Baumwolle momentan so beliebt wie die NSA: was ist da los?

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Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse

Seit 3 Monaten fällt der Baumwollpreis, insgesamt um 30%, 22% allein in den vergangenen zwei Wochen. Und wer ist schuld?

Den Stein ins Rollen gebracht hat ein Bericht das USDA (US Landwirtschaftsressort), der vor kurzem veröffentlich wurde. In den USA wird wieder mehr Baumwolle angebaut. Die Fläche steigt auf über 12.000.000 Hektar an. Die Produktion (inkl. Lager) dürfte damit deutlich über dem Vorjahr liegen. Die Produktion könnte schlussendlich bei knapp 20 Mio. Ballen Baumwolle liegen. Ein Ballen Baumwolle sind knapp 227 kg. Damit kann man schon den einen oder anderen Pullover stricken…

Quelle: Guidants Rohstoff-Analysen

Die Produktion könnte trotz der bereits angehobenen Prognose noch einmal steigen. Die Wetterbedingungen in den Anbaugebieten sind derzeit exzellent. Damit sollte die Ernte besonders ertragreich werden. Der Bedarf liegt deutlich unter dem zu erwartenden Ertrag. Die Läger dürften damit wieder ordentlich gefüllt werden und so viel Baumwolle halten wie zuletzt 2008/09. Nicht ganz unerheblich ist auch der Baumwollüberschuss auf dem Weltmarkt. Das Inventar liegt bei knapp 106 Mio. Ballen. Der Wert wurde unlängst ebenfalls angehoben (von 103 Mio.). Die Welt verfügt also über mehr Baumwolle in den Lagern als gedacht und produziert wahrscheinlich deutlich mehr als im Vorjahr und deutlich über dem Bedarf.

Quelle: Guidants Rohstoff-Analysen

Für den weiteren Verlauf der Preisentwicklung ist China nicht unerheblich. China verfügt über das größte Inventar weltweit. Das USDA schätzt, dass hier ca. 62 Mio. Ballen lagern. Würde nur ein Teil davon auf den Weltmarkt geworfen, dann hätte das gravierende Konsequenzen für den Preis. Dieser steht seit Wochen unter erhöhtem Abgabedruck. Die neuen Zahlen und guten Aussichten für die Ernte haben zu einem regelrechten Sell-Off geführt. Das zeigt sich nicht nur im Preis selbst. Man kann die Bewegungen in der Positionierung der Marktteilnehmer sehr gut nachvollziehen. Nach hoher Net Long Position der Noncommercials, die den Preis letztlich treiben, noch vor zwei Monaten, ist die Net Long Position fast nicht mehr vorhanden. In wenigen Wochen könnte die Net Position bei 0 liegen. Das war in der Vergangenheit nicht selten ein Zeichen für einen Boden.
Die A&M (Agriculture & Marketing) Universität in Texas schätzt den angemessenen Preis von Baumwolle auf 65 bis 77 Cents. Ob das der faire Preis ist, sei dahingestellt, zumal Märkte von diesem auch mittelfristig abweichen können. In Zusammenhang mit den COT (Commitment of Traders) Daten macht das allerdings durchaus Sinn. Hält die Marke von 65 könnte kurzfristig eine kleine Erholung starten.

Quelle: Guidants Rohstoff-Analysen
Quelle: Guidants Rohstoff-Analysen

Ein Gastbeitrag von Clemens Schmale, Analyst bei GodmodeTrader.de.

Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse

 


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