Wochenrückblick KW 20: DAX-Rekorde und die Mär von der attraktiven Commerzbank

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Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse

Der DAX machte vergangene Woche mal wieder mit neuen Rekorden von sich Reden. Man kann dazu stehen wie man will – er dominiert damit die Stimmungslage vieler Anleger. Und über die Bedeutung von Performance- und Kursindizes hatte ich ja im letzten Wochenrückblick schon geschrieben.
Geht man nach dem Interesse der Mehrzahl der Anleger, war die Commerzbank-Aktie (WKN CBK100) mal wieder das meist gesuchte und interessantes Papier – eigentlich wenig verständlich, angesichts der Mär von der attraktiven Coba. Durch die Kapitalerhöhung hat sich der Aktienkurs wieder einmal nach unten bewegt. (Alt-)Aktionäre blicken erneut auf ein verwässertes Desaster in ihrem Depot. Für einen Neueinstieg ist es indes ebenfalls zu früh – keiner weiß, ob das Geld diesmal reicht oder was in drei Monaten passiert. Die Sanierung ist nach wie vor in vollem Gang – Ausgang offen. Und welche Auswirkungen die nun vom Bundestag beschlossene Trennung von Investment- und Geschäftskundengeschäft bedeutet, ist ebenfalls noch nicht abzusehen. Und selbst aus charttechnischer Sicht kann man nur sagen: Das muss blinde Liebe sein, wenn man hier investiert.

Der DAX und sein Chart

Nach dem Spurt auf einen neuen Rekordstand zeigt der DAX auch weiterhin kein Anzeichen von Schwäche und markiert fast täglich neue Höchstkurse. Mittelfristig weiter steigenden Notierungen steht aus charttechnischer Sicht nichts im Wege. Einen Rücksetzer sollte man nach dem Anstieg der letzten Wochen aber auf dem Zettel haben. Eine kleine Korrektur droht erst bei einem Rutsch unter das Zwischentief dieser Woche (8.217). Mehr dazu in unserem Ausblick DAX.

Einzeltitel aus Deutschland

Nachdem die Aktie der Deutschen Telekom (WKN 555750) seit einigen Jahren fast ausschließlich Prügel bezieht, werden sich viele Anleger angesichts des jüngsten Kurssprungs des im DAX notierten Papiers verwundert die Augen gerieben haben: Immerhin konnte die Aktie in den vergangenen sechs Wochen fast ein Viertel an Wert zulegen. Zwar dürfte damit das Ausrufen einer generellen Trendwende sicherlich verfrüht erscheinen, allerdings gibt es neben den allgemeinen Negativschlagzeilen rund um die geplante Volumenbegrenzung für Internetzugänge und die schrumpfenden Umsätze auch einige Lichtblicke, die auf bessere Zeiten hoffen lassen. Mehr dazu hier.
Immmer wieder taucht die Frage auf, welche der beiden deutsche Energieriesen E.ON (WKN ENAG99) und RWE (WKN 703712) die bessere Aktie hat. Zuletzt sahen wir E.ON etwas im Vorteil, doch nach den Zahlen zum ersten Quartal scheint sich der Spieß umgedreht zu haben.
„Aktien der Deutschen Post (WKN 555200) hast Du im Depot? Diesen Langweiler?“ Quasi ein Frage-Klassiker unter Privatanlegern. Noch vor Jahren. Als dieser ehemals Staatsbetrieb zwar an der Börse war, aber das Unternehmen immer noch diesen Stallgeruch von Staat hatte. Das ist wohl vorbei. Die lieben Brief-, Paket und sonstige Zusteller verdienen richtig gut Geld. Ein Blick auf die Aktie der Deutschen Post haben wir hier geworfen.
Gute Nachrichten gab es vergangene Woche von K+S (WKN KSAG88) in Form der Zahlen zum ersten Quartal. Zudem bekräftigte der Dünger- und Salzkonzern dabei seinen Ausblick, was die zuletzt negativen Meldungen in Sachen Legacy-Projekt mehr als ausgleicht. Der jüngste Kursanstieg macht dies deutlich und könnte aufgrund dieser Meldungen fortgesetzt werden, wie wir meinen.
Gute Nachrichten für Anleger mit dem Stern: Am Mittwochabend hat der Stuttgarter Automobilhersteller Daimler (WKN 710000) die langersehnte Neuauflage seines Flagschiffs S-Klasse vorgestellt. Nach den ersten Analysen hat das Premiummodell durchaus das Potenzial den unter Druck stehenden Autobauer in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Damit dürfte auch die Aktie wieder Vollgas geben können.
Beim IT-Dienstleister CANCOM (WKN 541910) stand der Drei-Monatsbericht 2013 zur Veröffentlichung an. Zudem ist die Aktie nun seit rund elf Monaten im Technologieindex TecDAX enthalten. Ein Grund die Aktie wieder einmal näher zu betrachten. Mehr dazu hier.
Für Fans von Trendaktien ist der Zahlungsabwickler Wirecard (WKN 747206) ein Musterbeispiel. Die Aktie aus dem TecDAX steigt von einem Hoch zum Nächsten. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dabei ein Kursplus von rund 60 Prozent im Raum! In der vergangenen Woche folgten gute Zahlen zum ersten Quartal, wobei auch der Jahresausblick bekräftigt wurde.
Die jüngste Kursentwicklung von SAF-Holland (WKN A0MU70) macht Anlegern immer mehr Freude. Wir hatten den Hersteller von Produktsystemen und Komponenten für Trailer und Nutzfahrzeuge bereits vor einem halben Jahr in unserer Reihe Aktien 2013 als lohnend vorgestellt – zurecht wie sich zeigt. Aktuell macht sich der Titel auf in Richtung des Hochs vom Frühjahr 2011. Damals hatte der Kurs eine 9 vor dem Komma. Mehr dazu hier.

Internationale Einzelwerte

Bei den südlichen Nachbarn Österreich und Schweiz dominierte in der vergangenen Woche die Berichtssaison. Die Nachrichtenlage beim Schweizer Zementhersteller Holcim (WKN 869898) hat sich durch die Veröffentlichung der Zahlen zum ersten Quartal nur bedingt gebessert. Wie wir Ende Februar bereits schrieben, steht und fällt das Erfolgsmodell mit den Schwellenländern. In den vergangenen Monaten war hier vor allem Indien schwach, weshalb auch der Kurs zuletzt negativ tendiert. Im langfristigen Trend ist die Aktie von Holcim aber noch stabil nach oben unterwegs.
Der Schweizer Energie- und Automationstechnikkonzern ABB (WKN 919730) machte in den letzten 14 Tagen wenig positive Schlagzeilen. Erst kündigte Konzernchef Joe Hogan aus familiären Gründen seinen Rückzug an. Dann folgte mit derselben Begründung Forschungschef Prith Banerjee. Doch während Banerjee bereits in den nächsten Wochen zurück in die USA geht, bleibt Hogan noch bis ein Nachfolger gefunden wurde. Trotz der großen personellen Veränderungen bliebt man an der Börse ruhig – ein gutes Zeichen, wie wir meinen.
Die Euro-Krise und die vor allem in Südeuropa damit verbundene Kaufzurückhaltung der Konsumenten machten sich im ersten Quartal nun auch beim österreichischen Karton- und Verpackungskonzern Mayr-Melnhof (WKN 890447) bemerkbar. Aufgrund des schwachen Jahresauftakts und der anhaltend schwierigen Marktsituation in Europa zeichnete das Management für den weiteren Geschäftsverlauf ein eher trübes Bild.
Aus Wien kamen zudem vergangene Woche die Q1-Zahlen von RHI (WKN 874182). Auf den ersten Blick ok, auf den zweiten wohl eher ein „na ja…“ wert. Immerhin wurde der Ausblick für das Gesamtjahr bestätigt – die Aktie tut sicher aber dennoch schwer, die Zone 27/28 Euro nachhaltig einmal zu überspringen. Mehr dazu hier.
Auch beim Feuerwehr-Ausrüster Rosenbauer (WKN 892502) gab Zahlen für das erste Quartal. Soweit alles gut. Die Aktie ist ebenfalls „im Trend“ – neues Alltime-High. Mehr dazu hier.
Die Österreichische Post (WKN A0JML5) konnte zum Jahresstart 2013 vom anhaltenden Trend zum Online-Shopping profitieren. Gleichzeitig sorgten einige Sondereffekte wie Wahlen und Volksbefragungen für eine positive Entwicklung im Briefgeschäft, obwohl der langfristige Trend für den guten alten Brief eher nach unten zeigt. Da die Jahresprognose dank des guten Jahresauftakts bestätigt werden konnte, könnte auch die Aktie ihre langfristige Aufwärtsbewegung fortsetzen, nachdem der jüngste Dividendenabschlag den Kurs des Papiers kurzfristig nach unten gezogen hatte.

Wochenvorschau: Unternehmenstermine

In Sachen Quartalszahlen kühlt sich in der kommenden Woche die Bilanzsaison etwas ab. So berichten unter anderem: Campbell Soup, Ryanair (Montag); Best Buy, Home Depot, Vodafone und zooplus (Dienstag); Hewlett-Packard, Lowe’s, PetSmart, Staples, Target (Mittwoch); Gap, Heinz, Krispy Kreme, Polo Ralph Lauren, Salesforce.com (Donnerstag); Abercrombie & Fitch, Foot Locker (Freitag).

Wochenvorschau: Konjunkturdaten

In Sachen Wirtschaft- und Konjunkturdaten wird die kommende Woche ruhig verlaufen. Am Pfingstmontag wird zwar weltweit gehandelt, aber an wichtigen Daten stehen lediglich der Chicago Fed National Activity Index (April) auf der Agenda. Am Dienstag folgen aus Deutschland die Erzeugerpreise (April). Zur Wochenmitte wird die EZB die Leistungsbilanz der Eurozone (März) veröffentlichen. Zudem folgen aus den USA die Verkäufe bestehender Häuser (April) sowie am Abend die jüngsten Sitzungsprotokolle der US-Notenbank Fed (sogenannte Fed Minutes) vom 30. April / 1. Mai 2013. Am Donnerstag werden neben einigen europäischen Einkaufsmanagerindizes (Mai) und dem EU-Verbrauchervertrauen (Mai) auch die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sowie Verkäufe neuer Häuser (April) bekannt gegeben. Am Freitag schließlich wird Destatis die detaillierten Ergebnisse zum deutschen BIP im ersten Quartal bekannt gegeben. Es folgen zudem der GfK-Konsumklima (Juni) sowie ifo-Geschäftsklima (Mai) bevor am Nachmittag der US-Auftragseingang für langlebige Güter (April) veröffentlicht wird.

Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse


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