Gamigo – spielender Erfolg mit der Mittelstandsanleihe?

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Aufbaustrategie-Spiel "Cultures Online"

Das Thema Mittelstandsanleihen ist ja nicht mehr so ganz neu. Nachdem zuletzt vor allem Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien damit Furore machten und zum Teil negativ aufgefallen sind, versuchen auch immer mehr klassische Mittelständler über diesem Weg Geld am Kapitalmarkt einzusammeln. Ganz aktuell ist hier nun auch die Gamigo AG aktiv. Der Anbieter von kostenlosen Onlinespielen ist bereits seit mehr als einem Jahrzehnt am Markt aktiv und blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Mit der aktuell angebotenen Mittelstandsanleihe (WKN A1TNJY) sollen vor allem das weitere Wachstum und Akquisitionen finanziert, sowie die Rückführung von Verbindlichkeiten angegangen, werden.

Seit der Gründung auf dem Höhepunkt des Internethypes im Jahre 2000 hat Gamigo einen steilen Aufstieg von einem Onlinemagazin für PC- und Konsolenspiele zu einem der führenden Anbieter von Free-to-Play Onlinespielen in Europa hingelegt. Die frühere 100-Prozent-Tochter der Axel Springer AG gehört mittlerweile dem Düsseldorfer Investor Samarion. Dessen Vorstand Remco Westermann ist übrigens auch Vorstand von Gamigo. In Hamburg und San Francisco beschäftigt Gamigo rund 80 fest angestellte Mitarbeiter.

Aufbaustrategie-Spiel
Aufbaustrategie-Spiel „Cultures Online“

Das Unternehmen bietet ein breit aufgestelltes Spiele-Portfolio von derzeit 10 aktiven Online Games an, das viele Genres und unterschiedliche Altersschichten abdeckt. Zudem befinden sich mehrere neue Games in der Pipeline. Laut eigenen Angaben sind bereits über 10 Millionen Spieler bei Gamigo registriert. Allesamt sind die Spiele sogenannte Massive Multiplayer Online Games (MMOG), auf deutsch: Massen-Mehrspieler-Online-Gemeinschaftsspiele. Dazu gehört zum Beispiel das klassische Aufbaustrategie-Spiel „Cultures Online“. Im typischen Grafikstil solcher Games bauen Spieler ihr eigenes kleines Dorf auf, wobei sie im Fall von „Cultures Online“ zwischen Wikingern und Asiaten als Volk wählen können. Helden werden eingesetzt, um die Produktivität der Arbeiter zu steigern oder Raubzüge in ferne Länder zu unternehmen. Als Beute winken Erfahrungspunkte, Gold und Ausrüstungsgegenstände, die wiederum positiv auf den Erfolg des eigenen Volkes wirken.

„Sportsimulation Golfstar“

Mit „Golfstar“ hat Gamigo auch eine Sportsimulation im Programm. Auf sechs Golfkursen mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden widmen sich bis zu 30 Spieler gleichzeitig dem Online-Golfen. Das neueste Spiel von Gamigo ist das taktische Browsergame „UFO Online: Fight For Earth“. Es befindet sich noch in der Beta-Testphase. Wie der Name verrät geht es dabei um den Kampf zwischen der Menschheit und Aliens um die Erde. Dabei treten Spieler einer Fraktion von Rettern bei und bauen einen Stützpunkt auf, der als Zentrale für den Freiheitskampf dient. Durch das Anheuern und Ausbilden von Söldnern sowie die Erforschung neuer Technologien und Waffen versuchen die Spieler in rundenbasierten, taktischen Kämpfen die Aliens zu bekämpfen.

Fantasy-Rollenspiel „Last Chaos“

Nach den Produkten lohnt sich nun auch einen Blick auf das Unternehmen. Um Jahr 2012 erzielte Gamigo Umsatzerlöse von 14,9 Mio. Euro und einen Jahresüberschuss von 0,88 Mio. Euro. Im Vorjahr hatte das Unternehmen bei Umsätzen von 23,1 Mio. Euro einen Verlust von 2,52 Mio. Euro erzielt. Der Verlust 2011 hat aber vor allem mit dem nun aufgegebenen Bereich Spielentwicklung zu tun. Mittlerweile besteht das Geschäftsmodell aus dem simplen Erwerb von Lizenzen für Online-Spiele und deren Vermarktung. Grundsätzlich sind die Spiele dabei kostenlos. Geld verdient Gamigo erst durch den Verkauf von zusätzlichen Features innerhalb der Spiele. Im Falle von „Golfstar“ etwa durch spezielle Schlägersets oder sonstiges Zubehör. Dabei führen zwischen 5 und 10 Prozent aller registrierten Gamer typischerweise Zahlungstransaktionen durch. Im Fall des erfolgreichen Fantasy-Rollenspiels „Last Chaos“ werden rund 80 Prozent des Umsatzes von Gamern, die länger als 1 Jahr und über 40 Prozent von Gamern, die über 3 Jahre dabei sind, generiert. Der Spitzenreiter unter den derzeit aktiven Games wurde 2008 eingeführt und hat in den Sprachen deutsch, französisch, spanisch, italienisch und polnisch insgesamt 4,2 Millionen Accounts.

Im Zuge der nun angebotenen Anleihe soll vor allem das weitere Wachstum finanziert werden. Organisch wachsen will Gamigo v.a. durch den Ausbau des Spieleportfolios, die regionale Ausweitung der bisherigen Lizenzen und verstärkte Marketingaktivitäteb. Daneben werden aber auch Übernahmen im Bereich MMOG und Mobile (also Games auf dem Smartphone) angepeilt. Die Rückführung von Darlehensverbindlichkeiten ist ebenfalls geplant.

Die Zeichnungsfrist der 15-Mio.-Euro-Anleihe hat bereits begonnen und soll am 18. Juni 2013 enden. Bei starker Nachfrage (Es besteht zudem eine Aufstockungsmöglichkeit auf 25 Mio. Euro) ist eine vorzeitige Schließung der Zeichnung möglich. Die Gamigo-Mittelstandsanleihe bietet eine Verzinsung von 8,5 Prozent p.a. Die Zinsen werden nachträglich vierteljährlich am 1. Juli, 1. Oktober, 1. Januar und 1. April eines Jahres gezahlt, wodurch sich für die Anleihe ein effektiver Zinssatz von ca. 8,775 Prozent pro Jahr ergibt.

Die erste Zinszahlung wird bereits am 1. Juli 2013 erfolgen. Die Anleihe läuft fünf Jahre bis zum 19. Juni 2018. Wichtig für Anleger: Die Mindeststückelung liegt bei 1.000 Euro. Nach der eigentlichen Emission am 20. Juni 2013 besteht im Entry Standard der Frankfurter Börse die Möglichkeit zum börsentäglichen Handel.

Ein weiteres Detail, was nicht unwichtig ist: Sollte es Gamigo in den kommenden Jahren gelingen deutlich früher die Anleihe zurückzuzahlen, so ist dies möglich. Eine vorzeitige Rückzahlung der Anleihe ist zum 30. Juni 2016 sowie zum 30. Juni 2017 möglich – aber nur zu deutlich über dem Ausgabepreis liegenden Kursen von 103 Prozent (2016) sowie zu 101,5 Prozent (2017).

Der rechtlich maßgebliche Wertpapierprospekt ist kostenfrei erhältlich über www.gamigo-anleihe.de oder über die gamigo AG, Behringstraße 16b, 22765 Hamburg.

Fazit: Alles in allem ein interessantes Unternehmen, mit offenbar mehr Erfolg als der zuletzt schlagzeilenträchtige US-Konkurrent Zynga. Allerdings sind die Risiken, wie man am hohen Zinssatz der Anleihe sieht, nicht weg zu diskutieren. Wer sich für klassische Mittelstandsanleihen interessiert, ist bei Gamigo sicher nicht an der richtigen Adresse. Stattdessen ist das Papier eher etwas für risikobewußte IT-affine Anleger.

Allzuviele Möglichkeiten neben noch riskanteren Venture Capital-Angeboten hat man schließlich hierzulande nicht. Die attraktive Rendite dürfte sicher den einen oder anderen anlocken. An dieser Stelle sei auch auf das Research-Ergebnis von GBC verwiesen. Generell ist noch zu sagen, dass man bei Gamigo offenbar verstanden hat, dass potenzielle Investoren im Netz zu finden sind – sonst hätte die Werbekampagne zur Anleihe sicher anders ausgesehen. In den kommenden Jahren wird es spannend sein, zu beobachten, ob Gamigo die gute Marktstellung in Deutschland und Europa auch in der Zukunft halten kann. Der an sich schnelllebige Spielemarkt lebt, wie oben beschrieben, von dauerhaft engagierten Spielern und ob die an Bord bleiben, hängt von der Innovationskraft des Spieleanbieters ab. Bisher sieht es hier bei Gamigo aber gut aus. Und vielleicht wagt die AG selbst ja irgendwann einmal auch den Sprung aufs Parkett.

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Bildquellen: Gamigo AG


1 KOMMENTAR

  1. Ich hoffe nicht das diese Anleihe zum Untergang von Gamigo führt. Warum? Wenn man sich das letzte ausgewiesene EBIT anschaut und dann die potentiellen Zinszahlungen betrachtet die für die neue Anleihe fällig werden, dann kommt man zu einem erstaunlichen Ergebnis. Daher würde ich diese Anleihe, nach den aktuellen Zahlen, als hochspekulativ einordnen.

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