Bei Schloss Wachenheim ist die Stimmung spritzig

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Das Geschäft mit Sekt und ähnlichen Getränken scheint trotz oder vielleicht eher gerade wegen der Krise sehr gut zu laufen. Zumindest lassen die jüngsten Zahlen der Sektkellerei Schloss Wachenheim AG diesen Schluss zu. Nach eigenen Angaben bezeichnet man sich als „Größter Schaumweinhersteller der Welt“.

Ein hidden Champion aus Rheinland-Pfalz

Der weitgehend unbekannte Weltmarktführer mit den bekannten Konzernmarken Faber oder Light live hat im Geschäftsjahr 2008/09 Ergebnis und Konzernjahresüberschuss deutlich gesteigert. Trotz der erschwerten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen konnte das Betriebsergebnis EBIT um 52,8 Prozent auf 15,6 Mio. Euro gesteigert werden. Dieses Ergebnis ist insofern überraschend, als mit 216,2 Mio. rund 50 Mio. weniger Flaschen Sekt, Wein, Wermut, Spirituosen und alkoholfreie Getränke verkauft wurden als im Vorjahreszeitraum. Dementsprechend ging auch der Konzernumsatz um 7,8 Prozent auf 278,8 Mio. Euro zurück. Der Konzernjahresüberschuss wiederum verbesserte sich deutlich um 7,3 Mio. Euro auf +6,6 Mio. Euro. Somit sind die nunmehr abgeschlossenen Neustrukturierungen und Sortimentsbereinigungen als voller Erfolg zu werten. Damit scheint auch das Ausscheiden des langjährigen Vorstands für Marketing und Vertrieb, Uwe Moll, zum 30. Juni 2009, ohne Probleme gemeistert worden zu sein.

Das Geschäft läuft auch im Ausland

Interessanter als das Deutschland-Geschäft sind bei Schloss Wachenheim die Aktivitäten in den europäischen Nachbarländern. In Frankreich konnte der Umsatz dank Preiserhöhungen um 5,1 Prozent auf 85,9 Mio. Euro gesteigert werden. Dazu erklärte Vorstandschef Nick Reh: „Trotz der angespannten wirtschaftlichen Lage und der getrübten Konsumlaune der Franzosen konnten wir dieses positive Ergebnis erzielen. Dies zeigt, dass sich unsere Marken auch in schwierigen Zeiten starker Nachfrage erfreuen. Dadurch konnten wir unsere Position als größter Anbieter für Sekt und Schaumwein in Frankreich festigen.“

Bei der polnischen Tochter AMBRA sah es ebenfalls trotz Krise ganz gut aus. Zwar sank hier der Umsatz um 9,5 Prozent auf 110,1 Mio. Euro. Allerdings konnte wieder ein Jahresüberschuss von 3,1 Mio. Euro erzielt werden, nach einem Fehlbetrag von -2,8 Mio. Euro im letzten Geschäftsjahr. AMBRA ist übrigens seit 2005 in Warschau börsennotiert und mittlerweile eine 61,12-prozentige Tochter von Schloss Wachenheim.

Innovationen befeuern das Ergebnis

Abseits des klassischen Sektgeschäftes hat sich Schloss Wachenheim des öfteren durch innovative Produkte ausgezeichnet. Man denke nur an den Kindersekt Robby Bubble. Aber der Verkaufsrenner ist der entalkoholisierte Sekt Light live. Allein im vergangenen Geschäftsjahr konnte der Absatz – trotz Preiserhöhung – um 6,8 Prozent auf rund 6 Mio. Flaschen gesteigert werden.

Qualität gewinnt

Neben den bundesweiten Marken wie etwa Faber, Light live oder Robby Bubble zeichnet sich der Konzern auch durch regionalere Marken wie etwa Schloss Wachenheim aus. Hier strebt das Unternehmen nun den Ausbau zu einer Pfälzer Premium-Sektmarke an. Das Redesign ist seit einigen Wochen im Handel. Doch auch bei der Qualität wird investiert. Dazu beabsichtigt der Sekthersteller das gesamte Sortiment der Marke Schloss Wachenheim nur noch nach dem traditionellen Flaschengärverfahren (Methode Champenoise) herzustellen. Dabei sollen künftig die dickwandigen, 760 Gramm schweren Champagnerflasche genutzt werden. „Wir benötigen circa zwei bis drei Jahre, um alle Produkte (ca. 2,4 Mio. Flaschen inklusive Schloss Wachenheim Grün) auf das traditionelle Verfahren umzustellen“, so Nick Reh bei der Vorstellung der Maßnahmen. Mit diesem Schritt wird sich der Konzern sicherlich auf eine neue Ertragsbasis stellen können. Denn die bisherigen Preiserhöhungen und Fokussierung auf Premiummarken haben gezeigt, dass dies trotz rückläufiger Absatz- und Umsatzzahlen nicht unbedingt schlecht für den Konzerngewinn ist.

Aktie mit deutlich Potential

Dies alles dürfte der Aktie, die wirtschaftskrisenbedingt bis auf 3,58 Euro absackte, künftig weiteren Auftrieb verschaffen. Bei aktuellen Kursen von rund 6 Euro notiert man immernoch 50 Prozent unter den Hochs der letzten Jahre bei rund 12 Euro. Zwar ist die nun angekündigte Dividendenaussetzung sicher nicht zur Freude aller Kleinaktionäre, aber da Vorstand Nick Reh auch gleichzeitig Mehrheitsaktionär bei Schloss Wachenheim ist, darf man diesen Schritt als zweifelsfrei notwendig betrachten. Die Hauptversammlung am 2. Dezember 2009 wird i.Ü. sicherlich bereits erste Resultate, vor allem was die geplante Verdopplung des Werbeetats angeht, bringen.


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