Verbund: Auch in Österreich leidet man unter der deutschen Energiewende

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Bildquelle: Pressefoto © VERBUND

Die Energiewende sorgt bei den heimischen Versorgern E.ON (WKN ENAG99) und RWE (WKN 703712) ja bekanntermaßen für große Probleme (siehe u.a. hier). Dass die Probleme aber auch auf unsere Nachbarn durchschlagen, hätte dort wohl kaum jemand gedacht. Der österreichische Branchenprimus Verbund (WKN 877738) hat sich jedenfalls anlässlich eines Analystentags in London entsprechend geäußert.

Vor allem die flexiblen Gaskraftwerke machen Verbund das Leben schwer. Aufgrund ihrer immer selteneren Einsätze werden sie schlicht unrentabel – ein Problem, der wohl auch in Deutschland noch für große Diskussionen sorgen wird. Bei Verbund liest sich das dann so:

Die Rahmenbedingungen für Stromversorger in Europa haben sich in den vergangenen Wochen weiter verschlechtert. Die Großhandelspreise für Strom bleiben anhaltend unter Druck. Dies resultiert vor allem aus der mit öffentlichen Mitteln gestützten massiven Überförderung der neuen erneuerbaren Energien in Kombination mit einem nicht funktionierenden CO2-Markt. Diese Faktoren sowie langfristige, überhöhte und an den Ölpreis gebundene Gaslieferverträge führen dazu, dass Gaskraftwerke wirtschaftlich massiv unter Druck stehen.

Die Folgen sind so verhersehbar wie klar für ein privatwirtschaftliches Unternehmen: Verbund kürzt sein Investitionsprogramm um weitere 300 Mio. Euro bis 2017 auf 1,2 Mrd. Euro, leitete Kostensenkungen in kumulierter Höhe von 130 Mio. Euro für die Jahre 2013 bis 2015 in die Wege und hat Desinvestitionen in der Höhe von rund 900 Mio. Euro durchgeführt.

Bei den genannten Gaskraftwerken führt das schlechte Marktumfeld zu Werthaltigkeitsprüfungen, die einen erheblichen, aber nicht cash wirksamen Wertberichtigungsbedarf zur Folge hatten. Im Gasbereich müssen die Gas-Kombikraftwerke in Österreich und Frankreich um insgesamt 659 Mio. Euro sowie die Beteiligung an der Sorgenia S.p.A. (Group) um 371 Mio. Euro wertberichtigt werden. Zusätzlich müssen weitere Abwertungen im Bereich der erneuerbaren Energien und im Beteiligungsbereich in Höhe von 96 Mio. Euro durchgeführt werden.

Dies bleibt auch nicht ohne Folgen für das Ergebnis. So erwartet Verbund für das Geschäftsjahr 2013 ein EBITDA von mind. 1,15 Mrd. Euro (–7 Prozent im Vergleich zu 2012) und ein Konzernergebnis von mind. 600 Mio. Euro (+54 Prozent im Vergleich zu 2012). Der Anstieg im Konzernergebnis ist dabei Einmaleffekten aus Asset Swaps mit E.ON geschuldet. Im Rahmen dieser Transaktion verkaufte Verbund den 50-Prozent-Anteil an der türkischen Enerjisa Enerji A.S. an E.ON und erwarb im Gegenzug E.ON-Anteile an acht Laufwasserkraftwerken in Deutschland. Dies führt, neben dem Entfall von geplanten Investitionen in die Türkei, zu sofortigen laufenden Cash-Zuflüssen und zu erheblichen positiven Einmaleffekten im Halbjahresergebnis in Höhe von ca. 1,3 Mrd. Euro. D.h. ohne diesen Einmaleffekt würde Verbund einen Verlust ausweisen.

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Ein Blick auf den Kursverlauf macht deutlich: Auch in Österreich hat man mit Versorgern nur begrenzt Spass. Immerhin bietet die Aktie eine Dividendenrendite von 6,3 Prozent, nachdem das Management plant, für das Jahr 2013 eine Dividende von 1 Euro je Aktie auszuschütten. Richtiges Kurspotenzial bietet die Aktie dennoch nicht, auch wenn das Unternehmen als größter Wasserkrafterzeuger Europas eigentlich klar zu den Gewinnern der Energiewende zählen müsste.

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  1. […] Bis zuletzt hatte die Fangemeinde von Apple (WKN 865985) gehofft, dass Konzern-Chef Tim Cook zur Eröffnung der hauseigenen Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco am Montagabend doch noch mit einer sensationellen Hardware-Präsentation aufwarten würde. Allerdings blieben die großen Überraschungen aus. Trotzdem zeigte der Apfelkonzern, dass er längst nicht gewillt ist, das Feld den aufstrebenden Konkurrenten Google (WKN A0B7FY) und Samsung (WKN 888322) kampflos zu überlassen. Mehr dazu hier. Der Aktienkurs des weltgrößten Lebensmittelherstellers Nestlé (WKN A0Q4DC) befindet sich seit Anfang April auf dem Rückzug. Seitdem verlor das Papier nun schon rund 13 Prozent an Wert. Dabei zeigten sich die Anleger unter anderem von nicht gerade überzeugenden Umsätzen des Konzerns im ersten Quartal enttäuscht. Während eine Nachfrageschwäche in Europa aufgrund der Euro-Krise zu erwarten war, konnte Nestlé zwischen Januar und März aber auch in Asien nicht mehr so stark zulegen wie zuletzt. Zudem müssen sich die Schweizer zukünftig mit namhafter Konkurrenz auf dem lukrativen Markt für Kaffeekapseln herumschlagen. Daher kommt die Frage auf: Lohnt jetzt schon der Einstieg? Die Energiewende sorgt bei den heimischen Versorgern E.ON (WKN ENAG99) und RWE (WKN 703712) ja bekanntermaßen für große Probleme (siehe u.a. hier). Dass die Probleme aber auch auf unsere Nachbarn durchschlagen, hätte dort wohl kaum jemand gedacht. Der österreichische Branchenprimus Verbund (WKN 877738) hat sich jedenfalls anlässlich eines Analystentags in London entsprechend geäußert. Vor allem die flexiblen Gaskraftwerke machen Verbund das Leben schwer. Mehr dazu hier. […]

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