Nokia: Befreiungsschlag weckt Kursfantasien

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Bildquelle: Pressefoto Nokia

Jetzt also doch. Nokia (WKN 870737) verkauft seine Handy-Sparte an den Software-Riesen Microsoft (WKN 870747). Dem scheidenden Microsoft-Chef Steve Ballmer war das Handy-Geschäft der Finnen vor kurzem noch zu teuer. Möglicherweise hat die Ankündigung seines Abgangs für den entscheidenden Durchbruch gesorgt. Für den einstmals größten Hersteller von Mobiltelefonen Nokia bedeutet es wiederum einen Neustart, bei dem das Schicksal des Unternehmens nicht mehr wie zuvor allein an Microsoft und sein Windows-System geknüpft ist. Damit könnte möglicherweise endlich der Turnaround gelingen, an dem die Finnen bisher vergeblich gearbeitet haben.

Bildquelle: Pressefoto Nokia
Bildquelle: Pressefoto Nokia

Microsoft lässt sich das Nokia-Geschäft mit Geräten und Diensten insgesamt 3,79 Mrd. Euro kosten. Zusätzlich werden 1,65 Mrd. Euro für Patentlizenzen fällig, die angesichts der jüngsten Klagewelle unter den Technologieunternehmen immer wichtiger werden. Zudem wird Microsoft auf Nokias Kartendienste zurückgreifen können. Sollte alles wie geplant laufen, soll der Deal im Volumen von 5,44 Mrd. Euro Anfang 2014 abgeschlossen werden.

Nokia will sich nun ganz auf das Netzwerk-Geschäft konzentrieren. Zu diesem Zweck hatten die Finnen bereits den ursprünglich gemeinsam mit Siemens (WKN 723610) betriebenen Netzausrüster NSN komplett übernommen. Allerdings herrscht auch in diesem Bereich ein harter Konkurrenzkampf. Neben den europäischen Mitbewerbern Ericsson und Alcatel-Lucent drängten zuletzt vor allem asiatische Ausrüster mit Macht auf den Markt.

Auch wenn Nokia mit dem Verkauf der Handy-Sparte sein Kerngeschäft abgibt, scheint man sowohl auf Anlegerseite als auch bei den Analysten die Vorteilhaftigkeit des Deals für die Finnen zu sehen. Während die Nokia-Aktie Dienstagmittag im Frankfurter-Handel rund 40 Prozent an Wert zulegen konnte, stufte die Deutsche Bank (WKN 514000) Nokia nach dem Verkauf des Handy-Geschäfts an Microsoft von „Sell“ auf „Hold“ hoch. Das Kerngeschäft habe zuletzt massiv Geld verbrannt – rund 600 Mio. Euro pro Quartal, hieß es in der Einschätzung.

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Für den Verkauf des Handy-Geschäfts spricht auch die Tatsache, dass es Nokia nun jahrelang an der Seite Microsofts versucht hat zu altem Glanz zurückzukehren. Während sich die Erfolge angesichts von Marktanteilen beim Verkauf von Smartphones im unteren einstelligen Prozentbereich bewegten, brachte die enge Bindung an Microsoft die Finnen in eine Sackgasse. Gleichzeitig teilten sich die Platzhirsche Apple (WKN 865985) und Samsung (WKN 888322) untereinander den Markt auf. Und selbst wenn die Erfolge mit dem Netzwerk-Geschäft ausbleiben sollten, macht die Portfoliobereinigung auch diese Sparte für Übernahmen attraktiv. Immerhin wird auch bei den Netzwerkausrüstern einiges an Konsolidierungsbedarf gesehen.

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