Commerzbank: Das müssen Anleger heute wissen

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Bildquelle: Pressefoto Commerzbank AG

Endlich mag so mancher Anleger denken, endlich gibt es mal wieder belastbare Fakten zur Commerzbank (WKN CBK100). Denn noch immer ist die Commerzbank-Aktie das mit Abstand beliebteste Spekulationsobjekt der deutschen Anleger. Doch zuletzt war der Wurm drin, denn die 10-Euro-Marke wollte partout nicht fallen. Angesichts der fundamentalen Fakten ist das aber auch kein Wunder. Doch der Reihe nach.

Eine der größten Baustellen der vergangenen Monate konnten die Frankfurter gestern als beendet erklären. Mit dem Ausscheiden von Jochen Klösges und Ulrich Sieber zum Jahresende aus dem Vorstand und der Verkleinerung des Gremiums von neun auf sieben Mitglieder kann das Management deutlich befreiter den Personalabbau des Bankhauses angehen. Schließlich hat nun auch die Führungsetage geblutet. Was in dem Bereich zu den bisher bereits bekannten Stellenstreichungen hinzukommt, ist zwar noch offen. Aber angesichts der Ertragslage sind hier weitreichende Maßnahmen keineswegs sehr weit hergeholt.

Und da wären wir schon beim großen Problem der Bank: der Ertragslage. Analysten schätzen, dass der Gewinn im letzten Quartal stark eingebrochen ist. Im Schnitt wird das Minus mit katastrophalen 75 Prozent angegeben. Schuld sind nicht nur operative Probleme sondern auch die noch immer nur sehr schwer kalkulierbaren Abschreibungen. Selbst das Mittelstandsgeschäft läuft nicht so, wie der für die Mittelstandsbank zuständige Vorstand Markus Beumer in einem Interview mit der „Börsen-Zeitung“ jüngst erklärte. Auch das Dauerproblemthema Schiffsfinanzierung hat sich bislang nicht gelöst. Ganz im Gegenteil, denn mit der angekündigten Bankprüfung durch die EZB könnten bald bislang unter dem Deckel gehaltene Probleme ans Tageslicht rücken.

Bleibt noch die Hoffnung auf eine Übernahme. Konzernchef Blessing äußerte sich vor kurzem in einem Interview ja dafür aufgeschlossen. Doch die Partner stehen dazu nicht gerade Schlange. Und wenn, dürfte der Preis eher symbolisch sein. Doch damit dürfte der Bund als Verkäufer ausfallen, denn selbst eine Große Koalition hätte Argumentationsprobleme, wenn sie nach der Rettung der Bank nun noch einmal bei einem Verkauf drauf zahlen würde. Von daher dürfte diese Option zwar weiterhin für die Gerüchteküche herhalten, aber nicht realistisch werden.

Von Seiten der Analysten war zuletzt ebenfalls eher zurückhaltendes zu hören. Im Vorfeld der Zahlenvorlage passte Warburg Research („Hold“) lediglich ihren fairen Wert von 7,55 Euro auf 9,27 Euro an und reagierte damit auf das aktuelle Kursniveau. Doch von zweistelligen Kursen sprechen derzeit nur wenige Analysten. Exane BNP Paribas („Outperform“) nennt aktuell 11,70 Euro und HSBC („Neutral“) 11,00 Euro als Ziel. Der große Rest rangiert mit seinen Kurszielen deutlich unter der 10-Euro-Schwelle.

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Charttechnisch zeigt die Commerzbank-Aktie ein gemischtes Bild. Kurzfristige Faktoren wie der GD20 oder der GD38 sind derzeit im roten Terrain angesiedelt, während mittelfristige Indikatoren wie ein GD100 (noch) nach oben zeigt. Für Langfristig ausgerichtete Anleger heißt es derweil weiter „Finger weg von der Coba“, denn der GD200 ist zwar knapp 5 Prozent nach unten durchkreuzt, deutet aber klar nach unten. Die Commerzbank-Aktie ist und bleibt nach wie vor ein Zocker-Papier.

UPDATE

Am Ende kam es nicht ganz so schlimm wie befürchtet. Dennoch ist die Commerzbank noch längst nicht saniert, wie die Pressemitteilung zu den Zahlen zeigt:

Der Commerzbank-Konzern hat dank der eingeleiteten Wachstumsinitiativen im saisonal schwachen dritten Quartal 2013 nahezu stabile Erträge erzielt, gleichzeitig die Risiken deutlich reduziert und die Kapitalkennziffern weiter verbessert. Das Operative Ergebnis lag bei 103 Millionen Euro (drittes Quartal 2012: 208 Millionen Euro). Grund für den Rückgang gegenüber dem Vorjahr sind vor allem die wie erwartet gestiegene Risikovorsorge und ein schwächeres Handelsergebnis. Gegenüber dem zweiten Quartal 2013 konnte das Operative Ergebnis dagegen um 32 % gesteigert werden, in erster Linie aufgrund verbesserter Ergebnisse in den Segmenten Mittelstandsbank und Non-Core Assets (NCA). Das Konzernergebnis lag im dritten Quartal 2013 bei 77 Millionen Euro und damit über dem Vorjahresniveau (drittes Quartal 2012: 67 Millionen Euro).

Mehr zu den Coba-Zahlen hier.

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Bildquelle: Pressefoto Commerzbank AG


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