Deutsche Post: Wettbewerber wollen Bund zu Verkauf der Restanteile drängen – wohl vergebens

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Bildquelle: Pressebild Deutsche Post AG

Die Aktie der Deutschen Post (WKN 555200) ist bekanntlich eine der besseren Anlagen im DAX – wir schrieben des öfteren darüber. Diese gute Kursperformance wollen die Wettbewerber nun dazu instrumentalisieren, dass der Bund als Großaktionär aus der Deutschen Post aussteigt. Doch für den Bund gibt es eigentlich keinen Grund dazu – Kleinaktionäre dürfen also beruhigt sein.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung fordern der Bundesverband Briefdienste (bbd) und der Bundesverband Internationaler Express- und Kurierdienste e.V. (BIEK) eine zügige Vollprivatisierung der Deutschen Post. Die Verbandspräsidenten Walther Otremba (bbd) und Gunnar Uldall (BIEK) liesen darin erklären: „Es ist absolut kein Grund mehr gegeben, weshalb der Bund weiterhin ein Aktienpaket an der DP / DHL halten soll. Das Unternehmen beschäftigt über die Hälfte der Mitarbeiter im Ausland, ist wirtschaftlich gesund und seine Dienstleistungen werden in gleicher Weise von vielen Wettbewerbern angeboten.“ In den genannten Verbänden sind so gut wie alle nennenswerten Wettbewerber der Deutschen Post versammelt.

Man merkt dass Wahlkampf ist und sich auch die Wirtschaft in Stellung bringt. Denn für die Erlöse aus dem Verkauf der Post-Anteile haben die Verbände gleich schon Ideen: Investitionen in Infrastruktur (z.B. Straßen oder Hochwasserschutz) – und wer mag ihnen dabei wiedersprechen? Wohl niemand. Immerhin würde die Platzierung der bei der KfW verbliebenen Postaktien über 5 Mrd. Euro einbringen. Auch wenn der größte Teil hiervon bei der vorfinanzierenden KfW verbliebe, könnte der Bund noch mit einem Überschussanteil von bis zu 500 Mio. Euro rechnen.

Soweit so gut. Doch am Ende kommt eben doch durch, worum es den Verbänden wirklich geht: „Mit der Vollprivatisierung der Post müsste der Bund auch seine Vertreter aus dem Aufsichtsrat zurückziehen und alle Sonderstellungen der DPAG abbauen, insbesondere bei der Mehrwertsteuer und bei der Herausgabe der „amtlichen“ Briefmarken durch den Bundesfinanzminister.“ Am Ende geht es also um das Schleifen der Altprivilegien. Doch muss nach wie vor sichergestellt sein, dass auch im letzten Dorf noch Postdienstleistungen angeboten werden. Wenn das die Wettbewerber vertraglich zusichern (ohne Aufpreise versteht sich), dann soll der vollständige Wettbewerb ruhig kommen. Letztlich wird es aber wohl am Bundesfinanzminister scheitern, der keine Einmalerlöse brauchen kann, sondern an kontinuierlichen Erlösen interessiert ist.

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Für die Deutsche Post-Aktie wäre ein Eigentümerwechsel kein Problem – sofern er nicht über einen zweiten Börsengang geschähe. Doch ob sich derzeit wirklich jemand findet, der 5 Mrd. Euro für den Anteil des Bundes locker macht? Die Wettbewerber fallen aus wettbewerbsrechtlichen Gründen wohl raus. Blieben noch Finanzinvestoren, doch die finden woanders sicher lukrativere Projekte. Also bleibt wohl alles erstmal beim alten. Die Post-Aktie befindet sich im stabilen Aufwärtstrend. Fundamental ist der Titel mit einem 2014er KGV von 12 zwar nicht mehr ganz billig, aber dafür erhält man eine Dividendenrendite von 4 Prozent. So manch Halteposition hat schon schlechter ausgesehen.

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Bildquelle: Pressebild Deutsche Post AG


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