Opel ist gerettet – aber für wie lange?

0

Was haben sich gestern alle gefreut und auf die Schultern geklopft. Opel ist gerettet und alles wird gut…die Frage ist nur wie lange. Das Haar in der Suppe wurde lange Zeit klein geredet, aber irgendwie drang es dann doch noch an die breite Öffentlichkeit. Denn die beiden Bund/Länder-Vertreter der Opel-Treuhandgesellschaft haben ihre Zweifel am Magna-Sberbank-Deal (von einer Übernahme kann man bei lediglich 55% wirklich nicht sprechen) mehr als deutlich zum Ausdruck gebracht. Der frühere Continental-Chef Manfred Wennemer hat gegen die Entscheidung gestimmt und sein Kollege, der Insolvenzverwalter Dirk Pfeil, enthielt sich. Beide bemängelten das Konzept grundlegend.

Auf der Pressekonferenz erklärte Wennemer: „Wenn man das deutsche Insolvenzrecht in der im Moment gültigen Version anwendet, dann hat der Vorstand von Opel im Jahr 2010/11 nur eine Möglichkeit – wenn er den Geschäftsplan, so wie er heute vorliegt erreicht – nämlich zum Insolvenzrichter zu gehen.“ Als Branchenprofi dürfte ihm klarer sein, als manch anderem, was in der Autoindustrie noch funktioniert und was nicht. Und als wenn das noch nicht Kritik genug gewesen wäre, erklärte sein Kollege Pfeil: „Ich hätte mich für diese Aufgabe nicht bereit gefunden, wenn ich gewusst hätte, dass es eine politische Entscheidung gibt und keine betriebswirtschaftliche.“ Somit ist eigentlich auch schon das ganze Jubeln beendet. Denn eine wirklich tragfähige Lösung wurde seitens der Politik nicht gefunden. Es ist eher ein herum schachern im Angesicht der nahenden Bundestagswahl. Anschließend werden garantiert irgendwelche Probleme auftauchen, die bislang vollkommen unbekannt waren.

GM wiederum hat sich durch das überraschend schnelle Entgegenkommen in eine bequeme Position gebracht. Mit 35% kann der Konzern auch in Zukunft auf die Technologie „Made in Germany“ zurückgreifen und gleichzeitig ein Abwandern der Technologie in Ausland (bspw. nach Russland) verhindern. Magna wiederum bekommt das Problem, dass manch bisheriger Kunde nicht mehr bei einem Wettbewerber kaufen wird und dafür aber „nur“ mit 27,5% an Opels Ertrag (so er denn eintritt) beteiligt ist. Auf der krisengeschüttelten russischen Sberbank möchte ich jetzt garnicht herum hacken. Die Frage wie lange die Opel-Anteile bei der Bank bleiben, sollte allerdings erlaubt sein.

Und zuletzt hat man die Rechnung noch ohne die EU gemacht. Denn während angeblich alle deutschen Standorte gesichert sind, ist man bei anderen Standorten in Europa weniger zimperlich. Angesichts der Milliarden-Hilfen aus Deutschland dürfte sich das die EU aus wettbewerbsrechtlichen Aspekten nicht bieten lassen. Es wird deutlich: Spätestens nach der Bundestagswahl gehen wir hier wieder auf Anfang.


TEILEN

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here