World Money Show London: Es wird alles gut – oder eher doch nicht?

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Es ist für mich jedes Jahr ein Highlight nach London zu fahren, um auf der World Money Show mit den Cracks der Szene sich zu unterhalten und deren Vorträgen zu lauschen. Dieses Jahr ist es die Messe gewesen, die quasi ein Jahr nach dem Austritt der Finanzkrise den Anlegern erzählen musste, warum es letztes Jahr (fast) keiner auf der Messe 2008 gewusst hat, was da auf uns zukommt. Es gab ein paar wenige letztes Jahr. Und das hatte mir da schon imponiert. Aus Deutschland? Fehlanzeige. Keiner hat den DAX richtig eingeschätzt. Ich selbst hatte mich im Mai dazu gegenüber der bekannten US-Anlegerseite moneyshow.com einmal geäußert.

We´ll still down

Dieses Jahr ist die Durchschnitts-Einschätzung aller Speaker, mit denen ich auch persönlich reden konnte die gleiche. We´ll still down. Oder Kommentare wie dieser waren auch nicht selten: No growth stories, only take blue chips and specially in ETFs. Klare Aussagen.

Nicht selten wurde auch über die US-Notenbank Fed geschimpft. Der bekannte Investmentanalyst Marc Faber beispielsweise zeigte in einem eindrucksvollen Vortrag auf, was „die Fed wohl in den letzten Jahren geraucht haben muss, wenn man sich ihre Fiskalpolitik anschaut“. Alles habe davon profitiert, nur eines nicht. Der US-Dollar. Aber genau dieser sei elementar für die Weltwirtschaft.

Kann die Fed helfen?

Die Fed soll es richten. Das sagen viele. Aber auch die gleiche Anzahl an Analysten zweifeln an ihrer Kompetenz. Die Heleba schreibt in ihrem aktuellen Wochenausblick: Durchwachsene US-Konjunkturdaten sowie enttäuschende Unternehmensgewinne aus Deutschland lösten eine Korrektur an den Aktien-, Gold- und Rohstoffmärkten aus. Das Lager derer, die derzeit nur ein konjunkturelles Strohfeuer ausmachen, erfuhr Zulauf. In der (dieser) Berichtswoche werden die Daten aus den USA und dem Euroraum das Strohfeuerargument nicht weiter anheizen. Folglich sollte der Aktienmarkt wieder zulegen können, während Renten durch die anstehenden Notenbanksitzungen der Fed, BoE und EZB bewegt werden. Hm, mal gespannt.

Die Realitätswelle der Krise kommt noch

In London unterhielt ich mich mit einem Vermögensberater. Der brachte es auf den Punkt. Wir würden bei uns in Deutschland erst noch die harte Realitätswelle der Krise zu spüren bekommen. Im Konsum aber auch bei den Unternehmen. In den Medien wird dies schon bestätigt. Erst heute kam es über pressetext: Der starke Anstieg von Firmenpleiten wird sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Während Experten in diesem Jahr rund 35.000 Insolvenzen geht die Managementberatung A.T. Kearney bereits im kommenden Jahr von bis zu 45.000 zahlungsunfähigen Unternehmen aus. Innerhalb der nächsten fünf Jahre sei „jedes zehnte deutsche Unternehmen akut insolvenzgefährdet“. Angesichts des rapiden Anstiegs werde die Zahl der Arbeitslosen weiter klettern, die Fünf-Mio.-Grenze dürfte sie dennoch nicht übersteigen. Branchenübergreifend sei davon auszugehen, dass die Wirtschaftskrise 2009 mit einem Umsatzrückgang von zwölf Prozent und einem Einbruch der Gewinne um 22 Prozent in Deutschland deutliche Spuren hinterlassen wird. Die Top-100 Unternehmen müssten somit um 125 Mrd. Euro niedrigere Umsätze und 25 bis 30 Mrd. Euro weniger Gewinn verkraften. „Eine Rückkehr auf Vorkrisenniveau wird erst in drei bis fünf Jahren möglich sein“, sagt A.T.-Kearney-Zentraleuropachef Dietrich Neumann.

Der Arbeitsmarkt wird erst noch kriseln

Ebenso wird es am Arbeitsmarkt heiß hergehen. Es droht eine Entlassungswelle auf deutsche Arbeitnehmer wie auch Unternehmen zuzurollen. Wie die Managementberatung Kienbaum aufzeigt, sind „betriebsbedingte Kündigungen nur noch eine Frage der Zeit“. Sowohl börsennotierte Konzerne wie auch große mittelständische Unternehmen seien auf Entlassungen in größerem Ausmaß jedoch schlecht vorbereitet. 40 Prozent hätten keinerlei Erfahrung oder seien nicht ausreichend für eine Kündigungswelle gewappnet. Mehr als die Hälfte sieht sich im kommenden halben Jahr aber zu Entlassungen gezwungen, heißt es weiter.

Wow, das sind mal Fakten (?). Und auch das Thema Inflation und Deflation kam in London nicht zu kurz. Es war quasi überall dabei. Sei es beim Gold, bei Anleihen oder beim Traden. Ein befreundeter Broker sagte mir dazu ganz klar: „Es wird bei uns in Europa und in den USA richtig abgehen mit den Preisen“.

Die Sache mit der Preisentwicklung

Er steht, was die Preisentwicklung angeht wahrlich nicht allein da. Jeffrey Currie von Goldman Sachs sagte jüngst englischen Medien, dass neben der Krise Faktoren wie das globale Bevölkerungswachstum, der Klimawandel, Wassermangel und die steigende Nachfrage nach Bio-Treibstoffen zu einer steigenden Lebensmittelknappheit in Entwicklungsländern führen könnte. Durch diese Entwicklungen könnten jedoch auch die Industrieländer in Mitleidenschaft gezogen werden. „Hochentwickelte Märkte werden mehr für Kupfer, Soja und Erdöl bezahlen“, so Currie. Vor allem die USA müsse den Konsum von natürlichen Ressourcen einschränken. Die Nachfrage aus Entwicklungsländern werde bald die der Industrienationen übersteigen. Sobald die Wirtschaftskrise überstanden sei, würde sich die Entwicklung weiter beschleunigen. In Anbetracht dessen seien Bemühungen, die Produktion von Biodiesel aus Lebensmitteln zu intensivieren, sehr kritisch zu betrachten.

Den coolsten und simpelsten Spruch fand in London bei der Opening Ceremony ein Brite. Übersetzt: Keine Panik, auch in 2010 gibt es genügend Chancen für den Anleger – und für Banken deren Geld ganz besch… zu verlieren…

Die positiven Umfragen…täuschen

Na dann, glauben wir doch allen positiven Umfragen, die derzeit wieder die Runde machen. Eine davon kommt von der Berlin Hyp und Landesbank Berlin. Laut deren Umfrage hat sich, nachdem im 2. Quartal 2009 noch 78,1 Prozent der Befragten von aktuell weiter sinkenden Transaktionsvolumina ausgingen, dieser Anteil drei Monate später deutlich auf 55,2 Prozent reduziert. In der Zwölf-Monatssicht gehen sogar bereits 72,0 Prozent von mindestens gleichbleibenden bzw. wieder steigenden Transaktionsvolumina aus – so die Meinung der rund 220, vorrangig aus Deutschland stammenden Teilnehmer der Expertenbefragung. „Das gibt Anlass zur Hoffnung, dass der Investmentmarkt nun tatsächlich seinen Boden gefunden hat und auch die Transaktionsvolumina wieder langsam zunehmen könnten – allerdings auf einem deutlich reduzierten Niveau“, erläutert Dr. Thomas Veit, Vorstandsmitglied der Landesbank Berlin AG, das Ergebnis.

An dieser Stelle meine Frage. Ist es vielmehr nicht peinlich, mit läppischen 220 Befragten nun auf den Gesamtmarkt und dessen Anleger zu schließen? Die Antwort soll sich jeder Leser selbst geben.

Ich persönlich halte es nach wie vor mit Warren Buffet: „Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt.“ In diesem Sinne, es wird alles gut, sagt meine Frau- und bisher hatte sie immer recht…


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