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E.ON verkauft Stadtwerke-Tochter Thüga an Stadtwerke-Bündnis

Heute wurde es nun offiziell verkündet: E.ON hat sich mit den Interessenten über die wirtschaftlichen Grundzüge des Verkaufs ihrer Stadtwerketochter Thüga geeinigt. Käufer sind wiederum die betroffenen Stadtwerke selbst, die sich im Erwerberkonsortium Integra/KOM9 zusammengeschlossen haben. Dahinter verbirgt sich in Zusammenschluss aus enercity (das ist der Markenname der Stadtwerke Hannover), der Frankfurter Mainova AG, der Nürnberger N-ERGIE Aktiengesellschaft und der KOM9 GmbH & Co. KG, die sich wiederum aus mehr als 45 Stadtwerken zusammensetzt. Allerdings bleibt die Thüga (deren Name auf die Thüringer Gas AG zurückgeht, mehr zur Geschichte bei Wikipedia) nicht ganz in ihrer bisherigen Struktur. Denn die Thüga-Beteiligungen an der GASAG Berliner Gaswerke AG (37 Prozent), an der HEAG Südhessische Energie AG (40 Prozent), an den Stadtwerken Duisburg (20 Prozent) sowie an den Stadtwerken Karlsruhe (10 Prozent) werden an die Konzerntochter E.ON Ruhrgas übertragen um dann von dort separat verkauft zu werden. Der Kaufpreis für die „verkleinerte“ Thüga wurde mit 2,9 Mrd. Euro angegeben.

Die Käuferschar ist dabei sehr heterogen. Während die Integra-Partner enercity, Mainova und N-ERGIE jeweils 20,75 Prozent an Thüga übernehmen, gehen die restlichen 37,75 Prozent an die KOM9-Gruppe. Wichtig für die Frage, wer künftig Herr im Hause ist, dürfte die Tatsache sein, dass die Integra-Partner per Konsortialvertrag miteinander verbunden sind. Daneben wurde zwischen dem Integra- und dem KOM9-Konsortium eine Aktionärsvereinbarung geschlossen. Da wiederum eine Zerschlagung der Thüga derzeit kein Thema ist, dürfte schon jetzt ein gewaltiger Abstimmungsbedarf in der gemeinsam verantworteten Geschäftspolitik abzusehen sein, denn die Thüga-Beteiligungen sind keine Mehrheitsbeteiligungen. Ein Mehr an Entscheidungsfreiheit bzgl. ihres Tagesgeschäfts vor Ort dürfte also für die wenigsten beteiligten Stadtwerke wirklich eintreten. Dazu ist die Schar der Beteiligten einfach zu groß.

An dieser Stelle lohnt sich auch einmal ein Blick auf die KOM9-Gruppe (die Seite befindet sich wohl noch im Aufbau), die vom Freiburger Versorger Badenova angeführt wird. Die Partner werden leider nicht vollständig aufgeführt. Es handelt sich aber wohl um kommunale Versorger aus der gesamten Republik. Zu den Zielen der Gruppe heißt es:

Die Partner verbindet das gemeinsame Ziel, nachhaltige Lösungen für die energiepolitischen Herausforderungen der Zukunft zu finden und vor Ort umzusetzen. So sollen dezentrale Strukturen gestärkt und das Netzwerk der Stadtwerke und regionalen Energieversorger zukunftsweisend und kundennah ausgebaut werden.

Was davon angesichts der Beteiligungshöhe aber wirklich umgesetzt werden kann, ist fraglich. So wird das Thema Energie in Freiburg ganz anders angegangen als bspw. auf Sylt. Hinsichtlich der lebhaften Diskussionen vor Ort sei beispielhaft auf das Blog Orangenfalter aus Freiburg verwiesen.

Die aus Freiburg stammende Bürgergruppierung „Energie in Bürgerhand“ scheint mit ihrer Genossenschaftsidee und einer millionenschweren Beteiligung gescheitert zu sein. Laut Badischer Zeitung, die sich auf Badenova-Vorstandssprecher Thorsten Radensleben beruft, könne die Initiative angesichts des aktuellen Verhandlungsstands aufgrund fehlender Informationen nicht am angestrebten Thüga-Kauf beteiligt werden. Allerdings sei ein späterer Einstieg nicht ausgeschlossen. Heute heißt es in der Badischen Zeitung dazu: „Die Initiative „Energie in Bürgerhand“ kommt laut Radensleben als künftiger Partner in Frage, um das angestrebte Wachstum der Thüga zu finanzieren.“ Man darf also gespannt sein, wie sich das ganze weiter entwickelt.

Als Ergänzung sei noch auf zwei interessante Artikel verwiesen:

Kommunen erobern Energieversorgung zurück (FAZ)

Energierebellen auf Einkaufstour (FTD)

Ein Punkt, der immer wieder auftaucht, ist die nun erreichte neue Unabhängigkeit der Stadtwerke von E.ON bzw. den anderen drei großen Energiekonzernen RWE, EnBW und Vattenfall. Diese existiert, wenn überhaupt, nur auf der Verbraucherseite, wo die Kommunen nun unabhängiger handeln können. Bei der Erzeugung ist das Bild allerdings nach wie vor unverändert. Die vier Energiekonzerne vereinen weiterhin eine Mehrheit der Stromerzeugungskapazitäten. Lediglich über die Ausnutzung der Käufermacht könnte der Wettbewerb ein klein wenig mehr voran kommen. Allerdings sind beim Strompreis viele Preiselemente nur durch die Politik veränderbar.


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