Telefonica Deutschland: Aus O2 und E-Plus wird ein neuer Marktführer

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Bildquelle: Pressefoto Telefónica Deutschland © O2

Die Fusionitis greift um sich: Heute gab die O2-Mutter Telefónica Deutschland (WKN A1J5RX) bekannt, den Wettbewerber E-Plus von der niederländischen Mutter KPN (WKN 890963) zu übernehmen. Mehrere Milliarden Euro und eine Beteiligung an Telefónica Deutschland liegen dabei auf dem Tisch. Während der KPN-Kurs in die Höhe schnellt, reiben sich Anleger von Telefónica Deutschland noch die Augen: Dass man Aktien vom deutschen Marktführer im Depot hat, muss man erst einmal verdauen.

Die Nachricht dürfte den bisherigen Platzhirschen Deutsche Telekom (WKN 555750) sicher wenig begeistern. Auch die bisherige Nummer zwei, der britische Telekomkonzern Vodafone (WKN A0J3PN), sieht sich künftig gemessen an der Anzahl der Kunden auf dem undankbaren dritten Platz. Doch da alle deutschen Mobilfunkanbieter zuletzt unter dem Phänomen sinkender Umsätze litten, ist die Reduzierung der Wettbewerber am Ende keine schlechte Nachricht. Der Wettbewerb dürfte eher abnehmen und höhere Preise so leichter umsetzbar sein. Dass dieses Argument bei den Wettbewerbshütern zieht – sie können die Fusion noch verhindern – darf man allerdings als eher unwahrscheinlich einstufen.

Für Anleger des TecDAX-Titels Telefónica Deutschland dürfte der heutige Tag am Ende ein guter Tag werden. Mit künftig stolzen 43 Millionen Kunden erzielt man auf Basis der 2012er Zahlen einen Jahresumsatz von 8,6 Mrd. Euro. Die Synergieeffekte nach Abzug der Integrationskosten werden dabei auf 5,0 bis 5,5 Mrd. Euro geschätzt. Vorrangig im Vertrieb, im Kundenservice und beim Netzwerk sowie in Form eines Wertzuwachses aus zusätzlichen Umsatzerlösen, soll das Synergiepotenzial liegen. In die Zukunft gerichtet, dürfte vor allem der Netzausbau das bestechenste Argument für die Fusion sein. Auf 43 Millionen Kunden umgelegt finanziert sich ein Netz eben deutlich günstiger als auf ein halb so hohe Zahl.

Einen Nachteil haben die heutigen Nachrichten jedoch für die aktuellen Anleger. Durch die notwendige Kapitalerhöhung droht sich ihr Anteil verwässern. Denn KPN erhält 3,7 Mrd. Euro in bar sowie neu auszugebende Aktien von Telefónica Deutschland. Die an KPN zu zahlende Cash-Komponente soll über eine Kapitalerhöhung der Telefónica Deutschland finanziert werden. Die spanische Mutter Telefónica (WKN 850775) wird die ausgegebenen Aktien entsprechend ihrer jetzigen Beteiligung an der Telefónica Deutschland zeichnen. Die als Gegenleistung an KPN auszugebenden Aktien sollen aus einer Sachkapitalerhöhung kommen. Am Ende werden die spanische Mutter 65,0 Prozent und KPN 17,6 Prozent an an Telefónica Deutschland halten. Der Rest verbleibt im Streubesitz.

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Für die seit nicht einmal einem Jahr notierte Aktie von Telefónica Deutschland dürfte das unverhoffte Unternehmenswachstum sehr gut sein. Durch den künftig fehlenden Wettbewerber und die bessere Tragfähigkeit von Investitionen dürfte das Unternehmen seine neue Marktposition ausbauen. Aus charttechnischer Sicht besteht derzeit zwar kein zwingender Optimismus. Immerhin hat sich die Aktie nur zeitweise deutlich vom Emissionspreis wegbewegt – Potenzial ist also noch bzw. wieder vorhanden. Doch bis letztlich vollumfänglich abzusehen ist, wie die Fusion wirkt, wird noch einige Zeit vergehen. Ein Abschluss der Transaktion wird erst Mitte 2014 erwartet. Von daher heißt es Geduld haben. Dennoch könnte sich die am Ende auszeichnen…

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Bildquelle: Pressefoto Telefónica Deutschland © O2


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