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Im Fokus: BASF-Zahlen geben Spiegelbild der tatsächlichen Lage

Die aktuelle Quartalszahlensaison bietet mal wieder für jeden etwas. Von positiven Überraschungen und satten Kursgewinnen bis zu drastischen Enttäuschungen und Kurseinbrüchen ist alles vorhanden. Heute traf es auf der negativen Seite besonders den Chemiekonzern BASF – die Aktie verlor zeitweise über 5 Prozent an Wert. Unabhängig von der Kursentwicklung ergibt das Bild bei BASF einen guten Überblick über die derzeitige Lage der Weltwirtschaft. Denn hier spielen keine Sondereffekte wie etwa bei VW die Abwrackprämien, bei Bankwerten die Überversorgung mit billigem Geld durch die Zentralbanken oder bei Siemens die Konjunkturprogramme eine Rolle. Die Realität wird hier also unverfälscht gezeigt. Und daher sollte man sich die Zahlen genau ansehen.

Zunächst ein Blick auf das Unangenehme: So wurden Umsatz und Ergebnis auch im zweiten Quartal 2009 durch die anhaltende Finanz- und Wirtschaftskrise belastet. Die Auswirkungen auf das Geschäft sind laut BASF besonders stark in den Segmenten Chemicals, Plastics und Functional Solutions zu sehen. Dabei wird vor allem auf die Situation in der Automobil- und Bauindustrie verwiesen. Im Einzelen fiel der Umsatz im zweiten Quartal um 23 Prozent auf 12,5 Mrd. Euro. Das EBIT vor Sondereinflüssen verringerte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 53 Prozent auf 1,1 Mrd. Euro. Soviel zu den harten Zahlen. Für die Zukunft wurden dementsprechend zurückhaltende Aussagen getroffen. Finanzvorstand Bock erkärte:

„Nach unserer Ansicht scheint der Abschwung gestoppt und eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau einzutreten. In Nordamerika scheint die Talsohle erreicht und China wächst wieder stärker. Ein nachhaltiger Aufschwung ist aber noch nicht in Sicht. Die Gefahr eines erneuten schmerzhaften Rückschlags durch Überkapazitäten, Unternehmens­insolvenzen und wachsende Arbeitslosigkeit besteht nach wie vor. […] Vor dem Hintergrund dieses wirtschaftlichen Umfeldes und den aus der Ciba-Integration resultierenden Belastungen erwartet BASF im Jahr 2009 einen starken Umsatz- und Ergebnisrückgang.“

Dabei kassierte Bock auch das Ziel im Jahr 2009 die Kapitalkosten zu verdienen. Alles in allem nicht so rosig. Dennoch gehe ich davon aus, dass BASF deutlich gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. Dabei schaue ich derzeit besonders auf die Entwicklung in China, wo meines Erachtens die entscheidenden Dinge passieren. Zwar musste auch in Asien ein erheblicher Umsatz- und Ergebnisrückgang hingenommen werden, dennoch scheint sich die Lage dort weitaus schneller zu erholen als in Europa oder den USA. Dazu heißt es in der Pressemitteilung: „Insgesamt zog die Nachfrage [in Asien, eigene Anmerkung] getrieben durch ein wieder erstarktes Wachstum in China im zweiten Quartal deutlich gegenüber dem ersten Quartal an.“

Somit sollte man die derzeitigen Kurssteigerungen als das sehen was sie sind. Kurzfristige Übertreibungen nach oben. Aus Angst Kurschancen zu verpassen, steigen viele Anleger blind in den Markt ein. Da sich die Wirtschaftslage hierzulande aber nicht nachhaltig verbessert hat – hier sei aktuell nur mal an die Auftragsentwicklung im Maschinen- und Anlagenbau erinnert – handelt es sich nur um ein Strohfeuer. Schaue man nur mal auf die heutigen Kursgewinne bei VW. Die Integration von Porsche ist ungewiss, die finanziellen Folgen erst Recht und der Fahrzeugabsatz ist durch die Abwrackprämie künstlich aufgehübscht worden. Langfristiger Erfolg sieht in meinen Augen anders aus. Die Füße still zu halten und genau hinzusehen ist in meinen Augen derzeit die beste Option.


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