ABB kauft US-Wechselrichter-Hersteller – schlechte Nachrichten für Aktionäre von SMA Solar

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Bildquelle: Pressefoto ABB

Es dürfte wohl die Meldung des Tages sein: Der Schweizer Energie- und Automationstechnikkonzern ABB (WKN 919730) übernimmt für rund 1 Mrd. Dollar die US-Firma Power-One. Das Unternehmen bietet so genannte Photovoltaik-Wechselrichter an. Mit dem Zukauf würde ABB laut eigenen Angaben in diesem Bereich zur weltweiten Nummer eins aufsteigen und den deutschen TecDAX-Konzern SMA Solar (WKN A0DJ6J) von der Spitzenposition stoßen. Alles in allem kein guter Tag für Aktionäre von SMA Solar – trotz der unverständlich hohen Kursgewinne heute.

Das Wechselrichter-Geschäft ist derzeit noch eines der wenigen Bereiche, die den Solar-Sektor in Deutschland am Leben halten. Bislang konnte man sich mit dem Marktführer SMA Solar hier noch auf die Schulter klopfen. Doch ABB macht nun einen Strich durch die Rechnung. Nicht nur, dass nun deutlich potentere Konkurrenz unter dem Dach eines ausgewiesenen Elektrotechnik-Konzerns entsteht. Vielmehr sollte man sich als SMA-Fan mal überlegen, warum ABB nicht gleich den Marktführer gekauft hat. Preislich hätte das keinen großen Unterschied gemacht. Stattdessen nun also Power-One. Man darf orakeln, ob es für ABB die Forschungsstärke der Amerikaner (Stichwort Micro-Inverter), die Verwurzelung im Dollar-Raum, die Produktion in China oder schlicht die starke Power-One-Bilanz war, die den Ausschlag für die Wahl gab. Am Ende dürfte es wohl eine Mischung aus allem gewesen sein. In jeden Fall war es eine Entscheidung gegen SMA Solar. Nun geäußerte Übernahmephantasie bei SMA Solar kann ich nicht erkennen – wer sollte hier ausgerechnet ABB angreifen? Siemens? Die haben genügend eigene Baustellen. GE? Konzentriert sich auf Windkraft. Alstom? Engagiert sich in anderen Energiebereichen, wie Wasser sowie konventionelle Kraftwerke.

An dieser Stelle vielleicht auch mal einen Blick auf den Kursverlauf von ABB und SMA Solar, sowie als abschreckendes Beispiel noch Solarworld.

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ABB sichert sich durch den Zukauf also den Zugang zu wichtigen Zukunftstechnologien. Der Preis dürfte daher gerechtfertigt sein. Überhaupt hat die ABB-Aktie zuletzt eine ordentliche Performance hingelegt, auch wenn auf Jahressicht nur ein dünnes Kursplus von 6,5 Prozent zu Buche schlägt. Die Fundamentdaten sind mit einem 2014er KGV von 12,4 und einer aktuellen Dividendenrendite von 3,6 Prozent weiterhin nicht unattraktiv. Charttechnisch drehte die Aktie jüngst am GD100. Der langfristige Aufwärtstrend ist damit weiter intakt.

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Auch bei Analysten kommt der Kauf gut an. Vontobel etwa hält die Übernahme für einen strategisch intelligenten Schritt, mit dem ABB sein Portfolio von Solarprodukten hinsichtich Smart Grids und Netzparität zum richtigen Zeitpunkt ausweitet. Da die Übernahme hauptsächlich auf die Technologie und die Expandierung des Produktportfolios abzielt, erwarten die Analysten keinen steigenden Umsatz und keine Kostensynergien. Das US-Unternehmen werde vielmehr das Geschäft mit Solar-Invertern von ABB ergänzen, das 2013 einen Umsatz von 100 Mio. Dollar generieren dürfte. Daher wird seitens Vontobel das „Buy“ Rating bestätigt. Als Kursziel werden 25 CHF genannt – immerhin ein Potenzial von rund 25 Prozent.

Bildquelle: Pressefoto ABB


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