das durchaus gut. Es ist ja nicht so, als würde die Wirtschaft stillstehen. Es kommt immer wieder in dem einen oder anderen Quartal zum Nullwachstum. Bei einer Arbeitslosigkeit von 3% ist das nicht wirklich bedenklich, zumal die Jahresrate in den vergangenen Jahren bei gut über 1,5% lag. Wachstum und wenig Inflation – besser geht es ja eigentlich nicht.

Anderseits muss die SNB eine zu starke Aufwertung ihrer Währung verhindern. Im Notfall greift der Mindestkurs. Dann muss die SNB direkt auf dem Devisenmarkt intervenieren. „Billiger“ ist es natürlich, wenn die Marktteilnehmer aufgrund von Zinsdifferenzen gar nicht erst auf die Idee kommen in den Franken zu flüchten.

Quelle: Guidants Devisen-Analysen
Quelle: Guidants Devisen-Analysen

Für Banken wäre es schon bitter. Bei der aktuellen Überschlussliquidität von 300 Mrd. Franken würden 300 Mio. an Kosten pro Jahr bei einem Satz von -0,1% anfallen. Ich kann mir fast nicht vorstellen, dass man die eigenen Banken in diesem Umfang belasten möchte. Für wahrscheinlicher halte ich nach wie vor Direktinterventionen auf dem Devisenmarkt.

Was auch immer wirklich geschieht (am 18.9. berät die SNB über die nächsten Schritte) war der Kommentar ein kleiner Weckruf. Die SNB schläft nicht. Der Mindestkurs steht und wird weiter verteidigt, wie ist dabei nebensächlich.

Das Kursplus könnte bald schon wieder weg sein. Da darf man sich keinen Illusionen hingeben. Mit etwas Glück könnte sich das Währungspaar noch bis an die 1,22er Marke schleppen.

Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de.

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Bildquelle: Pressefoto Europäische Zentralbank


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