Von Pressemitteilungen oder die Erde ist eine Scheibe…

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Zugegeben. Die Überschrift dieses Beitrages ist etwas lang. Aber manchmal bedarf es halt doch ein paar Wörter mehr. Ich hatte heute eigentlich keine große Motivation etwas zu bloggen – soll es bei einem Journalisten auch geben…

Im Leben eines Finanzjournalisten gibt es aber Tage wie diesen, da ist es herrlich, den Markt und das ganze Drumherum zu beobachten. Per Twitter, RSS-Feed und anderer Medien kann man heute lesen, warum der deutsche DAX abschmiert.

Die geschätzten Kollegen der ARD-Börse nehmen die schlechten Vorgaben der Wall Street als Argument heran. Andere die jüngsten Verbraucherdaten und andere wiederum den schwachen Dollar. Bis auf Letzteres kann ich alles nachvollziehen. Ich finde das alles auch gar nicht schlimm. Geben halt die Märkte ein wenig nach. Ich persönlich erwarte ja schon seit Wochen den größeren Einbruch. Aber ätsch – bisher lag ich total falsch.

Und genau an solchen Tagen kommen dann soooo aussagekräftige und „gut“ auf den Markt abgestimmte Pressemitteilungen in mein Mail-Fach wie diese:

Warum Sicherheit der falsche Weg ist
Der Deutsche mag sichere Anlagen. Eine Studie der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) zeigt, dass sich diese Neigung sogar noch verstärkt. Dies ist allerdings mit negativen Konsequenzen für den Aktienmarkt und die Aktienkultur in Deutschland verbunden. Der Aktienmarkt bietet jedoch auch eine Menge Chancen, wie der xxxx- Verlag in xxx herausgefunden hat.

XXXX, im Oktober 2009. Lediglich 3% der Deutschen sind laut der Untersuchung bereit, in risikoreiche Anlagen zu investieren, die höhere Renditen versprechen. 55% aller Deutschen verhelfen dem Sparbuch hingegen zu einer Renaissance. Sie legen ihr Geld als festverzinsliche Einlage bei einer Bank an und nehmen damit Vermögensverluste hin, wenn die Renditen nicht über der Inflation liegen. Gleichzeitig sind die Deutschen aber auch Schlusslicht, was die Vermögenssituation angeht. Nur 2% verfügen über 75.000 Euro Privatvermögen, die Hälfte gibt an, weniger als 25.000 Euro zu besitzen. In Amerika können immerhin 30% ein Privatvermögen von über 75.000 Euro ihr Eigen nennen. Stagnierende bis sinkende Löhne tun ihr Übriges und führen dazu, dass die Risikobereitschaft weiter gesunken ist und die Aktie als Teil des Vermögensplans eine immer geringere Rolle spielt.

Gerade jetzt sollte aber in Aktien investiert werden
Wer allerdings gut informiert ist und bleibt, kann sich von der Herde absetzen und mit Aktien sein privates Vermögen mehren.
Die Analysten vom lalalalala-Verlag haben eine Fülle von Möglichkeiten heraus gefunden, die weiter beobachtet und analysiert werden. Nach Meinung der Experten versprechen Sachwerte, Edelmetalle und der Devisenmarkt in der nächsten Zeit interessante Gewinnmöglichkeiten. Chancen gibt es also immer, die Kunst besteht jedoch darin, sie zu finden und auch zu nutzen. Wer mehr über Tipps und Trends erfahren möchte, findet weitere Informationen unter lalalalalala…..

Herrlich. Vor allem der vorletzte Satz der PM ist so aussagefähig. Chancen gibt es also immer, die Kunst besteht jedoch darin, sie zu finden und auch zu nutzen. Super. Also ich glaube, ich hol mir gleich alle Börsenbriefe von diesem Verlag. Denn dann nutze ich ja alle Chancen. Aber das Schönste finde ich, ist eindeutig die Überschrift. Warum Sicherheit der falsche Weg ist.

Ich bin mir nicht so ganz sicher. Aber sind derzeit nicht genau die (Börsen-)Newsletter-Produkte erfolgreich, die eben langfristig und mit soliden und sicheren Empfehlungen arbeiten? Und dann noch die Aufzählung. Herrlich: Sachwerte, Edelmetalle und der Devisenmarkt. Die ersten beiden eher konservativ, letzeres jedoch eher hoch spekulativ. Stichwort Devisentrading.

Manchmal sage ich mir, wäre es schön, wenn ein Verfasser einer PM auch wirklich die Zusammenhänge so erläutert wie sie sind. Wir werden demnächst noch mehr Menschen ohne Arbeit haben, die Konsumlust geht zurück – und die Menschen werden versuchen das Geld zusammenzuhalten – und wenn sie dieses auf ein Tagesgeld-Konto legen. Das ist die nackte Realität, denke ich. Aber vielleicht ist ja die Erde auch eine Scheibe…


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