Wege aus der Krise

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Die Frage wie man derzeit aus dem ganzen Schlamassel namens Finanzkrise, Weltrezession oder wie auch man es nennt wieder herauskommt, beschäftigt derzeit wohl die gesamte Zunft der Ökonomen. Die FAZ hat übrigens heute sehr anschaulich die ganze Krise „multimedial“ dargestellt. Durchaus sehenswert. Und während sich die vermeintliche „Weltelite“ aktuell in Davos beim World Economic Forum mehr oder weniger ratlos gegenüber sitzt, versuchen erste Unternehmen ihre eigenen Schlussfolgerungen aus der Krise zu ziehen.

Commerzbank-Arbeitsdirektor Eric Strutz kündigte im Interview mit dem Handelsblatt an, dass der Bonus-Topf für die Investmentbanker (besonders die neuen Kollegen von Dresdner Kleinwort) insgesamt auf dem Prüfstand steht. Angesichts der Teilverstaatlichung der Commerzbank kaum verwunderlich. Aber die Überarbeitung der Vergütungsstruktur bei Banken und die Konsoliderung kann nur ein Schritt auf dem Weg aus der Krise sein. Der US-Ökonom Nouriel Roubini fordert bspw. auch deutliche Verbesserungen beim Risikomanagement und Controlling der Banken. Womit aber noch immer nur ein Teil des Problems angegangen wird.

Dabei ist überhaupt noch nicht klar, ob die Krise schon auf absehbare Zeit ein Ende findet. So sieht bspw. Robert J. Shiller, Finanzwissenschaftler in Yale, noch längst nicht das Licht am Ende des Tunnels. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt er, dass die Immobilienkrise noch zehn Jahre andauern könne. Auf die Frage nach den vielfach geplanten Konjunkturpaketen entgegnet er: „Ich bin zwar für eine aggressive fiskalpolitische Stimulierung. Ich warne jedoch davor, sich zu viel von den Hilfspaketen zu erwarten. Die Maßnahmen wirken vor allem kurzfristig.“ Und die gestern veröffentlichten IWF-Schätzungen verheißen ebenfalls keine schnelle Besserung, wenngleich für 2010 bereits vielfach wieder ein leichtes Wirtschaftswachstum erwartet wird.

Des Pudels Kern ist – wie sich nun immer mehr herauskristallisiert – die Politik des billigen Geldes, die vor allem durch die US-Notenbank seit rund 15 Jahren mit mehr oder weniger starken Ausprägungen, die Weltwirtschaft mit Dollars überflutet. Solange dieser Geldfluß nicht an die tatsächliche Wirtschaftsentwicklung anknüpft, wird das Problem nicht nachhaltig gelöst werden können. Besonders die jüngsten Geldflutungsmaßnahmen sorgen mehr und mehr für kritische Nachfragen. Während manche Ökonomen, wie etwa Roubini, gerade darin einen Lösungsansatz sehen, vergrößert die Dollar-Schwemme das Problem meines Erachtens nur weiter. Da derzeit radikale Lösungen wie etwa eine Umstellung auf den Goldstandard (noch) undenkbar und politisch akzeptiert sind, gilt es das Geldangebot wieder zu verringern und dem tatsächlichen Wirtschaftsniveau anzupassen. Das kann nur durch höhere Leitzinsen erfolgen.

Ein weiterer Baustein zur Lösung des Problems wird sein – wie euckenserbe zu Recht schreibt – dass es endlich möglich sein muss, Banken in Konkurs gehen zu lassen. Die entsprechenden Sicherungsmechanismen bei einem Konkurs sind doch angeblich sowieso alle da. Verstaatlichungen ob auf einmal oder auf Raten bringen dagegen keine Lösungen, denn die Banken sind in der Summe einfach too big to bail. Wenn eine Bank wie die Hypo Real Estate an der Börse nur noch mit wenigen Millionen Euro bewertet wird, der Staat aber gleichzeitig rund 90 Mrd. Euro zur Rettung bereitstellt, dann steht das in keinem vernünftigen Verhältnis mehr. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende ist eben immer wieder eine gute Lösung – in vielen Lebenslagen! Und nur wenn die „schlechten“ Banken weg vom Fenster sind, herrscht bei den anderen Banken wieder das nötige Vertrauen den Unternehmen Kredite zu geben. Den psycholgischen Faktor hat übrigens auch Shiller als wichtigen Punkt genannt: „Auf jeden Fall müssen wir verhindern, dass die Zuversicht der Menschen noch mehr Schaden nimmt.“

Inwiefern die künftige Kreditvergabe mit einer deutlich höheren Eigenkapitalunterlegung einhergehen kann, sollte noch geklärt werden. Allerdings sind die bishergültigen 8% laut Basel II sicher nicht der Weisheit letzter Schluss. Von daher warten wir einfach mal ab, was Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in den nächsten Wochen aus dem Hut zaubern und vielleicht auch wieder darin versenken…ich denke nur mal an die Konsumgutscheine oder die Zwangsanleihen oder die Forderungen nach Staatshilfen quer durch alle Branche.


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