News Ticker

Im Fokus: Hypo Real Estate und die Frage nach dem Ende mit Schrecken

Über die drohenden Verstaatlichungspläne der Bundesregierung hatte ich am Freitag noch geschrieben. Konkretes Zielobjekt ist weiter die Hypo Real Estate. Auch nach einem Wochenende Pause geht die Diskussion in der Mehrheit weiter in Richtung Verstaatlichung.

Wo es eine Mehrheit gibt, gibts auch eine Minderheit. In diesem Fall macht sogar SPON damit auf: Finanzexperten warnen vor HRE-Verstaatlichung. Wie ich bereits letzte Woche im Artikel Wege aus der Krise geschrieben habe, muss es in einer Marktwirtschaft einfach möglich sein, ein wahrscheinlich unrettbares Kreditinstitiut per Insolvenz abzuwickeln. Einer der Finanzexperten heißt Helmut Siekmann und ist Professor am Institute for Monetary and Financial Stability (IMFS) des House of Finance der Uni Frankfurt. Laut dem Interview befürchtet er, dass sich der Staat mit der Rettungsaktion übernehmen könnte: „Bislang haben sich die Probleme der Bank immer wieder als größer herausgestellt, als man zuvor befürchtet hatte. […] Es besteht deswegen wenig Anlass, darauf zu vertrauen, dass jetzt alle Zahlen auf dem Tisch liegen.“ Zudem sieht Siekmann im Falle der Verstaatlichung auch verfassungsrechtliche Problem, sollte die finanzielle Lage der Hypo Real Estate tatsächlich noch desolater sein, als bekannt: „Die Verfassung fordert für ein solches Engagement, dass das Gebot der Wirtschaftlichkeit erfüllt ist.“

Für die derzeitigen Aktionäre macht es am Ende nicht mehr viel aus, was passiert. Bei Kursen von 1,30 Euro ist sowieso schon das meiste der einstigen Anlage verloren. Aber warum sollte sich der Staat so ein Institut durch eine Verstaatlichung (=Übernahme/Enteignung der Aktienmehrheit) ans Bein binden, wenn bei einer Insolvenz der Schaden zumindest nur auf die bisherigen Milliarden beschränkt ist. In dem Fall käme endlich wirklich das ganze Ausmaß des „Giftmüll-Verseuchung“ der Bilanz zum Vorschein. Die Milliarden die man bei einer Verstaatlichung versenken würde, sollte man eher für die Gründung einer neuen Bank verwenden, wie bspw. der britische Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson im SPON-Interview vorgeschlagen hat.


Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*