Schlussgong: Null-Zins-Politik – die Falle ohne Ausweg

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Ich kann mich hier im Schlussgong fast täglich wiederholen: Die Achterbahnfahrt an den Aktienmärkten geht munter weiter. Zunächst war die Stimmung heute schlecht. In Europa lagen die Indizes im Minus und auch die vorbörslichen Future-Daten für die US-Märkte waren sehr unschön.

Positive Konjunkturmeldungen kippten dann jedoch die Stimmung. In Europa schafften die Indizes knapp den Sprung in die Gewinnzone. An der Wall Street wurde dagegen schon wieder eine Party gefeiert.

Der Dow Jones gewann über 200 Punkte und schaffte überraschend den Sprung über die 10.000-Punkte-Marke. Der Kurssprung wurde auch nicht von einigen wenigen Schwergewichten ausgelöst. Alle Index-Werte waren im Plus – für einen Börsentag spielt die Wall Street heile Welt.

Die Notenbanken bestimmen die Märkte

In der Realität sieht die Gegenwart nicht ganz so rosig aus. Die gestern von der US-Notenbank Fed angekündigte Beibehaltung der Null-Zins-Politik zeigt, dass die konjunkturelle Lage nicht gerade rosig eingeschätzt wird.

Die Notenbanker stehen unter Dauerbeschuss, weil die Zins-Politik das Expertenlager spaltet. Einige Experten kritisieren, dass die Notenbankpolitik zu vorsichtig war, andere halten die Zinsschritte für übertrieben. Es gibt keine mathematisch berechenbare “richtige” Lösung.

Fed befindet sich in der Zwickmühle

Ganz bitter ist die Ausgangslage für die amtierende US-Notenbankführung. Egal, was das Team um Ben Bernanke beschließt, es droht auf jeden Fall eine Fehlentscheidung. Erhöht die Fed die Zinsen, wird die schwache Konjunkturerholung wieder abgewürgt. Lässt die Fed die Zinsen länger bei 0%, droht eine gigantische Spekulationsblase.

Die Null-Zins-Politik führt dazu, dass die Investoren in Märkte mit höheren Rendite-Chancen getrieben werden. Das ist ein wesentlicher Grund, warum der Dow Jones jetzt schon wieder bei 10.000 Punkten notiert und Gold von Allzeithoch zu Allzeithoch marschiert.

Die unschönen Alternativen: Spekulationsblase oder Wirtschaftskrise

Das Vorbild der aktuellen Blasenbildung konnten wir in der Periode 2003 bis 2007 erleben. Die 2003 radikal gesenkten Zinsen haben viele Investoren in den Immobilienmarkt getrieben, oder aber in strukturierte Anleihen, die einen satten Aufschlag auf das “normale” Zinsniveau boten. Die Folgen sind bekannt. Beide Spekulationsblasen sind geplatzt und haben riesige Folgeschäden angerichtet.

Das weiß natürlich die Fed. Aber wie sieht die Alternative aus? In diesen Wochen steigt die offizielle Arbeitslosenrate in den USA auf 10%. Wenn jetzt die Zinsen erhöht werden, um Luft aus den Spekulationsblasen zu lassen, kann sich die Geschichte der Weltwirtschaftskrise wiederholen. Die restriktiven Maßnahmen der Regierungen und Notenbanken haben damals die Krise massiv verschärft.

Ben Bernanke kann sich jetzt aussuchen, ob er das Risiko eingehen will, zum Totengräber der US-Wirtschaft zu werden, oder ob er der “Vater” der größten Spekulationsblase aller Zeiten werden will. Ich weiß ganz genau, welchen Job ich in diesen Tagen mit Sicherheit nicht haben möchte…


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