Wochenrückblick KW44: RWE und E.ON vor der Entscheidung, DAX haussiert (noch) weiter

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Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse

Im Dax nichts neues, könnte man sagen. Nachdem in der Vorwoche erstmalig die 9.000er Marke überwunden werden konnte, gelang es dem deutschen Leitindex in der vergangenen Woche auch über diesem Niveau aus dem Handel zu gehen. Doch so richtig mit Schwung geschah dies nicht. Neben positiv aufgenommenen Quartalszahlen gab es eben auch zahlreiche Enttäuschungen, so dass zwar unter dem Strich ein kleines Plus blieb, aber eben nur ein kleines. In der kommenden Woche besteht die Chance dann das Spiel nochmal zu spielen. Es stehen wieder zahlreiche Bilanzvorlagen auf der Agenda und man kann bereits jetzt sicher sein, dass die positiven Überraschungen nicht überhand gewinnen. Man sah es vergangene Woche auch an den vorsichtigen Formulierungen in Bezug auf die Prognosen. Sowohl VW als auch Bayer hielten zwar an ihren Ausblicken fest, bezeichnetem sie aber als zunehmend ambitioniert. Wenn das mal kein versteckter Warnruf ist?!
Im Blick stehen derzeit die beiden großen Versorger. Zwar nehmen die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD gerade erst so richtig an Fahrt auf, doch schon jetzt scheint ein Gewinner festzustehen: Die deutsche Braunkohle. Da hat sich Einsatz des RWE-Chefs (WKN 703712), Peter Terium, wohl
bereits gelohnt. Der Chef der deutschen Nummer zwei hinter E.ON (WKN ENAG99) warnte angesichts weiterer Kraftwerksabschaltungen vor Stromausfällen in ganz Europa. Daher möge die Politik doch bitte einschreiten und die großen Versorger vor den Folgen der Energiewende schützen. So ganz wird das nicht gelingen, aber die Braunkohle dürfte wohl vor den ganz großen Angriffen geschützt werden. Den EEG-Profiteuren wird man derweil wohl auch nicht zu arg weh tun, so dass es der Politik wohl gelingt, allen wohl, und keinem weh zu tun. Doch ob das die Aktien von E.ON und RWE aus dem Jammertal befreien kann, darf bezweifelt werden. Wenn es Auslöser für Erholungspotenzial gibt, dürften diese wohl eher aus dem Ausland, denn aus Deutschland kommen.

Der DAX und sein Chart

Der Anstieg des DAX über die runde 9.000er-Marke sorgt dafür, dass die Börse in den Medien plötzlich wieder präsent ist. Von überbordender Euphorie kann bislang dennoch keine Rede sein. Gleichwohl wäre eine kleine Verschnaufpause durchaus wünschenswert, wie wir in unserem wöchentlichen Ausblick DAX zeigen.

Einzeltitel aus Deutschland

Ähnlich wie im Fall der kriselnden Commerzbank (WKN CBK100) hatte der Co-Chef der Deutschen Bank (WKN 514000), Anshu Jain, bereits vor rund einem Monat die Anleger auf ein enttäuschendes Ergebnis eingestellt. Doch nun schaffte es der deutsche Branchenprimus die Markterwartungen in Sachen Konzerngewinn sogar noch deutlich zu unterbieten. Neben den durch die Fed ausgelösten Turbulenzen am Anleihemarkt war es jedoch insbesondere die sehr teure Vergangenheitsbewältigung vor den US-Gerichten, die für einen satten Gewinnrückgang bei der Deutschen Bank und einen Kurseinbruch der Deutsche-Bank-Aktie sorgte. Mehr dazu hier.
In den vergangenen Wochen war nicht viel aus der Gerüchteküche zum Thema ThyssenKrupp (WKN 750000) und dem geplanten Verkauf des verlustreichen Übersee-Geschäfts der Essener zu hören. Auch ein Grund, warum die Aktie des Stahl- und Technologiekonzerns zuletzt Erholungstendenzen verzeichnen konnte. Zudem profitierte die ThyssenKrupp-Aktie vom Vertrauen eines Finanzinvestors und positiven Kommentaren zum europäischen Stahlmarkt seitens des Voestalpine-Chefs Wolfgang Eder. Doch zu Beginn vergangener Woche schien sich das Blatt wieder zum Schlechten zu wenden.
Erst konnte Volkswagen (WKN 766403) den Titel als forschungsintensivstes Unternehmen der Welt feiern, dann sorgte der EuGH für Ruhe beim so genannten VW-Gesetz und nun konnten die Wolfsburger für das dritte Geschäftsquartal Absatz- und Gewinnzuwächse verbuchen. Daher ist es nur wenig verwunderlich, dass die Volkswagen-Aktie derzeit schnurstracks Richtung Allzeithoch marschiert.
Ebenfalls aus der ersten Reihe und ebenfalls erfolgreich stellt sich der Baustoffhersteller HeidelbergCement (WKN 556520) dar. Mehr dazu aus Sicht von Point&Figure haben wir in unserem aktuellen Newsletter geschrieben. Wer die kostenfreie „Die Börsenblogger D-A-CH Rundschau“ jede Woche automatisch beziehen möchte, kann sich hier anmelden.
Beim Zahlungsabwickler Wirecard (WKN 747206) läuft es derzeit hervorragend. Einerseits konnte das TecDAX-Unternehmen aus Aschheim bei München zuletzt sowohl bei den Umsätzen als auch beim Ergebnis deutlich zulegen. Gleichzeitig werkelt Wirecard an den mobilen und bargeldlosen Bezahlmethoden der Zukunft, während es schon heute vom wachsenden Online-Handel profitiert. Kein Wunder, dass die Wirecard-Aktie fast nur den Weg nach oben kennt.

Internationale Einzelwerte

Die Anleger werden wohl noch eine Weile benötigen, um die Turbulenzen im Zuge der Veröffentlichung der jüngsten Geschäftsergebnisse von Facebook (WKN A1JWVX) zu verdauen und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die nackten Zahlen für die Zeit zwischen Juli und September waren beeindruckend. Allerdings hat das von Mark Zuckerberg gegründete soziale Netzwerk gleichzeitig einige Fragen aufgeworfen, ob denn die Vorschusslorbeeren vonseiten der Investoren tatsächlich gerechtfertigt sind. Mehr dazu hier.
Mit der Veröffentlichung der jüngsten Quartalsergebnisse von Apple (WKN 865985) erlebten wir vergangene Woche einen der Höhepunkte der aktuellen US-Berichtsaison. Während der Apfelkonzern, wie zuletzt üblich, auch bei der neuesten Produktpräsentation keine revolutionären Neuheiten liefern konnte, stören sich die Anleger wenig daran. Immerhin hat das Unternehmen fast seine gesamte Produktpalette pünktlich zum Weihnachtgeschäft erneuert und somit Hoffnungen auf eine erneute Rekordjagd der Apple-Aktie geweckt. Mehr zu Apple.
Nicht nur nach den jüngsten Quartalszahlen durchaus interessant ist der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé (WKN A0Q4DC). Näheres beleuchten wir in unserem aktuellen Newsletter Die Börsenblogger D-A-CH Rundschau. Wer das kostenfreie PDF jede Woche automatisch beziehen möchte, kann sich hier anmelden.

Wochenvorschau: Unternehmenstermine

In Sachen Quartalszahlen nähert sich die Berichtssaison ihrem Höhepunkt. So berichten u.a. Balda, FUCHS PETROLUB, Kellogg, Tesco (Montag); alstria office, AOL, Beiersdorf, BMW, CVS Caremark, Delphi Automotive, Fresenius, FMC, Hannover Rück, Heidelberger Druck, Holcim, RHI, Sky Deutschland, Tesla Motors (Dienstag); Axel Springer, Alstom, Andritz, Activision Blizzard, Brenntag, Dürr, ElringKlinger, Fraport, freenet, Jungheinrich, Klöckner & Co., KUKA, Lafarge, Mondelez, Norma Group, Polo Ralph Lauren, Prudential, Rational, Time Warner, Voestalpine, Xing (Mittwoch); adidas, ArcelorMittal, Barry Callebaut, BayWa, CeWe Color, Commerzbank, Continental, Credit Agricole, Delticom, Deutsche Telekom, Fielmann, Groupon, HeidelbergCement, OMV, Priceline.com, ProSiebenSat.1, Rhön-Klinikum, SAF-Holland, Siemens, Swiss Re, TAG Immobilien, Walt Disney (Donnerstag); Cancom, init, J. C. Penney, Telefonica (Freitag) über das abgelaufene Quartal.

Wochenvorschau: Konjunkturdaten

Montag
09:55 Uhr: D; Einkaufsmanagerindex verarb. Gewerbe (Oktober)
10:00 Uhr: EU; Einkaufsmanagerindex verarb. Gewerbe (Oktober)
10:30 Uhr: EU; sentix-Konjunkturindex (November)

Dienstag
11:00 Uhr: EU; Erzeugerpreise (September)
16:00 Uhr: USA; ISM-Gesamtindex (Oktober)

Mittwoch
09:55 Uhr: D; Einkaufsmanagerindex Dienste (Oktober)
10:00 Uhr: EU; Einkaufsmanagerindex Dienste (Oktober)
10:00 Uhr: EU; Einkaufsmanagerindex Gesamt (Oktober)
11:00 Uhr: EU; Einzelhandelsumsatz (September)
12:00 Uhr: D; Auftragseingang Industrie (September)
16:00 Uhr: USA; Frühindikatoren (September)

Donnerstag
12:00 Uhr: D; Produktion prod. Gewerbe (September)
13:45 Uhr: EU; EZB-Zinsentscheid
14:30 Uhr: USA; Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Vorwoche)
14:30 Uhr: USA; BIP (3. Quartal)
21:00 Uhr: USA; Verbraucherkredite (September)

Freitag
08:00 Uhr: D; Leistungsbilanz (September)
08:00 Uhr: D; Warenausfuhr und -einfuhr (September)
14:30 Uhr: USA; Arbeitsmarktbericht (Oktober)
14:30 Uhr: USA; Persönliche Einnahmen (September)
14:30 Uhr: USA; Private Konsumausgaben (September)
15:55 Uhr: USA; Verbrauchervertrauen Uni Michigan (November)

Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse


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