Wochenrückblick KW 16: DAX-Korrektur schon zu Ende? Turbulente Commerzbank-HV im Blick

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Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse

Für Gold-Anleger dürfte die vergangene Woche ein unvergesslicher Zeitraum gewesen sein. Solch eine Korrektur hat man selten gesehen. Und doch greifen vor allem die Kleinanleger bereits wieder beherzt bei physischem Gold und Silber in Form von Münzen und Barren zu. Auf der Stuttgarter Anlegermesse Invest bildeten sich sogar kurzzeitig Schlangen vor den Verkaufsständen der ausstellenden Edelmetallhändler – man merkt einfach die Verunsicherung ist nach wie vor groß. Doch charttechnisch sieht es noch nicht nach einem Einstiegsniveau aus. Die Verunsicherung sah man auch im DAX, wo vergangene Woche die 7500er Marke fiel. Manch einer hofft jedoch nach dem Freitagshandel mit der Erholung bis zum Abend bereits wieder auf ein Ende der Korrektur – und das bevor der „Verkaufsmonat“ Mai überhaupt angefangen hat. Vor zwei Wochen schrieb ich etwas von Sell in April und das scheint sich bislang bewahrheitet zu haben. Und es gibt keinen Grund, warum man übermäßig optimistisch werden sollte, denn Marktindikatoren wie die IBM-Zahlen deuten eher auf ein enttäuschendes erstes Quartal hin.
Apropos schwaches Quartal: Die Commerzbank (WKN 803200) hat mal wieder gezeigt, dass es bei ihr alles andere als positiv läuft. Die Hauptversammlung am Freitag war für manche die Bühne zur großen Abrechnung mit dem Management. Doch genutzt hat es wenig: der Kapitalerhöhung zur vollständigen und vorzeitigen Rückzahlung der Stillen Einlagen von Bund und Allianz wurde ebenso zugestimmt wie der Aktienzusammenlegung von 10 zu 1. Und auch Vorstand und Aufsichtsrat wurden entlastet. Die genauen Abstimmungsergebnisse zu den einzelnen Tagesordnungspunkten kann man sich hier en Detail anschauen – vorausgesetzt man ist Kummer gewohnt. Zumal auch der Blick in die Zukunft eher rote Zahlen erwarten lässt.

Der DAX und sein Chart

Der DAX hat seine Korrektur in den letzten Tagen dynamisch fortgesetzt und ist auf ein neues Jahrestief gefallen. Ein Ende der aktuellen Schwäche ist nicht in Sicht. Nun gerät allmählich die 200-Tage-Linie in den Fokus. Wie wir in unserem Ausblick DAX schreiben, ist nun der steigende Gleitende Durchschnitt, der aktuell bei 7.373 verläuft, die zentrale Unterstützung.

Einzeltitel aus Deutschland

Für einen Schock sorgte vergangenen Woche Solarworld (WKN 510840). Für 2012 erwartet Solarworld einen Verlust von rund einer halben Milliarde Euro – und nun geht man den Weg nach Canossa und ruft eine außerordentliche Aktionärsversammlung ein. Weil man das Kapital seiner Aktionäre verloren hat. Der Kurs ging daraufhin auf Talfahrt und hinterlässt viele ratlose Aktionäre. Solar geht in Deutschland nicht mehr.
Neue Übernahmephantasien gibt es derzeit wieder bei Deutschlands größtem Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (WKN KD8888). Nachdem der britische Telekomkonzern Vodafone (WKN A0J3PN) wohl kein Angebot vorlegen wird, richtet sich der Blick nun auf den weltweit größten Kabelnetzanbieter Liberty Global (WKN A0EQ3F). Doch ob ein Angebot wirklich kommt und ob der Kurs in der Folge wirklich noch Potenzial hat, darf bezweifelt werden.
Die beiden deutsche Energieriesen E.ON (WKN ENAG99) und RWE (WKN 703712) mussten zum Ende des vergangenen Jahres mitansehen, wie ihre jeweiligen Bewertungen an der Böse immer weiter schrumpften. Während RWE zuletzt davon profitieren konnte, dass das Unternehmen seinen Strom mit Hilfe der im Vergleich zu Gas günstigeren Kohle produziert, scheint das Pendel aus Analystensicht nun etwas mehr in Richtung des Branchenprimus E.ON auszuschlagen. Nachdem die E.ON-Aktie zum Ende des vergangenen Jahres wegen der Aussicht auf niedrigere Unternehmensgewinne starke Prügel beziehen musste, könnte der Aktienkurs des größten deutschen Energieversorgers zu Beginn des Jahres 2013 einen Boden erreicht haben. Darüber hinaus konnte das im DAX notierte Papier sogar eine leichte Erholungstendenz verbuchen. Allerdings handelt es sich hierbei um eine kurzfristige Betrachtung. Es muss sich erst noch herausstellen, ob dies nur eine kurzfristige Reaktion war, oder ob wir nun den Anfang eines längerfristigen Anstiegs gesehen haben.
Nachdem der Zahlungsabwickler Wirecard (WKN 747206) bereits Ende Januar mit den vorläufigen Eckdaten für das abgelaufene Geschäftsjahr überzeugen konnte, gab es nun bei der Vorstellung des offiziellen Geschäftsberichts keine großen Überraschungen. Dabei bleibt das Unternehmen, wie wir bereits im Rahmen unserer Reihe Aktien 2013 ausführlich berichtet haben, auf der Überholspur.
Nachdem der Grafitspezialist SGL Carbon (WKN 723530) nicht gerade eine optimistische Prognose für das laufende Geschäftsjahr abgegeben hatte, sorgte nun die ausgesprochene Gewinnwarnung für einen Einbruch beim Aktienkurs. Grund für die gesenkten Gewinnaussichten ist der schwache Jahresauftakt, für den insbesondere die gesteigerten Unsicherheiten im Geschäft mit Carbonfasern gesorgt haben.

Internationale Einzelwerte

Während hierzulande die großen Banken wie die Deutsche Bank (WKN 514000) und die Commerzbank (WKN 803200) zuletzt sogar deutlich weniger Gewinn vorzuweisen hatten als die staatliche Förderbank KfW, beeindrucken die US-Großbanken mit sprudelnden Gewinnen. Nachdem bereits Wells Fargo (WKN 857949), JPMorgan Chase (WKN 850628) und Citigroup (WKN A1H92V) überzeugende Quartalsergebnisse liefern konnten, lag nun auch die Wall Street-Legende Goldman Sachs (WKN 920332) mit seinem Zahlenwerk für das erste Quartal über den Markterwartungen.
Einen besonderen Fokus legte die Anlegerschar vergangene Woche jedoch auf Nokia (WKN 870737). Der finnische Handyhersteller konnte im ersten Geschäftsquartal, wie auch im Vorjahreszeitraum, erneut keinen Gewinn verbuchen. Gleichzeitig schaffte es das Unternehmen nicht an die schwarzen Zahlen aus dem Schlussquartal 2012 anzuknüpfen. Allerdings konnte Nokia von seinen Sparbemühungen und einigen Erfolgen beim Geschäft mit Netzwerkausrüstung profitieren, so dass die Verluste eingegrenzt und sogar die Markterwartungen übertroffen werden konnten. Allerdings fielen die Umsätze deutlich schwächer als erwartet aus, was den Aktienkurs nach unten rutschen ließ. Zumal auch Analysten negativ reagierten und der Aktie weniger Potenzial zutrauen. Auch im Chartcheck bietet die Nokia-Aktie wenig positives.
Zu Wochenbeginn konnte der weltgrößte Joghurt-Hersteller Danone (WKN 851194) überraschend gute Umsatzzahlen für das erste Quartal liefern, obwohl die Franzosen wesentlich stärker als die Branchenkonkurrenz von der Entwicklung der Märkte in den Krisenländern Südeuropas abhängig sind. Dem weltgrößten Lebensmittelhersteller Nestlé (WKN A0Q4DC) machte die Nachfrageschwäche im Süden Europas offenbar mehr zu schaffen, so dass die Ergebnisse für das erste Quartal unter den Markterwartungen blieben.
In der Biotech-Branche läuft es – zumindest für Europas größten eigenständigen Biotech-Konzern Actelion (WKN 936767) – sehr gut. Wachsende Umsätze konnten erneut in überproportional steigende Gewinne umgesetzt werden und so die Erwartungen übertreffen. Der Aktie dürfte dies in ihrem fast bilderbuchhaften Aufwärtstrend weiter helfen.
Es ist der Traum vieler kleiner Jungs einmal im Feuerwehrauto zu sitzen. Bei Rosenbauer (WKN 892502) macht man das von Berufs wegen, denn die Österreicher sind der führende Hersteller für Feuerwehrtechnik im Brand- und Katastrophenschutz. Wie gut das Geschäft, trotz teils widriger Umstände, läuft, zeigen die heute veröffentlichten Geschäftszahlen 2012. Damit dürfte auch die Aktie ihren Aufwärtstrend weiter fortsetzen.

Wochenvorschau: Unternehmenstermine

In Sachen Quartalszahlen gewinnt die Bilanzsaison an Fahrt. So berichten unter anderem: Aixtron, Caterpillar, Halliburton, Philips und STMicroelectronics (Montag); Apple, DuPont, GDF Suez und YUM! Brands (Dienstag); ABB, Axel Springer, Boeing, Credit Suisse, Daimler, Eli Lilly, Eni, Ford, Novartis, Vale, Procter & Gamble und Qualcomm (Mittwoch); Amazon, Bayer, ConocoPhillips, Dow Chemical, Exxon Mobil, Fielmann, MTU Aero Engines, Praktiker, Rhön-Klinikum, Starbucks und UPS (Donnerstag); Alcatel-Lucent, BASF, Total und Chevron (Freitag).
Daneben stehen auch einige Hauptversammlungen im Terminkalender: Syngenta (Dienstag); Axel Springer, Citigroup und General Electric (Mittwoch); ABB, Münchener Rück, Schoeller-Bleckmann, Volkswagen (Donnerstag).

Wochenvorschau: Konjunkturdaten

In Sachen Konjunkturdaten stehen in der kommenden Woche wieder etwas weniger Termine auf der Agenda. Aus Deutschland und Europa werden am Dienstag zahlreiche Einkaufsmanagerindizes in den Fokus der Anleger rücken. Am Mittwoch folgt das ifo Geschäftsklima (April) und zum Wochenschluss wird Einfuhrpreisstatistik (März) veröffentlicht.
Aus den USA werden am Montag die Verkaufszahlen bestehender Häuser (März) veröffentlicht, bevor am Dienstag der FHFA Hauspreisindex (Februar) sowie die Neubauverkäufe (März) folgen. Am Mittwoch stehen dann die Daten zum Auftragseingang der langlebigen Güter (März) auf der Agenda. Am Donnerstag folgen die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, bevor am Freitag die 1. Veröffentlichung des US-BIP zum ersten Quartal und das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan (April) bekannt gegeben wird.

Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse


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