Schaltbau verwirrt: Gewinnwarnung und Prognoseanhebung in einem

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Bildquelle: Pressefoto Schaltbau

Die neueste Ad-hoc-Mitteilung des Bahntechnikkonzerns Schaltbau (WKN 717030) sorgt für Verwirrung. Auf der einen Seite steht eine Prognoseanhebung, die jedoch am Ende des Textes mit einer Gewinnwarnung konterkariert wird. Als Anleger fragt man sich: Ja, was denn nun? Angesichts der Prognoseanhebung kann man doch auch die schlechten operativen Zahlen offensiv vertreten. Aber der Reihe nach.

Zunächst die schlechten Nachrichten: Schaltbau erwartet für die zweite Jahreshälfte erhebliche Projektverschiebungen und mögliche höhere Projektaufwendungen in der Infrastrukturtechnik sowie einen Verlust bei ALTE Technologies (die früherer ALTE Transportation). Entscheidend ist vor allem letzterer Punkt, denn eigentlich waren durch die Übernahme in Spanien keine negativen Überraschungen erwartet worden, ganz im Gegenteil. Alles in allem rechnet Schaltbau damit, dass die negativen Effekte das Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit (EBIT) so belasten, dass für das Gesamtjahr 2014 nur mehr mit einem EBIT von 31 Mio. Euro zu rechnen ist. 2013 hatte der Konzern noch ein EBIT von 36 Mio. Euro ausgewiesen.

Soweit zu den schlechten Nachrichten. Aufgrund der Aufstockung des Anteils an der polnischen Beteiligungsgesellschaft RAWAG Sp.z.o.o. um 46,5 Prozent auf 89,1 Prozent erhöht Schaltbau den Zielwert für das Konzernjahresergebnis 2014 von bislang 25 Mio. Euro auf 29,4 Mio. Euro (2013: 24,7 Mio. Euro). Dies entspricht der Anhebung des geplanten Ergebnisses je Aktie von 3,50 Euro auf 4,15 Euro. Durch die Übernahme ergibt sich zudem eine Neubewertung der bislang gehaltenen 42,6 Prozent der RAWAG-Anteile, die zu einem positiven Einmaleffekt in Höhe von 11,8 Mio. Euro führt. Nach Berücksichtigung moderater Bewertungsanpassungen bei weiteren Beteiligungsgesellschaften sowie der jetzt unterstellten anteiligen Verlustübernahme der spanischen Beteiligung Albatros beläuft sich der Nettoeffekt im Beteiligungsergebnis auf rund 8,8 Mio. Euro.

Alles in allem wird der Rückgang beim EBIT, der laut Schaltbau im Wesentlichen aus Sondereffekten resultiert, durch den vorgenannten Anstieg des Beteiligungsergebnisses deutlich überkompensiert. Insofern gibt es keinen Grund die Gewinnwarnung quasi zu verstecken, während die Prognoseanhebung herausgestellt wird. Aber vielleicht unterschätzt man auch einfach die Anleger. Am Ende wirkt eine versteckte schlechte Nachricht deutlich negativer, als wenn sie offensiv erklärt wird. Zumindest lässt die bisherige Kursreaktion auf die Meldung diesen Schluss zu.

Quelle: Guidants Aktien-Analysen
Quelle: Guidants Aktien-Analysen

Für die Aktie ist die Lage nach dieser Meldung nicht leicht. Die langfristigen Indikatoren stehen weiterhin klar auf grün. Kurzfristig ist das Papier jedoch angeschlagen. Fundamental sorgt das neue Ziel-EPS von 4,15 Euro für ein gesenktes KGV von derzeit 12, was durchaus als günstig zu bewerten ist. Letztlich dürften also die positiven Nachrichten überwiegen, so dass die Aktie nach einem kurzen Schock wieder auf den Erholungspfad zurückkehren kann. Das Jahreshoch (und Allzeithoch) bei knapp über 56 Euro kann daher also durchaus bald wieder eingestellt werden. Letztlich ist die Lage bei Schaltbau unverändert positiv, denn auch in der Vergangenheit kam es hin und wieder zu Projektverschiebungen, die allesamt wieder eingeholt wurden.

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Bildquelle: Pressefoto Schaltbau


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