Die Deutsche Bank, die Krise und die Kreditklemme

1

Die Deutsche Bank ist ja heute in aller Munde. Da wird über den Milliardengewinn gesprochen. Hin und wieder über den Ausblick. Und garnicht über die Risikovorsorge. Das Thema Kreditklemme wird schon gleich garnicht erwähnt. Ein Grund mal etwas näher hinzusehen. Das vergangene Quartal war für die Deutsche Bank alles in allem ganz positiv. Wie man der Pressemitteilung entnehmen kann, wurde wieder ein Gewinn vor Steuern von 1,3 Mrd. Euro erzielt. Zuletzt hatte die Finanzkrise für einen Verlust gesorgt. Der Quartalsgewinn nach Steuern belief sich auf 1,1 Mrd. Euro und lag damit um 67 Prozent über dem Vergleichswert vom zweiten Quartal 2008. Auch das Ergebnis je Aktie (verwässert) überzeugte mit 1,64 Euro, nach 1,27 Euro im Vorjahresquartal. Unter den einzelnen Geschäftsbereichen fiel besonders das Investmentbanking mit einem sehr guten Ergebnis auf. Daneben wurden auch durch den Verkauf von Unternehmensbeteiligungen ordentliche (Einmal-)Erträge erzielt.

Wenig erfreulich wurden die Aussagen zum Ausblick aufgenommen. Hier hatte Konzernchef Ackermann, dessen Vertrag i.ü. um drei Jahre bis zur Hauptversammlung 2013 verlängert wurde, erklärt:

„Der Ausblick für das verbleibende Jahr 2009 hängt stark davon ab, wie es mit der Entwicklung der globalen Wirtschaft weitergeht. Auf dieses unsichere Umfeld ist die Deutsche Bank gut vorbereitet. Wir haben die günstigen Bedingungen an den Finanzmärkten genutzt und gleichzeitig die Bank noch besser für mögliche Herausforderungen in der Zukunft gerüstet. Wir haben unsere Kosten gesenkt, die Risiken in unserer Bilanz verringert sowie unsere Kapital- und Liquiditätsposition gestärkt. All diese Maßnahmen versetzen uns in die Lage, Herausforderungen in der nahen Zukunft erfolgreich zu bewältigen.“

Interessant sind auch die Auswirkungen in der Bilanz. Demnach wurde die Bilanzsumme (US-GAAP pro Forma) um 6 Prozent im Quartal und um 31 Prozent seit 30. Juni 2008 gesenkt. Daher hat sich auch die Tier-1 Kernkapitalquote auf 11,0 Prozent verbessert. Und hier kommt man so langsam in Richtung des Problemfelds Kreditklemme. Zwar erklärte Ackermann:

„Obwohl wir an unserer konsequenten Bilanzdisziplin festhalten, werden wir unsere Kunden in einem schwierigen Kreditumfeld wie bisher unterstützen. Unser Neugeschäft in der Baufinanzierung für Privatkunden der Deutschen Bank in Deutschland ist innerhalb der vergangenen zwölf Monate um mehr als 50% gestiegen, und unsere Kredite im mittelständischen Firmenkundengeschäft sind heute um rund 3 Mrd € höher als zu Beginn der Krise im Herbst 2007.“

Dennoch hat man in gleichem Maße die Risikovorsorge im Kreditgeschäft von 135 Mio. Euro im zweiten Quartal 2008 auf nun 1,0 Mrd. Euro drastisch ausgeweitet. Somit wird deutlich, was ich auch schon in meinem letzten Beitrag zur Kreditklemme geschrieben habe: Die Lage ist nicht das Problem, die Zukunft ist es. Aus Angst vor einem sich abschwächenden Kreditgeschäft und damit einer Abhängigkeit vom krisengeschüttelten Investmentbanking verliert die Deutsche Bank-Aktie derzeit auch mehr als 8 Prozent.

An dieser Stelle möchte ich auch zwei zwei aktuelle Untersuchungen zum Thema Kreditklemme eingehen. Das ifo-Institut hat bei seiner monatlichen Umfrage auch nach der Hausbankbeziehung gefragt. Demnach sind nach Einschätzung der befragten Unternehmen private Geschäftsbanken und Landesbanken zurzeit besonders zurückhaltend bei der Kreditvergabe. Dabei seien große Unternehmen von der restriktiven Kreditvergabe am stärksten betroffen. Weiter heißt es:

Die Umfrage ergab jedoch, dass die privaten Geschäftsbanken auch bei Unternehmen, die ihre eigene Geschäftslage als gut bewerten, zurückhaltender Kredite vergeben als andere Banktypen.
Im Ergebnis zeigen sich daher zwei wesentliche Ursachen für die Kreditzurückhaltung der Finanzinstitute: die gestiegenen Ausfallrisiken bei den Kunden und die eigenen Verluste, die die Banken durch die Finanzkrise erlitten haben.

Bei der zweiten Befragung handelt es sich um eine Online-Umfrage der Freiburger Handwerkskammer. In einem hochinteressanten Vorabbericht dazu bei der Badischen Zeitung heißt es, dass die Darlehensvergabe zäh verlaufe – möglicherweise auch wegen der Finanzkrise. Die in dem Artikel genannten Beispiele zeigen, dass derzeit vor allem die Bewertung der Sicherheiten sehr viele intensiver abläuft und daher auch deutlich mehr Zeit und Formalia benötigt. Der „kleine Dienstweg“ scheint hier also keine Alternative mehr zu sein. Ich wage dabei jetzt mal die Behauptung, dass man daraus jedoch nicht unbedingt auf eine Verschlechterung schließen können. Vielleicht war die Vorkrisen-Kreditvergabe auch einfach zu lax? Vielleicht werden Spielräume einfach nicht mehr zugunsten des Kreditnehmers ausgenutzt?


1 KOMMENTAR

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here