Wenn eine ganze Stadt Pleite geht

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Bildquelle: Fotolia/ suzannmeer

Der Wandel der Welt lässt sich normalerweise nur auf längere Zeiträume beobachten. Selten gibt es konkrete Ereignisse, die etwa den Strukturwandel in einer Region, verdeutlichen. Doch für die Automobilstadt Detroit im Norden der USA gibt es ein solches Ereignis: Am späten Donnerstag hat die Stadt offiziell Konkurs angemeldet.

US-Kommunen können Konkurs anmelden

Was für Unternehmen ja durchaus in der ganzen Welt Usus ist, wird in den USA auch auf Kommunen angewandt. In Deutschland gibt es zwar auch die ein oder andere Gemeinde, die entsprechend Pleite ist, aber hierzulande wird ein solcher Schritt durch Nothaushalte technisch verdeckt. Doch zurück an den Detroit River, der die beiden großen Seen Lake St. Clair und den Eriesee mit einander verbindet:

In den 1950er Jahren war Detroit mit knapp 2 Millionen Einwohnern einmal die viertgrößte Stadt in den USA. Knapp 60 Jahre später sind davon nur noch etwas mehr als 700.000 Einwohner übrig geblieben. Eine solche Abwanderung sucht weltweit sicher seinesgleichen, hat aber nachvollziehbare Gründe.

Eine Branche verändert sich

Als Herzkammer der amerikanischen Automobilindustrie wurde die Stadt groß. Das legendäre Model T von Ford wurde hier produziert. Die Folge des Booms war eine beispiellose Zuwanderung aus aller Herren Länder. Aus Detroit wurde im Volksmund die Motor Town.

Dieser Name diente unter der Abkürzung Motown auch als Titel eines der bekanntesten Plattenlabels der US-Geschichte. So fulminant der Aufstieg Detroits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verlief, so dramatisch fiel auch der Abstieg ab den 1970er Jahren aus. Die Autoherstellung verlangte aufgrund der wachsenden Automatisierung immer weniger Arbeitskräfte.

Zudem stieg der Import von ausländischen Fahrzeugen immer mehr an und vernichtete so weitere Arbeitsplätze. Doch es gab auch hausgemachte Probleme der Branche. Durch die starke Macht der US-Gewerkschaften im Automobilsektor stiegen die Personalkosten immer mehr an. Die Autobauer machten dies lange mit, bevor sie begonnen auch anderswo Autos zu bauen. Das ist übrigens auch einer der Gründe für die Probleme der US-Autoindustrie im vergangenen Jahrzehnt. Mein Fazit:

Der Zeitenwandel, der sich nun in Detroit vollzieht, ist dramatisch für viele Menschen. Doch auch die Verkleinerung einer Stadt muss möglich sein. Was nun auf die Bevölkerung zukommt, ist die Konzentration aufs wesentlich – ähnlich einem insolventen Unternehmen.

Und vielleicht blüht Detroit in 20 Jahren ja wieder mit einem ganz anderen Wirtschaftsmix. Erfolgreiche Unternehmen brauchen für solche Wandlungen keine Insolvenz. Der „Umbau“ passiert quasi unter laufendem Betrieb.

 

Stand: 19.07.2013/ Ein Gastkommentar von Jochen Appeltauer, Chefredakteur Aktien-Ausblick
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Bildquelle: Fotolia/ suzannmeer 


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