EUR/USD: 1 EUR=1 USD als Ziel?

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Bildquelle: Pressefoto Europäische Zentralbank

Der Euro befindet sich im Abwärtstrend, nachdem er zuvor 2 Jahre von Draghis „Unumkehrbarkeit des Euro“ profitierte. Die gleichen Maßnahmen, die den Euro stabilisieren konnten, bringen ihn jetzt wieder unter Druck.

Ich habe lange an der Fähigkeit der EZB gezweifelt, so effektiv wie andere Notenbanken in die Märkte einzugreifen. Inzwischen sieht es nun aber ganz danach aus, als wäre das ein Fehler gewesen. Nicht alles, was mit dem Euro derzeit geschieht, ist auf die EZB zurückzuführen. Der Dollar gewinnt vor allem, weil die US Wirtschaft deutlich stärker ist als die europäische und die Zinswende vor der Tür steht. In Europa beginnt die Lockerung erst. Das erhöht die Zinsdifferenz zwischen Dollar und Euroraum. Dollar sind damit lukrativer als Euro. Man muss sich nur vor Augen führen, dass selbst die Staatsanleihen von Spanien nominell weniger abwerfen als Anleihen der USA.

In der Eurozone ist auf Sicht von anderthalb bis zwei Jahren keine Umkehr der Geldpolitik zu erwarten. Die Zinsen bleiben auf Rekordtiefe, die EZB wird Banken Geld wie eh und je hinterherschmeißen und vielleicht sogar noch ein Billiönchen drauflegen. Die EZB denkt darüber nach, den ABS (Asset Backed Securities) Markt zu übernehmen. Der ABS Markt ist in Europa deutlich kleiner als in den USA. Würde die EZB hier Papiere aufkaufen, dann müssten es wahrscheinlich über 50% der Papiere sein, um überhaupt einen Effekt zu generieren. Wenn auch das nicht hilft oder die Staatsschulden weiter ungebremst steigen, dann kann die EZB noch immer ein Quantitative Easing nach US Vorbild einleiten. Die Frage, ob sie das überhaupt darf, ist inzwischen fast geklärt. Eigentlich fällt indirekte Staatsfinanzierung nicht unter das Mandat der EZB. Sie könnte es aber mit dem Mandat zur Preisstabilität begründen und umsetzen. Käme die Deflation, dann darf die EZB zur Stabilisierung der Preise die ihr zur Verfügung stehenden Instrumente nutzen. Dazu – auch wenn das eine ziemlich aggressive Interpretation des Mandats ist – gehört auch der Aufkauf von Staatsanleihen.

Komme, was wolle, der Euro wird wohl überleben. Die Euphorie darüber ist inzwischen längst verflogen. Kaum jemand glaubt noch an den Untergang des Euro. Kapital, welches nach 2012 wieder in die Euroländer zurückgekehrt ist und so auch den Euro nach oben drückte, hat kaum mehr Effekte auf den Wechselkurs. Das Kapital kann ja nur einmal zurückkehren. Vielleicht wird es so langsam sogar wieder fliehen. Die Renditeaussichten sind andernorts besser. Zudem setzt sich mehr und mehr der Gedanke durch, dass Europa noch Jahre stagnieren wird. Einzelne Länder werden immer wieder höheres Wachstum ausweisen, andere dafür wieder geringeres. Während Spanien, Portugal und Irland über den Berg zu sein scheinen, sinkt Frankreich immer tiefer in die Krise. Italien zeigt nicht einmal den Hauch einer Trendumkehr.

Wirtschaftlich bleibt es in Europa kritisch. Der große Aufschwung, den alle nach der Rezession erwartet haben, blieb aus. Ein Großteil des Kapitals wird wieder weiterziehen und eher Druck auf den Eurokurs ausüben. Wo kann das alles hinführen? Laut Goldman Sachs wird das zur Parität führen. Bis 2017 erwartet Goldman einen EUR/USD Kurs von 1.

Goldman dient häufig als exzellenter Kontraindikator. In diesem Fall könnten sie ihren Kunden aber einen guten Hinweis gegeben haben. Die Zinsdifferenz zwischen den USA und Europa wird steigen. Das ist de facto ausgemachte Sache. Dass es wirtschaftlich in den USA besser läuft, ist bekannt. Das sind Trends, die sich nicht von heute auf morgen umkehren lassen. Ob deshalb wirklich die Parität folgt, ist unklar. Klar erscheint allerdings, dass sich der Euro erst am Anfang seiner Schwäche befindet.

Autor: Clemens Schmale, Finanzmarktanalyst bei GodmodeTrader.de.

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Bildquelle: Pressefoto Europäische Zentralbank


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