Im Fokus: Der Tag der vielen Zahlen

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Die gefürchteten Donnerstage

Wie so oft sind die Donnerstage in der Quartalszahlensaison die gefürchtetsten Tage. Denn irgendwie scheint man in den USA zu glauben, dass man an so einem Tag – egal mit welcher Bilanz – gut wegkommen kann. Das mag auf den ersten Blick auch so sein, v.a. wenn gefühlt der halbe S&P 500 seine Zahlen veröffentlicht. Dennoch gibt es auch an solchen Tagen Gewinner und Verlierer. Wie so oft steckt der Teufel aber im Detail und so will ich mal einige Ergebnisse etwas näher betrachten. Da der Tag aber noch nicht zu Ende ist werden Klassiker wie Amazon, American Express oder Eastman Chemical erst nach Börsenschluss Rechenschaft ablegen. So habe ich auch morgen noch etwas zu schreiben.

Dow Chemical kann wie BASF solide Zahlen vorlegen

Den Anfang für jetzt mache ich im Chemiebereich. Hier hat Dow Chemical – ähnlich wie der Weltmarktführer BASF – überzeugende Zahlen veröffentlicht. Der Chemiekonzern konnte im dritten Quartal trotz rückläufiger Umsatzerlöse dank positiver Einmaleffekte einen deutlichen Gewinnanstieg verbuchen. Die Erwartungen wurden ebenfalls geschlagen. Dementsprechend kann die Dow-Aktie heute auch nach anfänglicher Unsicherheit gegen den Trend deutlich zulegen. Noch interessanter war aber die Einschätzung des wirtschaftlichen Umfelds. Hier sieht man für die USA Anzeichen für eine langsame Erholung, während in Asien sogar eine deutliche Wirtschaftserholung ausgemacht wird.

Ausblick bei 3M sorgt für gute Laune

Das nächste interessante Unternehmen ist der Mischkonzern 3M – hierzulande v.a. für Klebstoffe und Post-its bekannt. Hier verringerten sich die Umsatzerlöse auf 6,19 Mrd. Dollar, während der Gewinn auf 1,35 Dollar je Aktie sank. Angesichts der Ausmaße der Krise sind diese Rückgänge aber marginal. Zudem wurden dennoch die Erwartungen deutlich geschlagen. Und was noch viel mehr überraschte: Der Gesamtjahresausblick wurde deutlich erhöht. Beim EPS erhöhte man seine Erwartungen kräftig auf 4,50 bis 4,55 Dollar und auch beim Umsatz geht man nun nur noch von einem Umsatzrückgang um 9,5 bis 10,5 Prozent aus. Entsprechend deutlich können die 3M-Aktien auch heute zulegen.

Kimberly-Clark überrascht

Noch mehr konnte heute aber der Haushaltswarenhersteller Kimberly-Clark überraschen. Infolge geringerer Energiekosten und höherer Verkaufspreise konnte man für das dritte Quartal 2009 ein unerwartet kräftiges Ergebnisplus ausweisen. Der Umsatz wiederum blieb leicht unter dem Vorjahresniveau. Zudem wurde der Gesamtjahresausblick ähnlich wie bei 3M auf ein EPS von nun 4,50 bis 4,60 Dollar erhöht. Die Aktie legt derzeit mehr als 6 Prozent zu.

Das Pharmatrio Merck & Co., Schering-Plough und Bristol-Myers Squibb

Ein weiteres Glanzlicht war der Pharmasektor. Hier konnte Merck & Co. im dritten Quartal 2009 dank wachsender Umsätze beim Ergebnis zulegen. Aber auch der Ausblick konnte erhöht werden. Die Aktie zeigte sich aufgrund des schwachen Umfelds kaum verändert. Ähnlich erging es der Aktie von Schering-Plough. Der Pharmakonzern musste zwar einen Gewinnrückgang ausweisen, konnte aber die Erwartungen auf bereinigter Basis übertreffen. Den Reigen komplett machte dann Bristol-Myers Squibb. Hier sanken zwar Umsatz und Gewinn – der Ausblick wurde aber auch hier angehoben. Dennoch verliert die Aktie heute 1,5 Prozent.

Schwergewichte AT&T und Xerox überzeugen

Zum Schluss will ich noch auf zwei weitere schwergewichtige Highlights verweisen. Zum einen den Telekomriesen AT&T. Hier sank der Gewinn im dritten Quartal umsatzbedingt leicht. Die Erwartungen konnten jedoch dank der starken Nachfrage nach dem iPhone geschlagen werden, weshalb die Aktien auch deutlich zulegen. Zum anderen den Kopierer-Hersteller Xerox. Zwar hatte man im dritten Quartal unter der nach wie vor rückläufigen Kundennachfrage zu leiden und verbuchte bei geringeren Umsatzerlösen einen Ergebnisrückgang. Dennoch konnte die Erwartungen übertroffen werden. Zudem wurden auch hier die Gewinnschätzungen für das Gesamtjahr angehoben. Die Aktie legt kräftige 3 Prozent zu.

Die Konjunkturdaten geraten in den Hintergrund

Wie man sieht ist die Lage – abseits der Finanzindustrie – nicht mehr ganz so düster, wie noch vor einem halben Jahr gedacht. Dennoch sollte man sich die Worte des gestrigen Beige Book auch zu Herzen nehmen, wo von lediglich kleinen und punktuellen Fortschritten beim Wachstum der US-Wirtschaft die Rede war. Zuviel Optimismus ist also ebenso falsch wie allzu düstere Weltuntergangsstimmung. Das sah man heute dann auch an den US-Frühindikatoren. Auf Monatssicht verbesserte sich die wirtschaftliche Aktivität im September um 1,0 Prozent, während Volkswirte ein Plus von 0,8 Prozent in Aussicht gestellt hatten. Dementsprechend hat sich im Handelsverlauf auch der Dow Jones ins Plus gerettet. Gespannt warten wir also auf den heute leicht unter die Räder gekommenen DAX.


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