Rohstoffe als Investments: 4 Gründe für ein längerfristiges Comeback

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Bildquelle: Pressefoto BHP Billiton

Wer Rohstoffe als festen Teil seines langfristigen Portfolios betrachtet, dürfte schwere Jahre hinter sich haben. Die Preise haben stagniert oder sind sogar gesunken, dafür sind die Korrelationen zum Aktienmarkt gestiegen. Resultat: Diversifizierte Rohstoffinvestments brachten zuletzt weder attraktive (oder auch nur positive) Renditen noch die Vorteile in Sachen Risikostreuung, die immer wieder als eines der Hauptargumente für die Anlageklasse angeführt werden. Jodie Gunzberg von S&P Dow Jones Indices, immerhin der Anbieter der am weitesten verbreiteten Rohstoff-Indexfamilie sagt nun allerdings mutig: Das könnte sich ändern. Rohstoffe stehen vor dem Comeback. Und sie hat sogar ein paar ganz gute Argumente auf ihrer Seite.

Die Zeit spielt für Rohstoffe

Eines davon ist ein – zugegebenermaßen eher schwaches – Timing-Argument: Der S&P GSCI Rohstoff-Index hat den S&P 500 sechs Jahre lang nicht outperformt. Das hatte es zuletzt zwischen 1980 und 1987 gegeben. In diesem Februar allerdings hat sich die Entwicklung erstmals seit dem Jahr 2007 umgekehrt. 22 von 24 im S&P GSCI enthaltenen Rohstoffen haben sich positiv entwickelt.

Steht nun also eine Zeitenwende an? Zum Glück ist die Länge der Rohstoff-Flaute nicht das einzige Argument, das Gunzberg für diese These anführt. Es gibt nämlich auch eine Reihe fundamentaler Entwicklungen, die dafür sprechen. Nämlich:

Angebotsknappheit bei Rohstoffen

Bildquelle: Pressefoto BHP Billiton
Bildquelle: Pressefoto BHP Billiton

Das Ende des lang anhaltenden Rohstoffbooms der 2000er-Jahre war unter anderem gekennzeichnet durch eine starke Ausweitung des Angebots. Dieser Trend allerdings hat sich in den zurückliegenden Rohstoff-Krisenjahren umgekehrt: Die Rohstoffwelt wird nun nach Ansicht von Gunzberg wieder durch eine Ausweitung der Nachfrage getrieben. „Dies führt dazu, dass Rohstoffpreise anfällig für Angebotsschocks werden, was eine Renditequelle erschließt, die weniger stark mit dem Aktienmarkt korreliert“, erklärt Gunzberg.

Beispiele für solche Angebotsschocks sind etwa der harte Winter in den USA, der zu steigenden Preisen für Agrarrohstoffe wie Kaffee und Vieh geführt hat, oder die Schließungen von Nickel- und Zink-Minen und ihr positiver Einfluss auf die Preise von Industriemetallen.

Politische Krisen als Preistreiber

Rohstoffe gelten zudem als klassische Depotabsicherung gegen politische Krisen. Das hat sich auch in den vergangenen Wochen wieder gezeigt. Während die globalen Aktienmärkte aufgrund der Eskalation in der Ukraine zumindest zeitweise in die Knie gingen, profitierten Rohstoffe sogar davon. Besonders galt das für die Subsektoren Energierohstoffe (schließlich machte sich halb Europa zuletzt Sorgen um die Gasversorgung) und Edelmetalle (schließlich gelten die als klassische Absicherung gegen Krisen jedweder Art).

Backwardation als Renditequelle

Dass Rohstoffanleger nur dann richtig glücklich werden, wenn sich die Märkte in Backwardation befinden, ist fast schon eine Binsenweisheit. Zur Erinnerung: Backwardation kennzeichnet einen Zustand, in dem länger laufende Rohstoff-Terminkontrakte billiger sind als solche mit kurzer Laufzeit. Da für ein längerfristiges Rohstoffinvestment regelmäßig auslaufende Kontrakte verkauft und länger laufende gekauft werden müssen, können durch Backwardation beim Kontraktwechsel, dem Rollen, Gewinne entstehen. Diese Rollgewinne waren über Jahrzehnte eine zuverlässige Renditequelle – und fielen in den vergangenen Jahren leider häufig aus. Seit 2012 besserte sich die Situation allmählich – allerdings vorwiegend in den Sommermonaten. Nun allerdings gibt es auch hier ein Anzeichen, dass die Backwardation in all ihrer Pracht zurück sein könnte: Der Februar 2014 war der erste seit zehn Jahren, in dem sich der S&P GSCI in Backwardation befand. Als das zuletzt geschah, erzielten Rohstoffe eine Jahresrendite von 17,3 Prozent.

Es gibt also Hoffnung für Rohstoffanleger – auch wenn Prognosen natürlich immer dann besonders schwierig sind, wenn sie sich auf die Zukunft beziehen. Und auch wenn manche Rohstoff-Renditequellen definitiv sympathischer sind als andere – wer wünscht sich schon anhaltende Nachfrageschocks oder ständig eskalierende politische Krisen? Und doch sind gerade Faktoren wie diese beiden der Grund dafür, dass Rohstoffe im Kontext eines diversifizierten Portfolios so wichtig sind – weil andere Anlageklassen und vor allem Aktien so stark unter derartigen Entwicklungen leiden und Rohstoffe einen gewissen Schutz bieten.

Holger Handstein bloggt normalerweise auf Der Privatanleger über Geldanlage


3 KOMMENTARE

  1. „erzielten Rohstoffe eine Jahresrendite von 17,3 Prozent“, das hört sich gut an, ist aber doch sehr allgemein gehalten … wie kann den ein Privatanleger davon profitieren?

    Als Schlagworte wurden einige WKNs bzw. ISINs angegeben. Ist das als Empfehlung zu werten?

  2. „Dass Rohstoffanleger nur dann richtig glücklich werden, wenn sich die Märkte in Backwardation befinden, ist fast schon eine Binsenweisheit“
    Ist dem so? Ich habe den Preisbildungsprozess etwas anders verstanden und bin der Auffassung, dass Rollgewinne sowohl in fallenden als auch in steigenden Märkten möglich sind. Es kommt doch immer auf die Relation zwischen Spotpreis und Futurepreis am Tag der Veräußerung an, oder was verstehe ich hier falsch?
    Als kleine Referenz sei auf https://www.vanguard.nl/content/documents/Articles/Insights/Investment-case-for-commodities-Myths-and-realities.pdf (Seite 4-5) verwiesen.
    Über jede Aufklärung, warum Backwardation hier der Renditetreiber sein soll, wäre ich dankbar.

  3. Hallo Gregor,

    die Schlagworte stammen nicht von mir. Dazu kann ich nichts sagen. Ich traue mich derzeit auch nicht, konkrete WKNs zu empfehlen. Mein persönlicher Favorit wäre ein ETF (gute Rechtsform, kostengünstig), der möglichst viele Rohstoffe gleich gewichtet und regelmäßig rebalanciert. Es gibt aber auch viele optimierte Ansätze, die ich bisher nicht systematisch (oder auch nur unsystematisch…) überprüft habe.

    Hallo Dummerchen,

    ja, Rollgewinne sind in steigenden und in fallenden Märkten möglich – aber nicht bei einer gleichmäßig ansteigenden Terminkurve. Backwardation bezieht sich ja nicht auf die Preisentwicklung, sondern auf die relativen Preise von Futures mit verschiedenen Laufzeiten. Sind länger laufende Futures billiger, herrscht Backwardation – und nur dann sind Rollgewinne möglich. Also, ich glaube, wir haben einfach ein kleines Missverständnis, oder?

    Viele Grüße
    Holger

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