Finanztransaktions-Steuer: Gut gedacht, schlecht gemacht – zu mindestens bisher!

0
Bildquelle: Pressefoto Bayerische Börse Aktiengesellschaft München

Die Finanztransaktionssteuer gehört sicherlich zu den größten und vor allem populärsten Eingriffen der letzten Jahre, wenn die Politik mal wieder versuchen will das Finanzmarktsystem zu regulieren.

Wie falsch sie damit vor allem bei der Ausführung jedoch liegt und am langen Ende sogar den Teil der Bevölkerung trifft, den sie damit besänftigen will würde sich leider erst zu spät zeigen.

Grundsätzlich ist eine Finanztransaktionssteuer dafür gedacht, alle Geschäfte die an der Börse – also der Kauf von Aktien, Anleihen oder Derivaten, ablaufen mit einer Steuer zu belegen. Diese soll im Fall Europas ab dem 01 Januar 2014 in Kraft treten, wird von aktuell 11 Ländern der EU unterstützt und soll 0,1% auf Aktien, Anleihen, Fondsanteile oder Geldmarktgeschäfte sowie 0,01% auf Derivate betragen.

Finanzkrise, Hilfspakete und zu hohe Banker-Boni gehörten zu den Schlagwörtern, die man hörte, als Maßnahmen gegen die Finanzbranche gefordert wurden. Somit ist es nur logisch, dass diese nun für ihr Verschulden der letzten Jahre zur Kasse gebeten werden soll. Grundsätzlich stimme ich dieser Einstellung auch zu, jedoch nur, wenn man eine Lösung findet, die auch im Endeffekt Sinn ergibt.

Die große Kritik der Finanztransaktionssteuer liegt in meinen Augen darin, dass alle Geschäfte und alle Beteiligten gleichermaßen betroffen sind. Ein Ziel der Politik hingegen ist es das sog. „High Frequency Trading“ einzudämmen, welches aktuell bis zu 40% des Handelsumsatzes in Deutschland ausmacht. In den USA sind es in der Spitze sogar bis zu 70%. Dabei handelt es sich um Computersysteme welche im Millisekunden Bereich automatisiert Handeln und die Börsen somit massiv und unkontrolliert beeinflussen können. Und hier liegt genau die Crux in der Sache. Diese großen Player mit automatisierten Handelssystemen werden ihre Trades bei Einführung einer solchen Steuer einfach über Broker im Ausland wie z.B. in London abwickeln. England, deren Finanzbranche ihr wichtigstes Standbein ausmacht, hat sich einer gemeinsamen Finanztransaktionssteuer verweigert um eben einen solchen Geldabfluss aus dem Land zu vermeiden. Kleinanleger und regionale Banken in Deutschland hingegen werden davon schwer getroffen. Ersten Studien zufolge werden allein für Privatanleger zusätzliche Kosten von bis zu 3,6 Milliarden Euro im Jahr anfallen. Diese kosten entstehen u.a. für allgemeine Wertpapierdepots jedoch auch für Kapitallebens- und Rentenversicherungen, die ihre Gelder am Kapitalmarkt anlegen müssen.

Bei Betrachtung der grundsätzlichen Idee kann einen nur das Unverständnis treffen. Wenn ein Anleger mit Hilfe eines Fondssparplans monatlich Fondsanteile kauft, würde dieser auch monatlich eine Steuer von 0,1% zahlen müssen. Der Fondsmanager, der die angesparten Summen im Portfolio verwaltet, würde ebenso bei allen Transaktionen innerhalb des Fonds besteuert, wodurch am Ende wiederum die Rendite des Anlegers gemindert wird. Auch bei der Auszahlung der Fondsanteile an den Sparer werden nochmals Steuern erhoben, sodass eine vielfache Besteuerung des Anlegers vorliegt, die wie genannt die Rendite gewaltig verringert.

Ein gutes Beispiel für das Nicht-Funktionieren dieses Systems ist Schweden, die bereits in den 80ern eine Börsenumsatzsteuer einführten. Daraufhin brach der Handel um über 85% ein worüber sich u.a. der Finanzplatz London aufgrund der Kapitalverschiebung hingegen sehr freute. Sicher ist der Finanzplatz Schweden nicht mit Frankfurt zu vergleichen, jedoch dürften ähnliche Tendenzen auch bei uns entstehen. Schlussendlich wurde die Steuer jedoch auch in Schweden im Jahre 1992 wieder abgeschafft.

Das Grundprinzip Verursacher an den Kosten der Finanzkrise zu beteiligen kann ich voll und ganz als vernünftig ansehen. Jedoch muss an der Ausführung einer solchen Steuer noch vehement gearbeitet werden. So müssten meiner Meinung nach Trades genau nach Investment und Spekulation unterschieden werden. Den Hochfrequenzhandel einzuschränken sollte dabei das Ziel sein und dies kann mit der grundsätzlichen Idee nicht erreicht werden. Glücklicherweise gibt es mittlerweile erste Ansätze von Einsicht innerhalb der Politik, welche hoffen lassen, dass am Ende doch noch die richtigen getroffen werden!

Ihr Andreas Meyer

Bildquelle: Pressefoto Bayerische Börse Aktiengesellschaft München


HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here