DAX: Ein Hund namens „BelloBörse“

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Bildquelle: Pressefoto Börse Stuttgart

Und nun ist es soweit: Am Dienstag hat der Dax sein Allzeithoch von 8151 Punkten übertroffen.  Jetzt sind natürliche viele Experten dabei, die genauen Gründe dafür zu analysieren. Wie so häufig gilt aber sicher auch hier die Devise „Die Kurse machen die Nachrichten und nicht die Nachrichten die Kurse“. Denn wenn nun selbst die Bild-Zeitung bereits berichtet, weiß man meistens, dass es mit fundamentalen Gründen nicht viel zu tun haben kann.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in den USA. Auch hier zeigen die Indices bereits wieder Rekordstände auf. Veranschaulicht man sich nun die Lage der einzelnen Wirtschaften fragt man sich schnell, ob diese großen Kurszuwächse gerechtfertigt sind. Und dabei fällt mir immer wieder das Beispiel André Kostonlanys ein. Dieser beschrieb die Börse als Hund, nennen wir ihn mal „BelloBörse“, der mit seinem Herrchen, der die Wirtschaft verkörpert, Gassi geht. Im Normallfall geht der Herr in einem gleichmäßigen Tempo und legt somit vielleicht 2 Km zurück. Der Hund hingegen rennt beispielsweise vor, bis er merkt, dass sein Herrchen nicht mehr in Sichtweite ist und kehrt schnell wieder zu ihm zurück. Die Kurse fallen also wieder um sich dem aktuellen Stand der Wirtschaft anzupassen. Dies kann natürlich auch seitwärts passieren oder „BelloBörse“ rennt genau in die entgegengesetzte Richtung weil er ahnte dort etwas gesehen zu haben. Somit legt dieser in der gleichen Zeit dann vielleicht 4 Km zurück.

Und so ist es eben an der Börse. In Zeiten eines kontinuierlichen Wirtschaftswachstums erlebt man an den Kapitalmärkten Zeiten einer Hausse, Baisse oder gar lediglich Seitwärtsbewegungen. Jedoch kommen die Kurse immer wieder zum Stand der aktuellen Wirtschaft zurück. Nun ist nur die Frage, herauszufinden auf welchem Stand sich die aktuelle Wirtschaft bei uns und in der Welt befindet.

Gerade in den USA sehe ich die Gründe für neue Allzeithochs noch nicht. Die USA hat immer noch große strukturelle Probleme und auch die Schuldensituation ist längst nicht vollends gelöst. Ähnlich sieht es in Europa aus. Auch wenn der EURO STOXX 50 noch nicht wieder an sein Vorkrisenniveau anknüpfen kann, schaffte zu mindestens der Dax dieses sogar zu übertreffen. Wenn nun jedoch wieder die vielen krisengeschüttelten Länder der Eurozone (Frankreich, Belgien, Malta, Slowenien) auch in Deutschland mehr in den Fokus rücken und neue Rettungsschirme gespannt werden, dürfte es wieder holprig werde. Über Frankreich habe ich in meinem Blog bereits vor einem Monat berichtet und so langsam rückt die Fehlpolitik François Hollandes ja auch endlich in den Vordergrund. Weitere Länder, sowie Slowenien wurden gerade erst von Moody’s herabgestuft. Slowenien sehe ich hier noch nicht als größtes Sorgenkind und auch Dr. Wolfgang Schäuble beschrieb die Probleme Sloweniens in einer kleinen Diskussionsrunde neulich erst als „à la bonne heure“. Wie sehr er damit Recht haben wird bleibt abzuwarten.

Jedenfalls ist der Grund in der aktuellen Euphorie an den Börsen sicher in den Tsunamis seitens der Notenbanken zu sehen. Hierüber habe ich bereits am 08.04 berichtet und eine klare Chance zum starken Anstieg der Börsen gesehen. Diese Euphorie spiegelt sich auch in unterschiedlichen Sentiment Indikatoren wieder, welche für die USA bereits zu euphorisch sind, was häufig als Warnsignal verstanden werden darf. Demnach wäre in Deutschland jedoch noch Luft nach oben.

Im Fazit: Die aktuellen Kurse an den Börsen haben sicher, aufgrund der hohen Unterinvestition der Anleger, der Alternativlosigkeit der Aktie, sowie den starken Interventionen der Notenbanken noch weiteres Potential nach oben. Jedoch denke ich, dass gerade in den USA der Hund dem Herrchen Wirtschaft bereits voraus ist. In Deutschland hingegen, das fundamental ja nicht schlecht da steht, könnte es noch weiter nach oben gehen. Wie so oft ist es aber der Fall, dass  die Amerikaner die Musik an den Börsen machen und bei fallenden Indices auf der einen Seite vom großen Teich auch der Dax mit baden gehen könnte.

Es bleibt nun also nur abzuwarten, wann der Hund namens „BelloBörse“ erkennt, dass er zu weit gelaufen ist, und zu seinem Herrchen zurückkehrt.

Ihr Andreas Meyer

Andreas Meyer ist momentan Student der internationalen Betriebswirtschaftslehre (Schwerpunkt Finanzwirtschaft) in Frankreich. Mit dem Geschehen an den weltweiten Finanzmärkten beschäftigt er sich bereits  seit seinem 16. Lebensjahr. Praktische Erfahrungen konnte er schon im Derivategeschäft, sowie im Asset Management gewinnen. Des Weiteren hat Andreas Meyer neben dem Studium mit der Gründung von A.M. Capital Research den Weg in die Selbstständigkeit angetreten. Als Herausgeber vom „AM-Strategy-Report“ beschäftigt sich A.M. Capital Research professionell mit der Analyse der Finanzmärkte und von Unternehmen im Einzelnen speziell mit dem Schwerpunkt des „Value-Investing“.

Bildquelle: Pressefoto Börse Stuttgart


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