Bundestagswahl: RWE & E.ON(-Anleger) schauen ganz genau hin

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Bildquelle: Pressebild E.ON

Auch wenn man derzeit nicht allzu viel davon mitbekommt, findet doch in rund vier Wochen eine Bundestagswahl statt. Wenn am 22. September gewählt wird, stellt sich jedoch nicht nur die Frage, ob es zu einer Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition reichen wird. Vielmehr könnte der Wahlausgang für Entwicklung der Aktienkurse eine entscheidende Bedeutung haben. Während sich der Einfluss der Politik auf die Börsen laut einer DekaBank-Studie in der Vergangenheit insgesamt in Grenzen gehalten hat, können einzelne politische Entscheidungen Kurse beeinflussen. Deshalb dürften die Versorger RWE (WKN 703712) und E.ON (WKN ENAG99) genauer hinschauen, da sie im Zuge des deutschen Atomausstiegs ihr blaues Wunder erleben mussten.

In den vergangenen Monaten konnten wir beobachten, wie die Wahlen in Italien oder Griechenland aufgrund der schleppenden Regierungsbildung zu großen Verwerfungen an den Börsen geführt haben. Die historischen Ergebnisse zeigen laut DekaBank jedoch, dass von Bundestagswahlen keine besondere Verunsicherung oder Beunruhigung für den deutschen Aktienmarkt ausgeht. Außerdem lässt sich keine klare Aussage darüber treffen, ob die Märkte SPD oder CDU geführte Regierungen lieber mögen. Dazu ist die Aktienmarktentwicklung hierzulande zu sehr von anderen Faktoren abhängig.

Dass die Politik nun überhaupt keinen Einfluss auf die Aktienmärkte hat ist ebenso falsch. Dabei werden verschiedene große Politikprojekte wie die Finanzmarktderegulierungen aus den 80er Jahren oder die Agenda 2010 unter Bundeskanzler Gerhard Schröder als Katalysatoren identifiziert, die die wirtschaftliche Entwicklung und die Kurse an den Börsen maßgeblich beeinflusst haben. Daneben lässt auch sagen, dass vor allem lokal agierende Unternehmen genauer auf den Ausgang der Bundestagswahlen schauen werden, da man es global agierenden Konzernen eher zutraut, sich durch einen hohen Grad an Diversifikation auf eine veränderte Gesetzeslage einzustellen.

Am deutlichsten lässt sich der Einfluss auf einzelne Unternehmen an den Verläufen der Aktienkurse der beiden großen deutschen Energieversorger RWE und E.ON ablesen, die seit dem deutschen Atomausstieg deutlich eingebrochen sind. Aber auch in diesem Fall ist Aktienmarktentwicklung kaum den einzelnen Parteien zuzuschreiben. Immerhin war die SPD für die Agenda 2010 verantwortlich, während die als wirtschaftsfreundlich eingestufte CDU den Atomausstieg durchboxte.

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2 KOMMENTARE

  1. Das Ganze geht aktuell in Richtung einer Kraftprobe zwischen Energiewirtschaft und Regierung. Der Energiekonzern RWE AG, Nummer 2 der großen Stromversorger in Deutschland, sieht sich von den Folgeerscheinungen der Energiewende übervorteilt und verlangt von der Politik ein Nachsteuern und eine finanzielle Ausgleichszahlung. Zwar vermochte die RWE AG (bis 1990 Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG) mit Hauptsitz in Essen mit einer Bilanzsumme von 88.202 Mio. EUR bei einem Umsatz von 53.227 Mio. EUR zuletzt einem Gewinn von 1.7 Milliarden EUR ausweisen zu können (Stand: 31. Dezember 2012). Jetzt berichtet die Landesregierung in NRW von direkten, finanziellen Forderungen der Kraftwerksbetreiber: Während Strom aus erneuerbaren Energien stabil vergütet werde, sei Energie aus konventionellen Kraftwerken „schwankenden Marktbedingungen ausgesetzt.“ Aber gerade diese sogenannten konventionellen Kraftwerke (Kohle- und Gasverstromung) würden in Deutschland die tatsächlich stabile Grundversorgung sicherstellen. Und dies würden Solar- und Windkraftanlagen auch heute noch nicht leisten können. Analysten sind besorgt und die Bewertung dieser Unternehmen stellt sich zunehmend komplizierter dar, zumal die zugrundeliegenden Fundamentaldaten und die Strompreise sich zunehmend weiter verschlechtern.

    Analysten und Marktbeobachter befürchten, dass die RWE-Aktie zu einem „negativen Kurstreiber“ werden könnte. Die Kraftwerke stammen fast allesamt aus den Jahren vor der Energiewende. Der Anteil renditestarker Ökostrom-Anlagen ist vergleichsweise gering. RWE profitiert weniger als mancher Konkurrent von den hohen Strompreisen, die Deutschlands Verbraucher zahlen müssen. Hinzu kommen Kosten für den Abriss von Kernkraftwerken und die Suche nach einem Atommüll-Endlager. Geld soll der Verkauf von Teilen des Konzerns einbringen (z. B. der Verkauf der Ölfördertochter Dea und der Ausstieg aus dem Pipeline-Projekt).

    RWE AG benötigt nicht nur Geld, sondern auch Zeit für den tiefgreifenden Konzernumbau. RWE ist der größte CO2-Produzent Europas, der Anteil Erneuerbarer Energien am Strom-Mix sei im Vergleich zu anderen Stromversorgern jedoch nur unterdurchschnittlich. CEO Peter Terium räumte bereits ein, es sei „aus heutiger Sicht ein Fehler gewesen.“ Einige Nachrichtenagenturen vermelden, das RWE offenbar mehrere Kraftwerke einmotten oder ganz stilllegen will. In Deutschland und den Niederlanden würden Kraftwerke mit einer Leistung von 3.100 Megawatt vom Markt genommen. Dies scheint mit dem Management anderer Energieversorger abgestimmt zu sein: E.ON SE hatte kurz zuvor angekündigt, ebenfalls Kraftwerke stillzulegen zu wollen. Weshalb?

    Regierung wünscht „systemrelevante Kraftwerke“

    Gaskraftwerke gelten in der Energiebranche als „Joker“, sollte es kurzfristig zu Engpässen in der Stromversorgung kommen. Die schlingernde Energiewende und Schübe von Stromeinspeisungen aus Erneuerbaren Energien führen zu Schwankungen, die zunehmend größer werden. Demnach müssten mehr Gaskraftwerke gebaut werden, die jedoch durch nahezu unberechenbare, ständige kurze Start- und Stopp-Phasen überbeansprucht werden. „Das wird teuer und rechnet sich nicht“, konstatiert die Energiebranche. Deshalb verlangten die großen Energieversorger – von der Politik – zur Kompensierung dieser Investitionen eine direkte Unterstützung, insbesondere „garantierte Preise für den Spitzen-Strom.“ Die Regierung will mit diesen systemrelevanten Anlagen einen großen Blackout (Totalausfall der Stromversorgung) vermeiden.

    Energiewirtschaft wünscht „Preisgarantie“

    Diese Preisgarantie wurde der Branche vorenthalten, die Konzerne sind verärgert; die Reaktion erfolgte jetzt auf dem Fuße.

    Reaktion der Regierung: Untersagung der Abschaltung

    Eine Untersagungsverfügung wurde erwogen, um das Abschalten von dringend benötigten Gaskraftwerken notfalls rechtlich verbieten zu können. Ein Gesetzentwurf sehe vor, dass Betreiber das Stilllegen von Kraftwerken in Zukunft 12 Monate vorher mitteilen müssen und die Stilllegung nötigenfalls verboten werden könne, berichteten einige Medien. Betreiber der Übertragungsnetze für Strom sollten bis Monat März 2013 zusammen mit der Bundesnetzagentur eine Liste „systemrelevanter Kraftwerke“ erstellen (insbesondere von 10 Gaskraftwerken in Süddeutschland im Leistungsbereich von 3.900 Megawatt).

    Ablehnung der Stromindustrie: fehlende Wirtschaftlichkeit

    Die Ablehnung der Energiekonzerne folgte sofort. Das ständige Hoch- und Herunterfahren derart teurer Anlagen rechne sich nicht; erhalten, die in Aussicht gestellte Entschädigung deckt nur die notwendigen Auslagen (maximal 287 Mio. Euro p.a.) und diese Zusatzkosten müssen auch noch den Verbrauchern über die Entgelte für die Strom- und Gas-Netze aufgebürdet werden.

    Ein weiterer Streitpunkt zwischen den Energieversorgern und der Politik liegt in den Sonderlasten (AKW-Ausstieg) und der damit verbundenen Rücklagenbildung. RWE stellte rund 13 Milliarden Euro zurück (Stand: 31.12.2012). Die Suche nach dem Endlager für atomare Reststoffe aus den AKW-Anlagen in Deutschland wird aller Voraussicht nach mehr als 2 Milliarden Euro kosten; RWE trifft hiervon ein beträchtlicher Anteil im der Größenordnung von 1,1 Milliarden Euro – davon geht das Management des RWE-Konzerns aus.

    Dabei werde es RWE jedoch nicht belassen. Der Energiekonzern werde das neue Gesetz juristisch prüfen lassen, kündigte Finanzvorstand Günther an. Auch eine Klage sei nicht ausgeschlossen. Die Energiebranche klagt bereits gegen die im Jahr 2011 eingeführte Steuer auf Brennelemente.

    Die Stimmung in der Energiebranche ist gereizt. „Energiewirtschaft fordert Planungssicherheit und ein neues Energieministerium“, beides wurde der Branche – aus Sicht der Manager – ohne vernünftigen Grund verweigert. Dies beschreibt den psychologischen Hintergrund des Konfliktes.

    Die Vorstandsvorsitzenden der 8 größten Energieversorger in Europa, ENEL, GASTERRA, GDF SUEZ, IBERDROLA, ENI, RWE, E.ON, GASNATURAL FENOSA, fordern indes von den Staats- und Regierungschefs eine Bestandsaufnahme der kritischen Lage des Energiesektors vorzunehmen. Darüber hinaus sollten sie eine auf den Elementen der gemeinsamen Erklärung der 8 großen EU-Energieunternehmen basierende, neue politische Zielrichtung definieren, die die Rolle der Investitionen im Energiesektor ‑ nicht nur für die Bereitstellung einer sicheren und effizienten Versorgung, sondern auch für die Schaffung von Arbeitsplätzen und eine effiziente Wiederbelebung der Wirtschaft ‑ in den Mittelpunkt rückt. Sandro Valecchi

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