Ein Nachruf oder eine Ära geht zu Ende: Die Netzzeitung wird eingestellt

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Es ist drei oder vier Jahre her. Es war in Berlin. Ein DJV-Seminar. „besser online“. Es ging um den Journalismus und seine Rolle im Internet. Es gab bei dieser überaus interessanten Veranstaltung hatte auch eine Podiumsdiskussion. An dieser hatten teilgenommen so Journalisten wie die damalige Chefredaktion von FTD-Online oder Spiegel-Online und Handelsblatt-Online aber auch der damalige Chefredakteur der Netzzeitung – und Don Alfonso, der damals einzige große Blogger aus der Szene.

Qualität des Online-Journalismus

Es ging um Qualität des Online-Journalismus. Don Alfonso prophezeite damals Seiten wie der Netzzeitung keine lange Lebenszeit. Er wurde damals milde belächelt. Er sagte, dass Blogs in den kommenden fünf Jahren das Netz aufrollen werden und die bisherigen Seiten zu kämpfen haben werden. Mit dem Geld, der Qualität. Spiegel-Online und FTD-Online gibt es noch. Weil die Redaktionen es kapiert haben. Das mit dem Web 2.0 und dass das ganze Internet nun in 2009 anders als in 2005 ist.

Netzzeitung wird Ende 2009 eingestellt

Die Netzzeitung wiederum wird Ende 2009 eingestellt. So konnte man es heute lesen. Schade. Ich fand das Projekt vor fünf Jahren genial. Ein bisschen FAZ. Ein bisschen DIE WELT und dazu noch das ganze Online. Nun ist es vorbei. Die „Netzeitung“ soll in ein automatisiertes Nachrichtenportal werden, wie pressetext heute schreibt.

Wie die Verlagsgruppe DuMont Schauberg, die das Nachrichtenunternehmen erst im März dieses Jahres vom britischen Investor David Montgomery übernommen hat, wissen lässt, wird „das bisherige Konzept einer Internetzeitung mit eigener Redaktion zum 31. Dezember 2009 aufgegeben“. Sämtlichen Mitarbeitern, die Rede ist von 14 Festangestellten und mehreren freien Redakteuren, werde in Kürze betriebsbedingt gekündigt. Als Ursache für diese drastische Maßnahme werden „wirtschaftliche Gründe“ genannt.

Geld verdienen im Web: unmöglich

Im Web lässt sich kein Geld verdienen, so lautet das Motto. Stimmt das? Ich erinnere nur mal an diverse Blogs oder an diverse US-Seiten. Aber gut. Es gibt auch Branchenexperten. Und die sagen, dass die aktuelle Pleite nicht nur eine Folge der weltweiten Zeitungskrise ist, sondern auch Ausdruck der Schwierigkeit der Nachrichtenverlage, ein geeignetes Geschäftsmodell für das Internetzeitalter zu finden. Einer reinen Online-Publikation wie der Netzeitung stand man in dieser Hinsicht von Anfang an eher skeptisch gegenüber, da sich der gängigen Auffassung nach aus Sicht der Verlage im Web noch nicht ausreichend Geld verdienen lässt.

„Die Netzeitung war im Grunde von Anfang an unterfinanziert. Man hatte zu keinem Zeitpunkt die nötigen finanziellen Mittel parat, um das Portal mit interessanten Inhalten zu füllen“, stellt eine Brancheninsiderin im Gespräch mit pressetext fest. Die anfänglich noch als zumindest prinzipiell interessanten Ansatz gehandelte Idee, als Geschäftsmodell rein auf das Internet zu setzen, habe letztendlich doch nicht den Erfolg eingebracht, den man sich ursprünglich erwartet hätte. Neben den fehlenden Finanzmitteln habe sicherlich auch der deutlich gewachsene Konkurrenzdruck auf dem Online-Nachrichtenmarkt seinen Teil zum Ende der Netzeitung beigetragen.

„Die Wettbewerbssituation für News-Angebote im Web hat sich im Laufe der letzten Jahre stark verschärft. Ist man im Jahr 2000 noch als erste deutsche Zeitung, die ausschließlich im Internet erscheint, gestartet, sind mittlerweile auch die traditionellen Nachrichtenhäuser nachgezogen und versuchen, mit eigenen Online-Auftritten auf Leserfang zu gehen. Für die Netzeitung ist da der Spielraum wohl zu klein geworden“, erläutert der Brancheninsider.

Düstere Zukunft

Wie gesagt: Nun soll aus der Netzzeitung ein „automatisiertes Nachrichtenportal“ werden. Von solchen Content ist kein Leser happy. Und es lässt sich damit kein Geld verdienen. Das sieht man schon im Bereich der Finanzportale. Da ist bei so manchem Portal die Zeit stehen geblieben. Bestes Beispiel www.aktiencheck.de. Als Chefredakteur von www.finance-online.de bzw. www.finanzen.net im Jahr 2001 waren die Jungs von aktiencheck noch eine echte Konkurrenz. (Was haben wir damals bei Springer um die de-Domain gekämpft, aber zuviel Kohle gekostet…) Und heute? Die aktiencheck-Seite sieht aus wie im Jahr 2001. Web 2.0? Fehlanzeige. Finanzen.net wiederum ist Jahr für Jahr wirklich immer besser geworden. Ein echt gutes Portal für Finanznachrichten. Aber gut, kommen wir zurück zur Netzzeitung…

Eine Zeitung ohne Mitarbeiter

Da konnte man heute zum Schluss auch noch lesen: „Wir bedauern die für die Mitarbeiter mit der Entscheidung verbundenen Härten. In der derzeitigen Form ist die Internetzeitung wirtschaftlich aber nicht zu betreiben“. So die Pressemitteilung des Presse- und Medienhauses Berlin, zu dem die Netzeitung als Teil der Mediengruppe DuMont Schauberg gehört. Bestehende vertragliche Verpflichtungen der Internetzeitung sollen aber noch im 1. Quartal 2010 erfüllt werden. In Zukunft wolle man die Online-Publikation dann als „automatisiertes Nachrichtenportal“ nutzen. Genaue Details zu diesen Plänen sind bislang aber noch nicht bekannt.

Na dann. Servus du gute Journalismus-Idee vor Jahren, und auf ein Wiedersehen liebe Kollegen bei anderen Info-Diensten. Ich wünsche es Euch von ganzen Herzen.


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