Die Deutsche Börse enttäuscht – die Lage (am Finanzmarkt) ist eben doch nicht so rosig

0

Manch ein Anleger fiel gestern aus allen Wolken, als er sich die Zahlen der Deutschen Börse anschaute. Laut Pressemitteilung sank der Umsatz um 12 Prozent auf 515,6 Mio. Euro und die Nettozinserträge aus dem Bankgeschäft verringerten sich um 56 Prozent auf 25,9 Mio. Euro. Trotz der jüngsten weltweiten Kurs-Rallye läuft es also keineswegs rund beim führenden deutschen Börsenbetreiber. Beim Ergebnis kommt dann noch mehr Ernüchterung auf: Das EBITA sank um 34 Prozent auf 248,8 Mio. Euro. Der Konzern-Periodenüberschuss belief sich auf 164,9 Mio. Euro und lag damit um 34 Prozent unter dem Vorjahreswert. Allerdings sind darin die positiven Auswirkungen einer reduzierten Steuerquote gegenüber 2008 berücksichtigt. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie ist von 1,30 Euro auf 0,89 Euro zurückgegangen.

Der heutige Kursrutsch von zeitweise mehr als 7 Prozent ist also Ausdruck eines Erkenntnisgewinns bei vielen Anlegern, die bisher den Markt besser gesehen hatten, als er war. Schaut man sich dazu die Handelszahlen an – zuletzt die vom Juli: Ein Rückgang der Orderbuchstatistik um 55 Prozent auf 90,4 Mrd. Euro zeugt nicht gerade von einer neuen Hausse oder einer substantiellen Erholung der Märkte. Man sieht: auch an der Börse schlägt die Krise voll durch. Es sind eben noch längst nicht alle Teilnehmer am Markt zurück. Das ganze System läuft quasi auf Halber Flamme. Einige wenige Anleger treiben aus Angst die (nicht vorhandene) Erholung zu verpassen, die Kurse weiter nach oben und ziehen so weitere „unbedarfte“ Anleger nach. Die Profis lehnen sich zurück und stoßen ihre Papiere nach und nach mit deutlichen Gewinnen ab. Aber die Schar dieser Anleger sinkt von Tag zu Tag. Die Veröffentlichung von wenig überzeugenden Konjunkturdaten, wie heute etwa zum US-Arbeitsmarkt, zwängen dann wieder die Kurse in die Knie. Man kommt sich allmählich vor wie auf einem Holzgerüst in 100 Meter Höhe. Es wackelt bereits ohne Ende und beim Weiterbau fällt man regelmäßig nach unten, aber nie soweit, dass es weh tut. Irgendwann jedoch hält der Boden nicht mehr und das ganze Gerüst rutscht in sich zusammen. Bis zu diesem Zeitpunkt werden die Charttechniker aber von einem soliden Aufwärtstrend sprechen…wetten?


HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here