Lieber Herr Draghi – Transparenz ja, aber bitte nicht zu viel!

0
Bildquelle: Pressefoto Europäische Zentralbank

Regelmäßig tagen die Notenbanken auf der ganzen Welt und somit kommt es auch regelmäßig zum Berichtserstattungsmarathon auf allen medialen Plattformen.

Erst am letzten Donnerstag hat sich wieder der Rat der Europäischen Zentralbank um Präsident Mario Draghi versammelt, um zu beschließen den Zins auf einem Rekordtief von 0,5% zu belassen. Neben den Fragen der Dauer eines solchen Zinstiefs, kommt auch immer wieder die Forderung nach mehr Details über den Ablauf einzelner Sitzungen auf!

Aber vorab zum Verständnis: Der EZB-Rat, der regelmäßig über die Geldpolitik in den aktuell 17 Euroländern berät, besteht aus 23 Mitgliedern. Diese 23 Mitglieder sind die 17 Präsidenten der einzelnen Notenbanken eines jeweiligen Landes, sowie die sechs Mitglieder des EZB-Direktoriums. Das Direktorium wiederum wird vom EZB-Rat gewählt und ist für das laufende „operative Geschäft“ zuständig.

Nun kommen immer wieder Stimmen auf, mehr Details über die einzelnen Sitzungen des Rates zu veröffentlichen. Im Grundprinzip vertrete ich diesen Gedanken ebenfalls. Dabei könnte es meiner Meinung nach interessant sein wie der allgemeine Tenor einer solchen Veranstaltung ist, welche Länder sich stärker oder zurückhaltender an den Diskussionen beteiligt haben und auch darum wie knapp Ergebnisse ausfallen. Somit könnte man ggf. genau zuzuordnen wer zu den Tauben, also den Währungshütern gehört, die die Wirtschaft eher ankurbeln wollen anstatt die Preisstabilität zu wahren und wer nicht.

In den USA ist die Veröffentlichung der Protokolle bereits gang und gebe, wodurch natürlich auch einzelne Akteure einer Zinsentscheidung der FED mehr in die Kritik geraten. Generell ist die EZB heute die letzte große Zentralbank, die ihre Sitzungsprotokolle nicht veröffentlicht.

Objektivität muss gewahrt bleiben

Ich sehe in einer zu umfangreichen Veröffentlichung von Details jedoch die Gefahr, dass u.a. politische oder lobbyistische Einflussfaktoren den Entscheidungsprozess zu sehr verzehren könnten. Bisher kann jedes Ratsmitglied völlig objektiv und völlig ohne Druck entscheiden.

Wenn man sich nun den Fall ausmalt, dass z.B. der spanische oder portugiesische Notenbankpräsident eine objektive Entscheidung zugunsten des Euro trifft, die in der aktuellen Situation jedoch nicht förderlich für sein Land ist, kann man sich die Reaktion des Volkes oder weiterer Interessengruppen bei seiner „Rückkehr“ vorstellen. Auch Mario Draghi hat bereits ähnliches angekündigt: „Wir stehen am Anfang einer schwierigen Entscheidung (…). Die Unabhängigkeit der einzelnen Notenbankchefs darf durch die Offenlegung der Protokolle nicht gefährdet werden“.

Dieser Ansatz verspricht bisher zu mindestens Lösungsvorschläge, dessen Ansichten ich voll und ganz teile und die das Direktorium bis Herbst erarbeiten will. Jedoch ist es wichtig, dass die Sitzungen nicht von ihrem eigentlichen Zweck abweichen, welcher es sein sollte weiterhin die beste Entscheidung für die gesamte Eurozone zu treffen.

Bis dahin hoffen wir: Mehr Transparenz Herr Draghi – Ja, aber bitte nicht zu viel!

Ihr Andreas Meyer

Bildquelle: Pressefoto Europäische Zentralbank


HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here