Quo vadis, Goldpreis?

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Bildquelle: Pressefoto © Erste Group

Es sah so gut aus: Im März hatte sich der Goldpreis deutlich von seinem Mehrjahrestief bei 1.180 Dollar je Feinunze gelöst und war drauf und dran, die Hürde bei 1.400 Dollar zu überwinden. Doch dann kam der neuerliche Rückschlag. Bewegte sich die Goldnotiz ab Anfang April in einem relativ schmalen Preiskanal zwischen 1.280 und 1.320 Dollar, ist sie vor wenigen Tagen nach unten ausgebrochen.

„Der Preisrutsch wurde sicherlich auch durch technisch-orientierte Anleger intensiviert“, erklären die Rohstoffanalysten der DZ Bank. Die Experten nennen eine ganze Reihe von Gründen für die Schwäche des Goldpreises: „Die Ukraine-Prämie hat sich mittlerweile abgebaut und der Risikoappetit der Anleger kehrt zurück. Vor allem der Aktienmarkt bindet derzeit die Aufmerksamkeit der Anleger“, so die DZ Bank. „Neben der fallenden Risikoaversion konnten die US-Konjunkturdaten positiv überraschen. So sind die Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA besser ausgefallen als vom Markt antizipiert. Auch die Dollar-Stärke setzte dem gelben Edelmetall zuletzt zu.“ Da die wichtigsten negativen Goldpreistreiber weiterhin intakt seien, erwartet die DZ Bank in den kommenden zwölf Monaten einen signifikanten Preisrutsch von rund 15 Prozent auf 1.050 Dollar.

Doch es gibt auch andere Meinungen: Die Analysten von Société Générale haben ihre Prognose für den durchschnittlichen Goldpreis im Jahr 2014 von 1.180 auf 1.272 Dollar pro Feinunze erhöht. Das entscheidende Kriterium sei die Krise in der Ukraine, in der Gold als sicheres Investment stärker gefragt sei. Die Bank of America Merrill Lynch geht davon aus, dass der Preis aufgrund der starken asiatischen Goldnachfrage nicht mehr unter die Schwelle von 1.150 Dollar fallen werde. Das Research der Citigroup erwartet Impulse seitens der indischen Schmucknachfrage mit dem Beginn der Festival-Saison im Oktober dieses Jahres.

In den ersten Juni-Tagen ist der Goldpreis aus seiner engen Handelsspanne von 1.280 bis 1.325 Dollar je Feinunze nach unten ausgebrochen. In der Spitze ging es bis auf 1.240 Dollar hinab. Anschließend konnte sich die Notiz wegen der Sorge über die Unruhen im Irak zwar wieder von seinem jüngsten Ausverkauf deutlich erholen. Dennoch kann aus charttechnischer Sicht noch keine Entwarnung gegeben werden. Aktuell notiert das Edelmetall noch knapp unter dem horizontalen Widerstand bei 1.280 Dollar sowie der 200-Tage-Linie, die ebenfalls in diesem Bereich verläuft. Erst ein Sprung darüber sowie über den kurzfristigen Abwärtstrend würde das charttechnische Bild wieder aufhellen. Denn gleichzeitig mit dem Bruch der 1.300er-Marke wäre auch der Abwärtstrend vom Oktober 2012 aus dem Weg geräumt.

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Wir stehen klar auf der Seite der Gold-Bullen. Dennoch sollten Anleger bei ihren Investments zumindest einen moderaten Rückgang ins Kalkül ziehen. Als maximales Korrekturziel sehen wir die Marke von 1.100 Dollar an. Ein Gold Capped Call (ISIN DE000PA30GM2) von BNP Paribas erreicht seine Maximalrendite von aktuell 5,5 Prozent, wenn der Goldpreis am 20. März 2015 auf oder über 1.100 Dollar steht. Wertlos verfällt das Papier bei einem Goldpreis am Laufzeitende von 1.000 Dollar oder weniger – ein Szenario, das wir für wenig wahrscheinlich halten. Riskanter ist ein Gold StayHigh-Optionsschein (ISIN DE000SG5LYZ4), bei dem ebenfalls die Marke 1.100 Dollar von entscheidender Bedeutung ist. Sofern das Edelmetall diese Barriere auch nur ein einziges Mal berührt, verfällt der Schein sofort wertlos. Den hohen Risiken steht eine Renditechance von 18,9 Prozent gegenüber.

In Schwächeperioden bietet es sich zudem an, beim NYSE Arca Gold Bugs Index-Zertifikat (ISIN DE000SG0HGQ9) aufzustocken. Der Basiswert enthält Aktien von internationalen Minengesellschaften wie Goldcorp und Barrick Gold aus Kanada sowie Newmont Mining aus den Vereinigten Staaten, deren Aktien sehr stark auf die Entwicklung des Goldpreises reagieren.

Ein Beitrag von Christian Scheid. Er ist Chefredakteur von Zertifikate // Austria und freier Wirtschafts- und Finanzjournalist. Er schreibt für mehrere österreichische und deutsche Fachmagazine und -zeitungen. Sein Gratis-Newsletter ZERTIFIKATE // AUSTRIA ist mehr als lesenswert. Hier geht es zur Anmeldung.

Bildquelle: Pressefoto © Erste Group


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